Frankreich

Juni 2016

Endlich startet unser Reisejahr 2016. Es ist bereits Anfang Juni, so dass wir dieses Jahr keine große Tour machen können.  Statt dessen haben wir uns für eine Rundreise auf der iberischen Halbinsel entschieden.  Wir hoffen, dem ständigen Regen in Deutschland zu entkommen und freuen uns schon auf die Sonne.

Unser Weg nach Spanien führt uns durch Frankreich. Unsere erste Station ist Mulhouse – ein Ort mit einer netten Altstadt. Wir spazieren durch die Gassen auf der Suche nach einer Prepaid-SIM-Karte fürs Internet in Frankreich. Wir finden mehrere Anbieter, doch niemand hat ein passendes Angebot für uns, da keiner der Anbieter Tethering zuläßt.

Mulhouse – Rathaus am Place de la Reunion

Mulhouse – Place de la Reunion

Mulhouse – Altstadtgasse

Mulhouse – Arkaden des Nouveau Quartier (1827)

Wir fahren weiter zur Zitadelle von Besancon, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Sie gehört zu einer Reihe von Zitadellen, die im 17. Jhdt. von dem Baumeister Vauban errichtet wurden. Die Zitadelle von Besancon gilt als eine der schönsten. Sie thront hoch über der Altstadt und dem Fluß Doubs. Wir finden einen schönen Stellplatz direkt am Flußufer gegenüber der Zitadelle. Wir sind glücklicherweise so früh hier, das wir noch einen der letzten freien Plätze ergattern.

Eine endlos steile Treppe führt uns hinauf zum Eingang der Zitadelle. Von hier oben haben wir einen netten Blick auf die Stadt, die recht einladend aussieht. Wir verzichten auf die Besichtigung des Inneren der Zitadelle, denn der Eintritt kostet mehr als 10 Euro, wobei in den meisten Gebäuden irgendwelche Museen sind, die wenig mit der Zitadelle selbst zu tun haben. Wir laufen lieber bergab und schauen uns die schöne Innenstadt an.

Die meisten Häuser sind wohl zur selben Zeit wie die Zitadelle erbaut worden. Überraschenderweise finden wir in einer kleinen Parkanlage die Reste eines römischen Theaters. Sie waren unter einer Kirche verborgen und sind bei deren Abriss zum Vorschein gekommen.

Besancon – Zitadelle

Besancon – Stadttor

Besancon – Blick auf die Altstadt

Besancon – Altstadt

Besancon – Altstadt

Besancon – Altstadt

Besancon römische Ruinen am Square Castan

Am nächsten Morgen verlassen wir Besancon. Wir haben Glück, dass wir früh dran sind, denn gerade werden Strassensperren aufgebaut für einen Triathlon. Zwanzig Minuten später wären die Strassen gesperrt gewesen und wir in Besancon gefangen. Doch so können wir im letzten Moment entkommen und steuern unser nächstes Ziel an – La Rochelle.

Unsere Hoffnung, den Regen hinter uns zu lassen hat sich bisher noch nicht erfüllt, denn es ist noch kein Tag ohne Regenschauer vergangen. Auch unsere Stadtbesichtigung von La Rochelle beginnt im Regen. Durch die schönen Altstadtgassen gehen wir zum Rathaus, das zu den Top-Sehenswürdigkeiten von La Rochelle zählt. Doch es ist hinter Bauplanen verschwunden. Einige Info-Tafeln berichten darüber, dass das Rathaus 2013 abgebrannt ist und nun wieder aufgebaut wird. Doch der alte Hafen mit den zwei mächtigen Festungstürmen ist trotz des grauen Wetters nett anzuschauen.

La Rochelle – Alter Hafen

LaRochelle – Porte de la Grosse Horloge

La Rochelle – Stadtmauer

La Rochelle – Altstadt

La Rochelle – Altstadt

Wir verlassen La Rochelle und fahren weiter zur Zitadelle von Brouage. Sie ist ebenfalls ein Werk von Vauban.  Im Innern der Zitadelle ist ein kleiner Ort, dessen Straßen rechtwinklig – also geplant – angelegt sind. Von der Zitadellenmauer haben wir einen schönen Blick auf den Ort und die Umgebung. Hier ist es noch ruhig und beschaulich und es gefällt uns gut.

Brouage – Zitadelle

Brouage – Zitadelle

Brouage – Zitadelle

Brouage – Zitadelle

Brouage – Zitadelle – Pulverlager

Brouage – Zitadelle

Da der große Parkplatz vor der Zitadelle mittlerweile für Wohnmobile gesperrt ist fahren wir weiter und finden einen schönen Stellplatz am Hafen von Mortagne-sur-Gironde. Hier ist viel los und wir haben Glück, dass noch ein Platz für uns frei ist. Auch hier merken wir wieder, welche Mengen an Wohnmobilen unterwegs sind – und es scheinen jedes Jahr mehr zu werden. Es ist schon nicht mehr angenehm, spätestens gegen Mittag einen Stellplatz ansteuern zu müssen, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen.

Der Ort Mortagne-sur-Gironde liegt an einem Nebenarm der Gironde einige Kilometer vom Meer entfernt. Trotzdem ist er gezeitenabhängig.  Als wir am Mittag um das Hafenbecken laufen ist Ebbe und die Boote liegen auf dem Schlamm.  Am Abend kommt die Flut zurück und die Boote schwimmen wieder im Wasser. Bei Sonnenuntergang beobachten wir, wie die Fischkutter zurückkommen und ihren Fang ausladen. Die Fische sind so groß, dass Kopf und Schwanz aus der Kiste schauen.

Mortagne sur Gironde – Fischerhafen

Mortagne sur Gironde – unser Platz am Fischerhafen

Mortagne sur Gironde – Heimkehr der Fischerboote

Mortagne sur Gironde – Heimkehr der Fischerboote

An diesem Platz gefällt es uns gut und wir bleiben noch einen Tag. Dann holt uns das schlechte Wetter wieder ein und wir fahren weiter. Wir besichtigen die Zitadelle von Blaye. Sie ist ebenfalls ein Werk von Vauban und auch Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Zitadelle von Blaye ist ganz anders als die von Brouage. Sie beeindruckt mit mächtigen Außenmauern und Toren. Im Innern befinden sich verwinkelte Gassen mit alten Häusern und einer alten Kirche. Bei unserem Spaziergang  auf der Mauer haben wir einen schönen Blick auf die Gironde. Glücklicherweise verziehen sich während der Besichtigung die Wolken wieder.

Blaye – Zitadelle

Blaye – Zitadelle

Blaye – Zitadelle

Blaye – Zitadelle – Kirche

Blaye – Zitadelle – Kirche

Blaye – Zitadelle

Blaye – Zitadelle – Blick auf Gironde

Irgendwie ist uns nicht nach einer Besichtigung von Bordeaux und so fahren wir in mehreren kleinen Etappen weiter die Küste entlang nach Süden. Bei St. Jean de Luz finden wir einen netten Campingplatz wo wir einige Tage bleiben. Die Sonne scheint und wir machen entspannte Spaziergänge entlang der Küste.

See Lac du Leon

Blütenpracht

Atlantik-Küste bei St Jean de Luz

St Jean de Luz

St Jean de Luz

Bucht von St Jean de Luz

Es ist schon viele Jahre her, dass wir das letzte Mal in Frankreich waren. Uns ist aufgefallen, dass es auf dem Land mittlerweile Sprit nur noch an Automaten-Tankstellen bei den großen Supemärkten gibt. Sprit gegen Bargeld scheint es nur noch in den Städten und an der Autobahn zu geben. Wir sind froh, dass unsere Tanks groß genug sind, so dass wir nicht tanken müssen.

Wir sind auch überrascht von dem hohen Preisniveau im Land. So kostet zum Beispiel ein Bällchen Eis für uns unglaubliche 2,50 €.

Das war unsere Reiseroute durch Frankreich:

Karte Frankreich 2016Insgesamt sind wir 1.450 Kilometer gefahren.

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Kategorien: Reiseberichte | Ein Kommentar

Lettland – Litauen – Kaliningrad – Polen

Riga – Klaipeda – Kurische Nehrung – Kaliningrad –Frombork – Elblag – Rewal

August-September 2015

Unsere Reise 2015 geht langsam zuende. Nur noch das Baltikum und Polen trennen uns von Deutschland.

Wir stehen vor der Grenze nach Lettland, die gleichzeitig EU-Außengrenze ist. Obwohl hier nur wenig los ist, stauen sich vor der lettischen Grenzabfertigung die Autos. Zuerst müssen wir die Pässe vorzeigen und bekommen Zollformulare und einen Laufzettel. Auf meine Frage, wie es weitergeht werde ich sehr unhöflich zurück ins Auto geschickt. Im Auto sitzend müssen wir warten.. und warten .. und warten. Eine ganze Weile regt sich gar nichts. Offensichtlich ist Schichtwechsel und für den lassen sich die Beamten sehr viel Zeit. Dann werden die Autos vor uns abgefertigt. Irgendwann sind wir dran und eine recht unfreundliche Beamtin nimmt die Pässe und die Zolldeklarationen mit. Eine andere Beamtin schaut sich das Auto von innen an. Dabei beschränkt sie sich auf den Kühlschrank, den sie fast komplett ausräumt. Ich muß Joghurt, Käse, Wurst und Milch abgeben. Sie sollen in den Container und dürften nicht über die Grenze. Ich bin ziemlich sauer, denn dies ist das allererste Mal, dass sich jemand für den Inhalt des Kühlschrank interessiert. Doch so leicht geben wir uns nicht geschlagen. Im Durcheinander schaffe ich es, den eingeschweißten Käse wieder im Kühlschrank verschwinden zu lassen. Die Joghurts und einen großen Teil der Wurst essen wir auf. Die Beamtin passt höllisch auf, damit ich die Wurst nicht in meine Jackentasche stecke. Irgendwann bekommen wir die Pässe zurück und können weiterfahren. An der nächsten Schranke müssen wir noch den Laufzettel abgeben, dann sind wir in die EU eingereist. Die ganze Prozedur hat bestimmt zwei Stunden gedauert und wir sind auf die unfreundlichsten Grenzbeamten unserer ganzen Reise gestoßen.

Es ist schon spät und wir möchten schnell einen Platz zum Übernachten finden. Doch in Lettland ist das gar nicht so einfach. Es gibt weder einen Parkplatz noch einen Imbiss oder ein Hotel an der Strasse. Die Seitenwege führen entweder zu einem Haus, sind abgesperrt oder so schmal, dass wir nicht reinpassen. Irgendwann sehe ich einen Wegweiser zu einer unverständlichen Sehenswürdigkeit. Der Feldweg dorthin führt an einer Wiese und einem Getreidefeld entlang Richtung Wald. Das Gelände ist eben und wir folgen dem Weg bis zur Wiese. Hier bleiben wir heute stehen und hoffen, dass uns niemand verscheucht.

Übernachtungsplatz bei Vilani (N56 34 04.3 E26 58 50.5)

Am nächsten Tag fahren wir nach Riga auf den City Camping. Hier bleiben wir einige Tage und freuen uns eine Waschmaschine benutzen zu können und Muße zu haben das Auto von innen gründlich sauber zu machen. Der Staub der Wüsten sitzt in jeder Ritze. Ein ausgedehnter Stadtbummel in Riga führt uns auch zu den Markthallen. Sie sind nicht besonders attraktiv, da viele Stände leer sind. Vor den Hallen befinden sich die Obst- und Gemüsestände. Hier entdecke ich ein reichhaltiges Angebot u.a. von Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren – ein wahres Beeren-Pardies, dem wir nicht widerstehen können.

Riga

Riga – Kathedrale Christi Geburt

Riga – Freiheitsdenkmal

Riga – Nationaloper

Riga – Schwarzhäupter Haus

Riga – Handelsviertel Spikeri

Riga – Markthallen

Riga – Markthallen

Riga -City Camping (N56 57 22.70 E24 04 42.20)

Unser nächstes Ziel ist die Kurische Nehrung – eine schmalen Landzunge, die das Kurische Haff von der Ostsee abschirmt. Die aus Dünen und Wäldern bestehende Landschaft ist Teil des UNESCO-Welterbes. Der östliche Teil der Nehrung gehört zu Litauen und der westliche Teil zur russischen Enklave Kaliningrad. Wir fahren nach Klaipeda, einer Hafenstadt in Litauen. Von hier geht eine Fähre hinüber zur Kurischen Nehrung. Mit unserem großen Auto ist es ein recht teures Vergnügen, denn die Fähre kostet uns 46,90 €. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und bald stehen wir auf der Nehrung. Nicht weit vom Fährhafen gibt es eine alte preußische Festung. Leider ist sie wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, so dass wir nur außen herum laufen können.

Klaipeda -Camping Pajurio (N55 45 57.71 E21 05 31.46)

Klaipeda – Altstadt

Klaipeda – Speicherhäuser am Fluß Dane

Klaipeda – Hauptpostamt von 1893

Klaipeda -Haus im Jugendstil

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Kurische Nehrung – Ostsee nahe Festung Kopgalis

Kurische Nehrung – Ostsee nahe Festung Kopgalis

Freies Stehen ist auf der Nehrung wegen des Nationalparks wohl untersagt, und so verbringen wir unsere erste Nacht auf einem Parkplatz am Fährhafen, wo wir ungestört bleiben. Am nächsten Morgen fahren wir weiter. Im ersten Ort passieren wir die Nationalpark-Schranke, an der wir 20 Euro Öko-Steuer bezahlen müssen. Die Strasse Richtung Nida führt durch den Küstenwald. Ab und an erhaschen wir einen Blick aufs Haff. Nur die Ostsee können wir von der Strasse aus nicht sehen, da die Dünen sind zu hoch sind.

Kurische Nehrung – Fährhafen von Smiltyne (N55 41 08.2 E21 07 44.1)

In Nida angekommen stellen wir uns auf den Campingplatz. Er liegt am Fuß der großen Düne Parnidden. Um die Nehrung zu erkunden packen wir die Fahrräder aus. Zuerst mühen wir uns hinauf auf die große Düne. Von hier oben sehen wir die wunderschöne Dünenlandschaft und den Ort Nida. Wir rollen bergab nach Nida und radeln weiter am Haff entlang durch zwei andere Dörfer. Nida ist ein hübsch gemachter Ferienort, der jetzt Ende August nicht sehr voll ist. Die beiden folgenden Dörfer sind reine Wohndörfer, meist mit Ferienwohnungen, aber ohne sonstige Infrastruktur. Das Wasser im Haff ist wenig einladend und zum Baden nicht geeignet.

Kurische Nehrung – Camping Nida (N55 17 54 E20 58 56)

Kurische Nehrung – auf der Düne Parnidden

Kurische Nehrung – Blick von der Düne Parnidden auf Nida

Kurische Nehrung – Nida – Fischerhaus

Kurische Nehrung – Blick von Nida auf Düne Parnidden

Kurische Nehrung – Haus am Haff

Kurische Nehrung – Haus am Haff

Kurische Nehrung – Haff

Kurische Nehrung – Haus am Haff

Wir biegen vom Radweg ab zur Ostsee. Hier sieht es fast so aus wie in Zeeland. Zuerst müssen wir eine Düne erklimmen. Dahinter erstreckt sich kilometerlang ein breiter Sandstrand mit sehr feinem Sand. Unten am Strand herrscht Strandleben, aber anders als in Holland gibt es hier keine Strandbuden, in denen man schön sitzen und etwas trinken kann.

Kurische Nehrung – Ostsee

Da uns die Dünenlandschaft bei der Düne Parnidden gut gefallen hat, erkunden wir diese auch noch bei einer kleiner Wanderung. Leider sind die Wege nicht gut markiert und so müssen wir auch schon mal querfeldein, was sicherlich nicht so gut ist für die Natur.

Kurische Nehrung – Düne Parnidden

Kurische Nehrung – Düne Parnidden

Kurische Nehrung – Düne Parnidden

Kurische Nehrung – Düne Parnidden

Da wir noch einige Tage auf unserem Russland-Visum übrig haben wollen wir uns noch Kaliningrad anschauen. Der kürzeste Weg dorthin führt über den Grenzübergang mitten auf der Nehrung. An der Grenzstation angekommen sehe ich keine Gewichtsbeschränkung, aber eine Höhenbeschränkung auf 3,50 m. Tatsächlich ist aber noch Luft nach oben. Es scheint ein ruhiger Grenzübergang zu sein, denn es ist niemand vor uns. Auf der litauischen Seite werden die Pässe und der Fahrzeugschein kontrolliert, dann schaut der Zöllner kurz von außen in das Wohnmobil. Auf der russischen Seite gibt es wie immer eine Vor-Kontrolle, bei der die Pässe und das Visum kontrolliert werden. Dann werden wir weitergeschickt auf die LKW-Spur. Wir sind das einizige Fahrzeug dort. Auf der PKW-Spur steht auch nur ein Auto. Auf der Gegenseite ist viel Betrieb, denn viele russische PKWs wollen nach Litauen. Wir gehen zum Schalter mit der Passkontrolle. Dort werden wir ziemlich unhöflich wieder weg geschickt. Wir sollen am Auto warten. Offensichtlich sind wir wieder einmal zum Schichtwechsel gekommen. Der neue Beamte schickt uns wieder von der LKW-Spur zurück in die PKW-Spur. Danach dürfen wir zur Passkontrolle kommen und unsere Pässe werden kontrolliert. Die Angelegenheit dauert eine Weile. Dafür müssen wir den kleinen weißen Zettel nicht selbst schreiben, sondern er wird gedruckt. Dann geht es weiter zum Schalter für das Zollpapier für das Fahrzeug. Dieses mal bekommen wir die Formulare sogar in deutscher Sprache. Nachdem wir unsere Stempel bekommen haben kommt der Beamte, um das Auto von innen zu kontrollieren. Dann dürfen wir weiterfahren. Am letzten Schalter werden nochmals die Pässe kontrolliert, dann sind wir wieder in Russland. Die gesamte Prozedur hat ungefähr eine Stunde gedauert.

Kurz hinter der Grenze müssen wir nochmals Öko-Steuer bezahlen. Sie ist unerwartet teuer und mit 1300 Rubel (ca. 24 Euro) sogar noch höher als in Litauen. Als ich protestiere und darauf hinweise, dass ich nur von 300 Rubeln weiß, wird mir mitgeteilt, dass das nur für PKWs gilt. Unser großes Auto wäre teurer. So bleibt uns nichts anderes übrig als zu zahlen.

Nun sind wir im russischen Teil der Kurischen Nehrung. Wir fahren zur Epha-Düne. Sie ist nach dem Düneninspektor Franz Epha benannt, dem es im 19. Jhdt gelungen war, die Wanderung der Dünen mittels Befestigungen zu stoppen und so das benachbarte Dorf vor seinem Untergang zu bewahren. Ein kurzer Weg führt hinauf auf die Düne. Vor uns liegt das Haff und eine wunderschöne Dünenlandschaft, die man nur aus der Ferne bestaunen, aber nicht betreten darf. Dann gehen wir noch auf der anderen Seite der Nehrung zum Ostseestrand. Hier ist es fast menschenleer. Die Wellen gehen hoch, weil es recht windig ist.

Kurische Nehrung – Düne Epha und Haff

Kurische Nehrung – Düne Epha und Haff

Kurische Nehrung – Blick von der Düne Epha auf den Ort Morskoe und das Haff

Kurische Nehrung – Ostsee

Unser nächstes Ziel ist der Tanzende Wald. Es ist ein ungewöhnlicher Kiefernwald, dessen Baumstämme seltsam verdreht sind und zu tanzen scheinen. Niemand weiß, wie diese Verformungen entstanden sind. Das Areal ist mittlerweile eingezäunt, so dass man nur von einem fest vorgegebenen Weg aus schauen kann. Hier gibt es einen großen ebenen geschotterten Parkplatz abseits der Strasse, der ideale Übernachtungsplatz. Am späten Nachmittag beobachten wir einen Fuchs, der am Rand des Parkplatzes entlang läuft und darauf wartet, dass ihm die Besucher Futter zuwerfen.

Kurische Nehrung – Tanzender Wald

Kurische Nehrung – Tanzender Wald

Kurische Nehrung – Tanzender Wald

Kurische Nehrung – Tanzender Wald

Kurische Nehrung – unser Übernachtungsplatz am Tanzenden Wald (N55 10 57.54 E20 51 33.32)

Kurische Nehrung – Fuchs

Kurische Nehrung – Ostsee

Kurische Nehrung – Ostsee

Insgesamt hat uns der russische Teil der Kurischen Nehrung besser gefallen. Die Landschaft ist noch ursprünglicher als in Lettland. Außerdem sind die Wege wesentlich schöner und auch naturschonender angelegt.

Am nächsten Morgen verlassen wir die Nehrung und fahren in das Seebad Selenogradsk, das ehemalige Cranz. Der Ort ist total tot. Hier ist gar nichts los. Die alten Häuser sind kaum renoviert und angefangene Neubauten stehen als Ruinen herum, aus denen schon Bäume wachsen. Auch die Uferpromenade ist keine Schönheit. Wir laufen ein wenig durch das Dorf, gehen aber schon bald zum Auto zurück.

Selenogradsk – Kurortpromenade

Selenogradsk – Kurortpromenade

Wir fahren weiter ins nächste Seebad nach Swetlogorsk, dem ehemaligen Rauschen. Der Unterschied zu Selenogradsk ist wie Tag und Nacht. Swetlogorsk ist schön hergerichtet und voller Leben, meist russische Touristen. Hier gefällt es uns gut. Wir inspizieren die Souvenirstände, an denen es alles mögliche und unmögliche aus Bernstein zu kaufen gibt. Überraschenderweise sind Figuren aus Bernstein sehr viel günstiger als Schmuck. Dann schauen wir uns die Sehenswürdigkeiten an: den Wasserturm, die Sonnenuhr und die Uferpromenade. Dieser Ort ist wirklich schön und würde wohl auch bei Westtouristen gut akzeptiert werden.

Swetlogorsk – Wasserturm

Swetlogorsk

Swetlogorsk – Treppen zur Uferpromenade

Swetlogorsk – Sonnenuhr

Swetlogorsk – Uferpromenade

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Kaliningrad, das ehemalige Königsberg. Es war einmal Hauptstadt von Ostpreußen. Die Strasse dorthin führt uns durch alte Alleen. Sie sind sehr schön anzuschauen, aber machen auch ein bischen Angst, da die Bäume dicht am Straßenrand stehen und wir um unsere Spiegel am Auto fürchten. Doch alles geht gut und bald erreichen wir Kaliningrad, wo wir zum Hotel Baltica fahren. Der Stellplatz ist nicht besonders groß, liegt aber auf der Rückseite des Hotels im Grünen.

Alleen zwischen Swetlogorsk und Kaliningrad

Kaliningrad – Stellplatz am Hotel Baltica (N54 42 25.54 E20 37 01.04)

Vor dem Hotel ist die Endhaltestelle der Buslinie 37. Der Bus bringt uns am Bernstein-Museum vorbei zum Siegesplatz. Von hier machen wir einen ausgedehnten Stadtbummel. Es gibt nur noch wenige alte Gebäude zu sehen. Zu ihnen die gehören auch einige Tore einer Stadtbefestigung aus dem 19. Jhdt. Am Ende unseres Besichtigungsprogramms entdecken wir einen türkischen Imbiss. Es stellt sich heraus, dass der Besitzer tatsächlich Türke ist und schon oft in Köln war und dort wohl auch Verwandte hat. Wegen des Köln-Bonus bekommen wir ein besonders gutes und reichhaltiges Essen und türkischen Tee als Bonus. Wer es selber ausprobieren will: Troja-Grill nahe dem Wrangel-Turm.

Kaliningrad – Siegesplatz

Kaliningrad – Christ Erlöser Kathedrale

Kaliningrad – Kommandantur der Baltischen Flotte und Denkmal Peter der Große

Kaliningrad – Denkmal Mutter Russland

Kaliningrad – Dom

Kaliningrad

Kaliningrad – Königstor

Kaliningrad – Rossgarten Tor

Kaliningrad – Dohna Turm

Als letztes Land auf unserer Reise liegt nun Polen vor uns. Ursprünglich wollten wir versuchen Polen ohne die Mautbox zu durchqueren. Aber das Risiko einen Mautverstoß zu begehen und dann eine 4-stellige Strafe zahlen zu müssen ist uns zu groß. So haben wir uns doch für die Box entschieden. Kurz vor der Grenze füllen wir unsere Dieseltanks nochmals mit dem billigen russischen Diesel. Dann passieren wir ein letztes Mal die russische Grenze, wie immer schnell und problemlos.

Auf der polnischen Seite der Grenze stellen wir uns in die PKW-Spur. Eine Beamtin kommt und wir müssen sie davon überzeugen, dass wir ein Wohnmobil sind und kein LKW. Es dauert ziemlich lange, bis die wenigen Autos vor uns abgefertigt sind. Dann dürfen wir zur Schranke rollen, wo wir Pässe und das Fahrzeugdokument abgeben. Dann werden wir zur Röntgenanlage geschickt, wo das Auto durchleuchtet wird. Anschließend kommen drei Beamte um das Auto nochmals innen gründlich zu untersuchen. Erst dann bekommen wir unsere Papiere wieder und dürfen fahren. Die Beamten waren nicht unfreundlich, aber unendlich langsam. So haben wir fast zwei Stunden gebraucht, um nach Polen einzureisen. Wir haben auf unserer Tour viele Grenzen überquert und irgendwie haben wir den Eindruck, dass die EU-Außengrenzen die kompliziertesten sind. Und die Beamten sind nicht sehr hilfsbereit. Wir haben insgesamt acht mal eine russische Grenze überquert und sind von den russischen Beamten immer sehr höflich und korrekt, manchmal sogar bevorzugt, behandelt worden. Obwohl die russische Bürokratie die europäische um Längen schlägt ging es trotzdem immer schneller als an der EU-Außengrenze.

Nun gehen wir noch ins Büro der Viatoll-Behörde, wo wir eine Mautbox erstehen. Da es an der Grenze keinen Bankautomaten gibt, müssen wir vorher Bargeld tauschen, um in Sloty bezahlen zu können.

Unser erstes Ziel in Polen ist der kleine Ort Frombork, wo wir uns die große Domanlage anschauen. Sein berühmtester Domherr war Nikolaus Kopernikus, ein bedeutender Astronom seiner Zeit. Vom benachbarten Wasserturm haben wir einen schönen Blick auf Dom und Haff.

Frombork – Dom

Frombork – Dom

Frombork – Dom

Frombork – Blick vom Wasserturm auf Dom

Frombork – Blick vom Wasserturm auf Haff

Dann fahren wir nach Elblag. Die Stadt war einmal zweitgrößte Stadt der Provinz Ostpreußen. Im Krieg fast vollständig zerstört ist die Altstadt heute im altem Stil wieder aufgebaut und ganz nett anzusehen.

Elblag – Altstadt

Elblag – Altstadt – Heilig Geist Hospital

Elblag – Altstadt und Markttor

Elblag – Dom St Nikolai

Camping Elblag (N54 09 13.0 E19 23 38.0)

Unser letztes Ziel in Polen ist der kleine Ort Rewal an der Ostseeküste. Hier sind wir vor einigen Jahren schon einmal gewesen und können nun sehen, wie sich der Ort entwickelt hat. Er ist immer noch beschaulich, aber mit mehr Leben gefüllt. Der Blick von der Steilküste ist so schön wie immer.

Rewal – Camping Klif (N54 04 45 E15 00 15)

Rewal – Ostsee

Rewal – Ostsee

Hier endet unsere große Reise des Jahres 2015, denn die Grenze nach Deutschland ist nicht mehr weit.

Insgesamt können wir eine positive Bilanz ziehen. In 150 Tagen sind wir ca. 25.000 km gefahren. Auf der gesamten Tour haben wir viel interessantes gesehen. Wir haben immer wieder unglaublich freundliche und interessierte Menschen getroffen. Das Auto hat bis auf einige Kleinigkeiten prima gehalten. Nur einen entscheidenden Fehler haben wir gemacht: es wäre sinnvoller gewesen die Tour in umgekehrter Richtung zu fahren. Dann wären wir im Frühjahr in den warmen Gefilden gewesen und im Sommer in den kühleren nördlichen Regionen. So haben wir zu Beginn im Norden gefroren und im Süden war es uns hinterher zu heiß.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den Lesern unseres Blogs für ihr Interesse bedanken. Da wir noch einige Verpflichtungen haben machen wir nun eine lange Reisepause. Wir wissen noch nicht, wann und wohin wir zu einer nächsten Tour starten.

Das war der letzte Teil unserer Route:

Karte Lettland bis Polen

Kategorien: Reiseberichte | 6 Kommentare

Russland – Teil 5

Samara – Togliatti – Saratow – Wolgograd – Voronezh – Sadonsk – Smolensk

August 2015

Wir haben die Wüsten Kasachstan’s hinter uns gelassen. Die Landschaft ist wieder grün und wir erfreuen uns an den unendlich großen Sonnenblumenfeldern.

Sonnenblumen so weit das Auge reicht

Früh am Morgen erreichen wir unser erstes Ziel in Russland – die Stadt Samara. Wir haben Glück und ergattern einen der wenigen Parkplätze am Ufer der Wolga. Wir freuen uns, die Wolga wiederzusehen, der wir schon auf unserer Hinreise begegnet sind.

Samara ist die sechstgrößte Stadt Russlands mit einer netten Altstadt. Der Glanzpunkt von Samara ist die schön gestaltete Uferpromenade entlang der Wolga. Zwischen Promenade und Fluß liegt ein breiter, sauberer Sandstrand mit Umkleidekabinen und Bänken. Der Strand lädt geradezu zu einem Bad in der Wolga ein, doch wir entscheiden uns dafür zuerst die Stadt anzuschauen.

Samara – Promenade an der Wolga

Samara – Wolga

Samara – Lenin-Denkmal am Revolutionsplatz

Samara – Altstadt

Samara – Altstadt

Samara – Gorkij Theater

Samara – Opern- und Ballettheater

Samara – Promenade an der Wolga

Samara – Wolga

Zurück an der Promenade ist die Sonne verschwunden und es sind dunkle Wolken aufgezogen. So muß das Bad in der Wolga leider ausfallen und wir fahren weiter. In der Industriestadt Togliatti, dem Standort der Lada-Werke, gibt es ein großes Technikmuseum, das wir uns anschauen wollen. Auf zwei riesigen Freigeländen und in zwei kleinen Ausstellungshallen befindet sich ein Sammelsurium von Altmetall, das meiste davon alte russische Militärtechnik. Bernhard ist begeistert und er weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Der große Parkplatz vor dem Tor ist so einladend, dass wir hier über Nacht bleiben. So können wir uns die Besichtigung einteilen und die beiden Freigelände auf zwei Tage verteilen. Leider sind die Ausstellungsstücke nur sehr schlecht dokumentiert. Häufig fehlt die Beschreibung und wenn es sie gibt ist sie nur auf russisch. Auch scheint das Museum einfach zu groß zu sein, denn die Ausstellungsstücke könnten mehr Pflege vertragen.

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti – Raketenträger

Technikmuseum in Togliatti – alles hängt an Fallschirmen

Technikmuseum in Togliatti – unser Übernachtungsplatz (N53 33 11.1 E49 14 53.8)

Nach den anstrengenden Besichtigungen wollen wir uns ein bischen an der Wolga erholen. Um einen Platz zu finden biegen wir von der Hauptstrasse ab und gelangen auf eine kleine Strasse, die ein Stück am Ufer entlang führt. Dabei ignorieren wir ein Schild mit einer Beschränkung auf 5 t. Da es keine Brücke zu überfahren gilt, soll das Schild wohl nur die LKWs abhalten. Wir finden einen Platz etwas erhöht oberhalb des Wassers. Doch aus dem Bad in der Wolga wird nichts, denn das Wasser ist uns zu schmutzig.

Wolga

unser Platz an der Wolga (N52 23 41.9 E48 05 10.1)

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Saratow, die ebenfalls an der Wolga liegt. Hier gibt es keine Promenade und die Strassen und Häuser reichen bis ans Wasser. Zuerst schauen wir uns den Siegespark an, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt und den Fluß hat. Hier steht ebenfalls einiges an alter Militärtechnik herum. Die Exponate sind besser dokumentiert und gepflegt als im Technikmuseum.

Saratow – Siegespark

Saratow

Saratow

Saratow – Siegespark

Saratow – Siegespark

Saratow – Siegespark

Saratow – Siegespark

Dann wollen wir uns die Stadt anschauen und fahren mit dem Auto den Hügel hinunter ins Zentrum. Die Stadt wirkt nicht sehr einladend. Es ist sehr viel Verkehr, die Strassen eng und die Verkehrsführung durch Einbahnstrassen verschlungen. Unser Versuch ins Stadtzentrum zu gelangen bleibt im Stau stecken. So verzichten wir auf den Stadtbesuch und verlassen Saratow.

Unterwegs finden wir einen netten Übernachtungsplatz bei einem Imbiß. Hier gibt es sogar einen Wasserhahn, an dem wir unseren Wassertank auffüllen können.

unser Übernachtungsplatz bei Melovoe (N50 49 15.8 E45 33 03.2)

Unser nächstes Ziel ist Wolgograd, das ehemalige Stalingrad. Vor dem Hotel Turist finden wir einen ruhigen Parkplatz, auf dem wir zwei Tage bleiben. Das Hotel scheint ein Bau aus sozialistischer Zeit zu sein. Sein Glanz ist schon lange verblasst und es bröckelt so langsam vor sich hin. Wir dürfen die Hotel-Toilette im Foyer benutzen. Ansonsten bietet das Hotel keinen Service. Dafür müssen wir auch keine Parkgebühren bezahlen. Leider versperrt ein Bauzaun die Aussicht auf die Wolga, die nur wenige Meter von hier vorbeifließt. Von unserem Parkplatz aus sind es nur wenige Minuten Fußweg zur Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, der großen Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel. Sie erinnert an die schlimmste Schlacht des Zweiten Weltkrieges, bei der mehr als 700.000 Menschen starben und die zum Wendepunkt des Krieges wurde. Hoch oben auf dem Mamajew-Hügel steht das Denkmal „Mutter Heimat“. Es stellt Nike, die Göttin des Sieges dar.

Obstverkäufer an der Strasse nach Wolgograd

Wolgograd – unser Platz am Hotel Turist (N48 44 20.9 E44 33 18.3)

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel – Mutter Heimat

Am nächsten Tag fahren wir mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum. Die Stadt wurde im Krieg fast vollständig zerstört, so dass Wolgograd heute von sowjetischer Architektur geprägt ist. Wir bewundern die große Treppe, die zur Wolga führt, doch eine schöne Uferpromenade, wie wir sie in Samara gesehen haben, fehlt.

Wolgograd – Treppe zur Wolga

Wolgograd – Wolga

Wolgograd – Heldenallee

Wolgograd

Wolgograd

Wolgograd – Bahnhof

Wolgograd

Versteckt in einer Seitenstrasse finden wir den Eingang zum Keller des Kaufhauses Univermag, in dem der deutsche General Paulus seinen Befehlsstand hatte. Heute erinnert hier ein kleines Museum an diese Zeit.

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus – Lazarett

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus

Auch das Panorama-Museum mit einem riesigen 360-Grad-Panoramagemälde zur Schlacht um Stalingrad lassen wir nicht ausfallen. Es ist nicht nur ein Bild, sondern schon beinahe ein 3D-Kunstwerk, denn zu Füßen des Gemäldes sind ergänzende Landschaften und Szenen dargestellt. Neben dem Museum steht als Mahnmal die einzig erhaltene Ruine aus jener Zeit – die Ruinen einer Mühle.

Wolgograd – Panoramamuseum – Schlacht um Stalingrad

Wolgograd – Panoramamuseum – Schlacht um Stalingrad

Wolgograd – Panoramamuseum – Schlacht um Stalingrad

Wolgograd – Mühlenruine

Unser nächstes Ziel ist Voronezh, eine kleine Stadt mit nur wenigen Sehenswürdigkeiten. Leider gibt es auch keine vernünftigen Parkplätze, so dass wir uns nur kurz hier aufhalten. Wir schauen uns die große, erst 1999 erbaute Kathedrale an und das Denkmal für Peter den Großen.

Voronezh – Verkündigungskathedrale

Voronezh – Verkündigungskathedrale

Voronezh – Denkmal für Peter den Großen

unser Übernachtungsplatz an einer Raststätte vor Voronezh (N51 33 35.6 E39 29 18.2)

Unsere Route führt uns weiter nach Sadonsk. Der kleine Ort wird wegen seiner vielen Klöster auch das „russische Jerusalem“ genannt wird. Wir besuchen das größte Kloster, das Muttergottes-Kloster. Es ist eine schön restaurierte Anlage, die wieder von Mönchen bewohnt wird. In einer kleinen Grünanlage neben dem Kloster befindet sich neben einer Backsteinkirche eine heilige Quelle. In einem kleinen Quellhaus kann man im heiligen Wasser eintauchen. Bernhard wagt einen Blick hinein und sieht, dass der Baderaum von mehreren nackten Männern belegt ist und so verzichte ich auf eine Besichtigung.

Sadonsk

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Wir finden einen großen, fast leeren Parkplatz nicht weit vom Kloster, wo wir übernachten können. Am späten Abend ertönt laute Disko-Musik, denn in der Grünanlage nebenan findet heute eine Freiluftdisko statt. Sie scheint keinen großen Anklang zu finden, denn es verirren sich nur wenige Besucher hierhin. Zu unserer Freude endet die Disko pünktlich um 22 Uhr.

Sadonsk – unser Übernachtungsplatz (N52 23 27.4 E38 54 49.8)

Am nächsten Morgen verlassen wir Sadonsk. Unser Ziel ist Smolensk. Unterwegs bemerken wir, dass der Motor an Leistung verliert. Wir kommen nur noch ganz langsam die Hügel hoch. Für unser Auto fühlt es sich an wie eine Fahrt durchs Hochgebirge. Wir vermuten, dass wir beim letzten Tanken schlechten Diesel bekommen haben. So geht es eine Weile mit recht gebremster Geschwindigkeit weiter. Irgendwann wird es so nervig, dass wir auf unseren zweiten Tank umschalten, wo noch guter Diesel drin sein sollte. Überraschenderweise bleibt das Problem bestehen. Irgendwann finden wir einen schönen Rastplatz, wo wir anhalten. Wir vermuten einen verstopften Dieselfilter und tauschen daher den Separ-Filter.

wir überqueren den Don

zwischen Sadonsk und Bryansk

unser Übernachtungsplatz vor Bryansk (N53 19 15.2 E34 00 26.0)

Am nächsten Morgen fahren wir guten Mutes los. Die ersten einhundert Kilometer fährt das Auto ganz normal, und wir freuen uns schon das Problem gelöst zu haben. Doch die Freude war verfrüht, denn plötzlich verliert der Motor schon wieder Leistung. Wir schaffen es bis Smolensk, wo wir sofort die MAN-Werkstatt ansteuern. Den letzten Kilometer zur Werkstatt geht es steil bergauf und ich befürchte, dass wir bald aussteigen und schieben müssen. Doch auch mit 15 km/h meistert das Auto dieses Hindernis und wir erreichen die Einfahrt zu MAN (N54 48 51.7 E31 58 48.6). Die Werkstatt selber liegt im Hinterhof (N54 48 47.9 E31 58 27.4).

Ich wundere mich, dass die Werkstatt geöffnet ist obwohl Sonntag ist. Leider spricht niemand englisch und so muss ich den Fehler ungefähr auf russisch beschreiben, was wohl auch irgendwie gelingt. Ein Mechaniker kommt und bittet uns in die Halle. Er tauscht die Motorfilter, die wir glücklicherweise als Ersatzteile dabei haben. Dann wird der Luftfilter ausgebaut und mit Druckluft durchgepustet. Eine anschließende Testfahrt verläuft positiv. Als wir nach der Rechnung fragen heißt es nur – Service. Sie wollen kein Geld von uns haben.

Da es noch früh am Tag ist, schauen wir uns die Stadt Smolensk an. Es ist eine der ältesten Städte in Russland. Leider wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, so dass es nur wenige Sehenswürdigkeiten gibt. Wir besichtigen die Reste der Festungsmauer und die Kathedrale.

Smolensk -am Glinkapark

Smolensk – Festungsmauer

Smolensk – ein Waschbär im Park an der Festungsmauer

Smolensk – Leninplatz

Smolensk – Leninstrasse

2015-08-16-nr23-RUS--neu

Smolensk -Kathedrale (li) und Dreifaltigkeitskloster (re)

Smolensk – Maria Himmelfahrtskathedrale

Smolensk – Maria Himmelfahrtskathedrale

Mit Smolensk endet unsere Reise durch Russland, denn es ist nicht mehr weit bis zur Grenze nach Lettland. Hier im westlichen Teil von Russland mußten wir uns wieder an stark befahrene Strassen gewöhnen – eine Umstellung nach den fast menschenleeren Strassen weiter östlich. Trotz des vielen Verkehrs gab es in diesem Abschnitt überraschenderweise nur sehr wenige Rastplätze.

Das war unsere Route durch Russland Teil 5:

Karte Russland 2015 Teil 5

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Kasachstan – Teil 2

von Schymkent durch die Wüste Kyzylkum nach Russland

August 2015

An dieser Stelle sollte eigentlich unser Reisebericht über Usbekistan stehen. Doch erstens kommt es anders als man zweitens meistens denkt.

Von Schymkent aus fahren wir die große Strasse Richtung Süden. Unser erstes Ziel in Usbekistan sollte Taschkent sein, das auch auf den Wegweisern ausgeschildert ist. Um so größer war dann unsere Überraschung, als wir am Ende der Strasse vor einem geschlossenen Grenztor stehen. Die Grenze an der großen Überlandstrasse von Schymkent nach Taschkent ist nur für Fußgänger geöffnet.

Auf unsere Nachfrage hin, wo denn die Fahrzeugabfertigung ist, wurden wir einhundert Kilometer weiter nach Westen geschickt. Doch die Strasse dorthin war wegen Bauarbeiten gesperrt und Umleitungsschilder waren keine vorhanden. Statt dessen tummelten sich vor dem Grenztor eine Menge extrem aufdringlicher Menschen, die uns angeboten haben gegen Bezahlung den Weg zur nächsten Grenze zu zeigen. Einer war sogar so dreist ungefragt ins Auto einzusteigen und sich auf den Beifahrersitz zu setzen. Das war so nervig, dass wir nur noch schnell von hier weg wollten.

Da wir keine klare Vorstellung hatten, wo denn nun der nächste Grenzübergang ist und weil wir die einhundert Kilometer auf der anderen Seite der Grenze nach Taschkent hätten wieder zurück fahren müssen, haben wir kurzfristig beschlossen, Usbekistan ausfallen zu lassen. In Usbekistan gibt es keinen Diesel zu kaufen und den Umweg hätten wir mit unserem eigenen Dieselvorrat nicht mehr geschafft.

Wir waren schon einmal in Usbekistan und kennen das Land schon, so dass es uns nicht allzu schwer gefallen ist, diese Entscheidung zu treffen. Außerdem waren wir zur falschen Jahreszeit dort, denn Stadtbesichtigungen bei Temperaturen um die 40 Grad sind eher suboptimal.

So beschließen wir, durch Kasachstan nach Russland zu fahren. Leider haben wir unsere dreißig Tage, die wir in Kasachstan bleiben dürfen, schon fast alle verbraucht, so dass uns für die ca. 2000 Kilometer bis zur russischen Grenze nur noch drei Tage zur Verfügung stehen. Das ist extrem bedauerlich, denn so haben wir keine Zeit mehr für weitere Besichtigungen. In drei strammen Fahrtagen durchqueren wir die Wüste Kyzylkum, passieren Baikonur und und die Reste des Aralsees. Der ehemals viertgrößte Binnensee der Welt ist so gut wie ausgetrocknet und an seiner Stelle dehnt sich die Wüste aus.

Wüste Kyzylkum

Sonnenaufgang

Baikonur

zwischen Baikonor und Aktobe

unser Übernachtungsplatz am Flughafen von Aktobe (N50 14 58 E57 12 36.3)

Friedhof

Während die Strassen ist Ostkasachstan teilweise sehr schlecht waren erleben wir hier im Westen des Landes eine große Überraschung. Die fast 2000 Kilometer sind durchgehend sehr gut ausgebaut und in perfektem Zustand. So rollen wir ohne Probleme zügig gen Norden. Immer wieder kommen uns LKWs aus vielen Ländern entgegen. Uns fallen die LKWs aus der Türkei auf und wir fragen uns, auf welchem Weg die wohl hierhin gekommen sind. Zweimal sehen wir Viehtransporter aus Siegburg, die Schweine geladen haben. Die armen Tiere!

Kurz vor der russischen Grenze werden wir mal wieder von einer Polizeikontrolle angehalten. Die beiden Beamten interessieren sich überhaupt nicht für unsere Papiere, dafür um so mehr für unser Auto. Sie klettern hinten in den Koffer und sogar in die Fahrerkabine. In allen möglichen Posen werden Fotos mit der Handykamera gemacht. Sie sind wie die kleinen Kinder. Sie können sich kaum vom Auto trennen und immer wieder müssen weitere Bilder gemacht werden.

Gegen 19 Uhr erreichen wir den Schlagbaum und reihen wir uns in die Schlange vor der Grenzabfertigung ein. Auf der kasachischen Seite geht es zügig vorwärts. Das Fahrzeug wird gründlich kontrolliert und ich muß jede Schranktür aufmachen. Am Schalter werden die Pässe ausgestempelt. Der Beamte fragt nach einem Laufzettel, den wir nicht haben. Wir dürfen trotzdem weiter. Beim Rausfahren sollen wir den Laufzettel vorzeigen. Da wir keinen haben kontrolliert der Beamte im Pass, ob wir ausgestempelt sind. Alles ist ok und wir dürfen weiter fahren.

Vor der russischen Grenzstation ist die Warteschlange deutlich länger. Wir nutzen die Wartezeit zum Ausfüllen der kleinen weißen Einreisezettel. Irgendwann fahren wir in die Abfertigung. Ein Beamter kommt sich das Auto anschauen, will aber nicht einsteigen. Wir gehen zur Passkontrolle, wo wir Pass und Fahrzeugpapiere vorzeigen müssen. Ich zeige auch noch das Zolldokument, aber das wird nicht bearbeitet. Nachdem wir noch freundlich in die Kamera gelächelt haben bekommen wir unsere Einreisestempel und den abgestempelten weißen Zettel. Danach dürfen wir weiterfahren und sind in Russland. Die ganze Prozedur hat ungefähr eine Stunde gedauert und ist recht harmlos abgelaufen.

Das war unsere Route durch Kasachstan Teil 2:

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Kasachstan

Öskemen – See Sasyqköl – See Alaköl – Taldykorgan – Stausee Kapschagaj – Scharyn Canyon – Almaty – Taraz – Aischa Bibi – Sajram – Schymkent – Turkistan – Aristanbab – Schymkent

Juli 2015

Die letzten Tage vor unsere Einreise nach Kasachstan verbringen wir in Russland in Staroaleyskoye, dem letzten Ort vor einem kleinen Grenzübergang. Abseits der Hauptstrasse finden wir ein ruhiges Eckchen neben einem Friedhof, wo wir bleiben. Ein Rundgang durchs Dorf führt uns zu einem Versicherungsbüro, in dem wir für 1.500 Rubel eine dreimonatige Autoversicherung für Kasachstan erstehen. Leider regnet es fast den ganzen Tag, so das wir die meiste Zeit im Auto verbringen. Am Abend bekommen wir Besuch von einer Polizeistreife. Die beiden Beamten wundert sich, dass wir am Friedhof stehen. Sie kontrollieren die Papiere und fragen noch nach woher und wohin. Sie haben kein Problem damit das wir hier stehen.

unser Stellplatz in Staroaleyskoye (N50 59 48.8 E81 59 50.5)

Am nächsten Morgen klopft es nochmals an unsere Tür. Dieses Mal steht eine ältere Dame mit Enkelin davor. Wir bekommen eine große Schüssel Erdbeeren und ein Souvenir geschenkt. Schon wieder beeindruckt uns die Freundlichkeit der Leute. Natürlich revanchieren wir uns mit Kleinigkeiten aus unserer Geschenkekiste. Leider ist die Verständigung sehr schwerig. Sie erzählt mir ganz viel auf russisch, aber ich verstehe nur Bruchstücke. Ich glaube, sie kommt aus Kasachstan und hat dort noch Familie. Am Abend kommt eine junge Frau vorbei, die einige Jahre in Deutschland gelebt hat und sich freut, ihre Sprachkenntnisse auffrischen zu können. Auch die Polizei erscheint wieder und überprüft nochmals unsere Papiere. Die Beamten wundern sich immer noch, wieso wir am Friedhof stehen. Leider reicht mein russisch nicht, um ihnen erklären zu können, dass wir so ruhige Nachbarn zu schätzen wissen. Außerdem freuen wir uns, dass es hier einen Wasserhahn und ein Plumpsklo gibt – die perfekte Infrastruktur. Alles in allem muss man sagen, das die Menschen im Russischen Altai sehr gastfreundlich und aufgeschlossen sind.

Dann endlich ist es soweit: unser Visum für Kasachstan beginnt. Schon um acht Uhr am Morgen stehen wir vor dem Grenztor. Wenige Minuten später öffnet sich das Tor und wir dürfen reinfahren. Am Schalter für die Passkontrolle müssen wir nur freundlich in die Kamera gucken. Das Zolldokument für das Fahrzeug wird nicht bearbeitet. Ich frage daher noch einen Beamten und er meint, das wäre so ok. Das Dokument gilt auch in Kasachstan. Nach einem kurzen Blick in unser Auto sind wir aus Russland ausgereist – in unglaublich schnellen zwanzig Minuten. Die Zöllner haben sich sogar mit einem „spassiba bolschoi“ dafür bedankt, das sie ins Fahrzeug schauen durften.

An der Einfahrt zur kasachischen Abfertigung sehen wir ein Piktogramm das erläutert, welche Stationen zu durchlaufen sind. Am ersten Schalter werden die Pässe kontrolliert und wir bekommen Einreisekarten und einen Laufzettel. Am nächsten Schalter müssen wir die ausgefüllten Einreisekarten und die Pässe abgeben. Wir bekommen zwei Stempel auf die Einreisekarte und einen Haken auf den Laufzettel. Dann geht es zurück zum Auto, wo ein Beamter sich den Koffer von innen kurz anschaut. Dann werden wir weitergewunken, d.h. wir sind in Kasachstan eingereist – nach nur dreißig Minuten.

Die Beamten auf beiden Seiten waren freundlich und hilfsbereit. So eine problemlose und schnelle Grenzprozedur war wirklich eine Erholung im Vergleich zu dem, was sonst üblich ist.

Hinter der Grenze erwarten uns dann die kasachischen Strassen. Die Strasse ist zwar asphaltiert, aber sehr bucklig. Wir können nicht schnell fahren, um nicht über die hohen Buckel zu fliegen oder in die tiefen Querrillen zu krachen. Schon im ersten Dorf werden wir von einer Polizeistreife angehalten. Wir müssen die Fahrzeugdokumente und das Versicherungsdokument zeigen. Wie gut, dass wir es uns rechtzeitig besorgt haben.

auf dem Weg nach Öskemen

Wir erreichen Öskemen, eine recht junge Industriestadt, wo wir uns als erstes am Geldautomaten mit kasachischen Tenge versorgen. Danach gehen wir zum lokalen Registrierungsbüro (Strasse “Kabanbay Batir 152″, N49 57 12.22 E82 37 42.62). Laut Vorschriften muß man sich nach der Einreise in Kasachsten innerhalb von vier Tagen bei einem Registrierungsbüro registrieren lassen. Leider haben wir das Pech, dass wir zu deren Mittagspause dort ankommen. Wir nutzen die Wartezeit und erstehen bei Beeline eine 1,5 GB SIM-Karte fürs Internet für 1100 Tenge, umgerechnet etwas über 5 € und gehen unseren ersten Kebab essen.

Zurück am Registrierungsbüro beobachten wir, wie sich immer mehr Leute vor der Türe einfinden. Als diese sich öffnet stürmen wir sofort an einen Schalter und fragen nach der Registrierung. Eine Dame in Uniform (offensichtlich die Chefin) weist eine jüngere Dame an, das Formular für uns auszufüllen. Das war klasse, denn so gibt es keine Unklarheiten. Dann reicht sie es weiter an eine Kollegin am Nachbarschalter, wo es bearbeitet wird und wir einen Stempel auf unsere Einreisekarte bekommen. Dann geht alles zurück zu einem dritten Schalter, wo wir noch ein weiteres abgestempeltes Papier bekommen, das mit in den Pass eingelegt wird. Danach sind wir registriert und dürfen dreißig Tage im Land bleiben. Die ganze Prozedur hat problemlos funktioniert und wir haben keine 20 Minuten gebraucht – eine erfreuliche Überraschung. Die Offizierin war aber auch wirklich auf Zack und hatte den Laden gut unter Kontrolle. Es waren ständig so an die zwanzig meist junge Leute aus ehemaligen Sowjetrepubliken da, die sich wohl auch registrieren müssen.

Wir finden einen Stellplatz auf dem Parkplatz vor der großen Moschee. Die Moschee ist ein moderner Bau, aber ganz schön gemacht. Leider endet unser Tag nicht so gut, wie er begonnen hat, denn wir entdecken am Auto, dass auf der Beifahrerseite der Kotflügel runterhängt. Das Rohr der Halterung ist in der Schweißnaht gebrochen – ein Opfer der andauernden schlechten Strassenverhältnisse. Zum Glück finden wir ganz in der Nähe eine Werkstatt, die Schweißen kann.

unser Stellplatz in Öskemen (N49 55 52.0 E82 37 08.7)

Wie am Vortag verabredet stehen wir am folgenden Morgen um zehn Uhr in der Werkstatt. Um an die schadhafte Stelle zu kommen muß das Fahrerhaus gekippt werden. Das ist leichter gesagt als getan, denn beim Hochpumpen des Fahrerhauses bricht die Halterung des Kotflügels endgültig ab, weil die Pumpe an der Haltestange befestigt ist. Sie hat dem Druck nachgegeben. Alik, unser Monteur, holt das Schweißgerät und schweißt das Rohr in kurzer Zeit wieder an. Als Bernhard bezahlen will, lehnt er dies ab. Stattdessen werden wir noch zu einem Tee eingeladen. So sitzen wir noch zusammen in der Werkstatt und erfahren, dass Alik aus Grosni in Tschetschenien stammt. Seinen letzten Urlaub hat er mit Familie in Tschetschenien und auf der Krim verbracht. Grosni soll mittlerweile wieder aufgebaut sein und eine sehr schöne Stadt sein. Die Unruhen sollen nun schon zehn Jahre her sein. Wir sollen unbedingt auch nach Tschetschenien und auf die Krim fahren, da jetzt alles ruhig und friedlich ist, meinte Arik zum Abschied.

Teepause in der Werkstatt

Den restlichen Tag verbringen wir im Ethnopark von Öskemen. In einem großen, schön gepflegten und mit wunderbaren Blumenbeeten gestalteten Park gibt es viel zu entdecken. Da sind ein Märchenschloss, ein Museumsdorf mit liebevoll eingerichteten Häusern aus verschiedenen ehemaligen Sowjet-Republiken, eine Ausstellung von Kriegsmaterial mit angeschlossenem Museum und einen kleinen Zoo. Das kleine Museum zeigt Bilder und Andenken an sowjetische Kriegshelden. Die alten Fotos aus dem Krieg sind ganz interessant. Eines ist offensichtlich in Deutschland aufgenommen, denn es ist nicht mehr weit bis Stettin und Berlin.

Auf dem Weg zum Museumsdorf hören wir plötzlich Musik. Wir folgen ihr und landen vor einer Bühne, wo eine Gruppe in alpenländischer Tracht einen “Walzer der Liebe” aufs Parkett legt. Es ist so komisch in Kasachstan deutsche Volksmusik zu hören, dass wir uns spontan hinsetzen. Wir werden mit einem längeren Programm verschiedener Gesangs- und Tanzdarbietungen überrascht, davon noch zwei weitere deutsche Stücke. Alle anderen sind eher landestypisch: russische, kasachische und andere Lieder und Tänze, alle in schönen Kostümen oder Trachten. Es ist ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Es gefällt uns sehr gut und wir bleiben bis zum Ende sitzen und applaudieren kräftig . Es ist nur schade, dass wir die Zwischentexte nicht verstehen, denn sie scheinen in Gedichtform vorgetragen zu werden.

In dem kleinen Zoo gibt es viele Vögel, mehrere Bären, ein Kamel, Rehe, Wölfe, Luchs, Puma, Kühe, Esel und Pferd. Der Zoo ist ganz ok. Natürlich könnte man die Tiere noch viel schöner und großzügiger halten, aber wir haben schon schlimmeres gesehen. Man gibt sich offensichtlich Mühe. Mich stört nur, dass die Besucher besonders die Bären mit Plätzchen und Bonbons füttern – ich kann mir nicht vorstellen, dass das gesund ist für die Tiere.

Der Ethnopark ist so groß und vielseitig, so das wir hier einen ganzen Tag verbracht haben. Nur auf dem wunderbar ruhig im Grünen liegenden Parkplatz dürfen wir leider nicht übernachten, da das Gelände um 22 Uhr geschlossen wird. So verbringen wir eine weitere Nacht auf dem Parkplatz an der Moschee.

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

Ethnopark von Öskemen – im Märchenschloss

im Ethnopark von Öskemen

ein „Walzer der Liebe“ im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

Museumsdorf im Ethnopark von Öskemen

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Tartarisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Tartarisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Weißrussisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Ukrainisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Ukrainisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Georgisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Georgisches Haus

im Ethnopark von Öskemen

Öskemen – Ethnopark – Zoo

Öskemen – Ethnopark – Zoo

Öskemen – Ethnopark – Zoo

Öskemen – Moschee bei Nacht

Dann fahren wir weiter. Unterwegs werden wir wieder an einer Polizeikontrolle angehalten. Wieder wird auch nach dem Versicherungsdokument gefragt. Der Polizist interessiert sich nicht wirklich für die Papiere. Ihm ist es wichtig, uns in sein dickes Buch einzutragen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass es darum geht, möglichst viele Namen in dem Buch zu sammeln. Für uns ist es lästig, aber nicht schlimm.

Wir fahren durch eine Steppenlandschaft. Mir gefällt es hier und ich empfinde die Steppe nicht als eintönig. Es blühen viele Blumen und am Horizont gibt es immer mal wieder einige Bergspitzen zu sehen. Sogar einen Schwarzstorch sehen wir vorbeifliegen.

zwischen Öskemen und Kalbatau

zwischen Öskemen und Kalbatau

zwischen Kalbatau und Arshali

Die Strassenverhältnisse sind wieder sehr schlecht: asphaltiert mit vielen tiefen Löchern und mächtigen Bodenwellen. Mehr als 40 bis 50 km/h sind nicht drin. Wir freuen uns, dass die Kotflügelreparatur bis jetzt gehalten hat. Irgendwann ist es so spät, dass wir an einer Raststätte anhalten.

Rastplatz bei Arshali (N48 41 07.8 E80 48 24.7)

Wir fahren weiter und kommen in die Alaköl-Senke, einer flachen und kargen Landschaft, in der sich drei Seen befinden. Über einen 18 Kilometer langen Schotterdamm erreichen wir das Ufer des Sees Sasyqköl (Stinkender See). Nahe den Ruinen eines verlassenen Dorfes finden wir ein einsames und ruhiges Plätzchen oberhalb des Steilufers. Das Ufer ist schilfbewachsen. Das Wasser des Sees ist sehr trübe und lädt uns – leider – nicht zu einem Bad ein. Wir entdecken einen Vogel mit wunderschönen blauen Federn. Da es hier keinerlei Lichter der Zivilisation gibt könnte man hier den wunderbaren Sternenhimmel beobachten, wenn denn die vielen Mücken nicht wären. Die Artenvielfalt der Insekten, die sich am Abend um unsere Fenster scharrten, war beeindruckend.

zwischen Arshali und Ayagöz

am See Sasyqköl

See Sasyqköl

See Sasyqköl

See Sasyqköl

unser Platz am See Sasyqköl (N46 29 12.8 E80 51 21.3)

Sonnenuntergang am See Sasyqköl

Da es mittlerweile tagsüber sehr warm ist sehnen wir uns nach einer Badegelegenheit und fahren weiter zum nächsten See, dem Alaköl (Bunter See). Wir folgen der Strasse am Südufer des Sees, die uns in den Ort Akschi führt. Es ist ein kleiner, aufstrebender Badeort am See. Hier gibt es viele kleine Ferienunterkünfte, die gut besucht zu sein scheinen. Wir landen zuerst an einem belebten Strandabschnitt, der mit Müll übersät ist. Wir können uns nicht vorstellen, dass man sich hier wohlfühlen und seinen Urlaub verbringen kann.

zwischen Üsharal und Akschi

See Alaköl – am östlichen Strand von Akschi

So fahren wir weiter und erkunden den Strand am westlichen Ortsrand. Hier ist es viel ruhiger und auch wesentlich sauberer. Über eine Treppe geht es vom Steilufer hinunter an den schmalen Kiesstrand. Hier gefällt es uns und wir bleiben. Das Wasser ist klar, aber sehr mineralhaltig. Wir erfahren, dass früher die Kosmonauten nach ihrer Rückkehr aus dem All eine Kur in diesem See machen mußten, um ihre Haut zu regenerieren. Wir müssen uns von der Hitze regenerieren und genießen das Bad im See. Hier stehen wir übrigens nur 100 km von der chinesischen Grenze und der Dunganischen Pforte entfernt. Die Dunganische Pforte ist eine Engstelle, durch die im Laufe der Geschichte immer wieder verschiedene Heere der Mongolen, Chinesen etc. auf ihren Eroberungszügen durchgezogen sind.

See Alaköl – unser Platz am westlichen Strand von Akschi (N45 58 16.9 E81 32 10)

See Alaköl – am westlichen Strand von Akschi

Irgendwann müssen wir weiter. Wir verlassen den See schon recht früh am Morgen. Unser Ziel ist der Fluß Lepsi, wo man nach Aussagen eines Reiseberichts schön stehen und auch Wäsche waschen kann. Doch am Fluß angekommen ist die Enttäuschung groß. Der versprochene Wasserfall ist eine Staustufe und der Fluß ist ganz milchig – also nichts mit Waschen und Baden. So fahren wir weiter. Es ist wieder ein heißer Tag. Das Außenthermometer im Fahrerhaus stellt seinen Dienst jenseits der vierzig Grad ein. Selbst den Polizisten ist es zu heiß. Sie stehen im Schatten unter einem Baum. So passieren wir mehrere Kontrollstellen ohne angehalten zu werden. Die Hitze hat also auch ihre Vorteile. Meist führt der Weg durch die Steppe, doch es gibt auch einige bewässerte Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden. So kommen wir durch eine Gegend, wo überall Verkaufsstände mit Äpfeln an der Strasse stehen. In einem der Dörfer können wir am Dorfbrunnen unseren Wassertank auffüllen.

zwischen Üsharal und Taldykorgan

zwischen Üsharal und Taldykorgan

zwischen Üsharal und Taldykorgan – im Hintergrund Zhongar Alatau Berge

Am späten Nachmittag erreichen wir Taldykorgan, wo wir uns auf den Parkplatz des kleinen Flughafens stellen. Wir sind die einzigen Besucher. Die Sicherheitsleute heißen uns sofort willkommen und bieten uns ihren Wasserschlauch an, aus dem das kühle Nass sprudelt. Dann werden wir noch ins Flughafengebäude geführt und können auf der oberen Etage etwas zu trinken bestellen. Wir sind sprachlos über das herzliche Willkommen. Leider hat der Flughafen einen entscheidenden Nachteil, denn er wird auch militärisch genutzt. So ist am anderen Morgen gegen 5:30 ist die Nacht zu Ende, denn die tapferen Vaterlandsverteidiger lassen die Motoren ihrer Düsenjäger Suchoj-27 warm laufen um anschließend einer nach dem anderen mit sehr viel Lärm zu einem Rundflug zu starten.

Flughafen von Taldykorgan (N45 06 32.2 E78 26 35)

So sind wir wieder früh unterwegs. Schon bald wird aus der alten Landstrasse eine endlos lange Baustelle für eine 4-spurige Autobahn, die uns gar nicht erheitert. Unser Ziel ist ein schöner Badetag am Stausee Kapschagaj. Wir verbringen fast den gesamten Tag damit, einen vernünftigen Zugang zum See zu suchen. Einige Stichstrassen zum See sind zur Zeit wegen der Baustelle nicht erreichbar. Eine andere endete vor einem Zaun. Erreichbare Teile des Strandes sind als Privatgelände eingezäunt. Wir fragen bei zwei Resorts, die Picknickplätze vermieten, aber sie lassen uns nicht auf ihr Gelände, da ihnen das Auto zu groß ist. Nach vielen vergeblichen Versuchen geben wir irgendwann entnervt auf und stellen uns abseits vom See auf einen Hügel. Von hier aus können wir das begehrte Nass aus der Ferne sehen.

unser Aussichtsplatz am Stausee Kapschagaj (N43 54 43.1E77 07 45.4)

Da uns nach dem vermurksten Tag noch nicht der Sinn nach einer Stadtbesichtigung steht umfahren wir Almaty und fahren Richtung Osten. Unser Ziel ist der Scharyn-Canyon. Als wir nach einem Tankstop wieder losfahren wollen haben wir das Erlebnis der besonderen Art: beim Drehen des Zündschlüssels bricht die Spannung total zusammen und der Motor springt nicht an. Erst beim dritten Versuch startet er wieder, doch der Schreck sitzt tief. Zum Glück bleibt es heute bei diesem einmaligen Aussetzer.

zwischen Almaty und Shilik – Berge des Ile Alatau

Durch eine Schlucht führt die Strasse auf die Hochebene Sogety. Hier hat der Fluß Scharyn einen tiefen Canyon in den weichen Sandstein gegraben. Eine Schotterpiste führt uns zum Kassenhäuschen des Nationalparks, wo wir einen kleinen Eintritt zahlen müssen. Der Ranger fragt uns, ob wir mit dem Auto ins Tal fahren wollen, was wir ablehnen. Wir parken unser Auto oben auf der Hochebene und wandern zuerst am Rand des Canyons entlang. Der Blick von oben ist beeindruckend, denn er sieht aus wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon in den USA.

zwischen Bayseit und Kökpek

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Wegen der Hitze machen wir erst eine kleine Pause, bevor wir am Nachmittag den Weg hinunter in den Canyon laufen. Auch dieser ist sehr schön. Unterwegs passieren wir eine Engstelle, durch die wir mit unserem großen Auto nie und nimmer durchgekommen wären. Hier passt höchstens ein kleiner Geländewagen durch. Ich frage mich, ob der Ranger hier noch nie gewesen ist, denn es müsste ihm klar gewesen sein, dass der Weg mit unserem Auto nicht zu schaffen ist. Am Grund des Canyons angekommen stehen wir vor dem Fluß Scharyn. Hier hat die Nationalparkverwaltung ein nettes Eco-Camp mit Picknickplätzen, Übernachtungsmöglichkeiten und einem kleinen Cafe eingerichtet, wo wir uns ein kühles Getränk schmecken lassen. Wir freuen uns, als wir den Taxi-Service des Eco Camps entdecken. So müssen wir den langen Weg bergauf zurück zum Parkplatz nicht laufen, sondern können uns ganz entspannt fahren lassen – ein angenehmes Ende eines schönen Tages.

im Scharyn – Canyon

im Scharyn – Canyon

im Scharyn – Canyon

im Scharyn-Canyon – Fluß Scharyn

Eco Camp am Fluß Scharyn

unser Platz am Scharyn-Canyon (N43 21 29.2 E79 03 10.2)

Wir verlassen den Scharyn-Canyon und fahren zurück Richtung Almaty. Unterwegs machen wir noch einen Abstecher zum Stausee Bartogaj. Der Weg dorthin ist schön und der Stausee liegt malerisch vor einer Gebirgskette. Doch das Wasser des Sees ist trübe und an seinem Ufer gibt es keine brauchbaren Stellplätze. So belassen wir es bei einem Blick auf den See und fahren weiter.

Stausee Bartogaj

Stausee Bartogaj

auf dem Weg vom Stausee Bartogaj nach Almaty

Wir erreichen Almaty. Bis 1997 war Almaty Hauptstadt von Kasachstan, doch bis heute ist es das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Wir finden einen Stellplatz auf der Rückseite des Flughafens. Leider ist es hier nicht sehr idyllisch. Am nächsten Morgen fahren wir schon sehr früh ins Stadtzentrum, um noch einen Parkplatz zu ergattern. Wir finden einen bewachten Parkstreifen, wo wir uns genau vor die Wachbude einer Bank stellen. Doppelt bewacht lassen wir unser Auto zurück und starten unseren Rundgang durch die Stadt. Leider hat der Grüne Basar heute geschlossen, so dass uns das Markterlebnis verwehrt bleibt. Am Ende unseres Rundgangs stehen wir vor der Seilbahn, die hinauf zum Aussichtshügel führen soll. Doch die Seilbahn ist wegen Renovierung geschlossen. So laufen wir zurück zum Auto.

Almaty – unser Stellplatz hinter dem Flughafen (N43 21 17.7 E77 01 58.8)

Almaty – Park der 28 Panfilov Gardesoldaten

Almaty – Himmelfahrtskathedrale

Almaty – ehemaliges Parlamentsgebäude am Platz Astana

Almaty – Platz Astana – Denkmal für zwei Scharfschützinnen

dieser Eifelturm steht in Almaty

Almaty – Platz der Republik – Stadtverwaltung

Almaty – Platz der Republik

Almaty – Nationalmuseum

Wir verlassen die Innenstadt und fahren in die Berge des Ile Alatau ins Tal der Kleinen Almatinka. Hier befindet sich das berühmte Eisstadion Medeo, in dem schon viele Eisschnelllauf-Weltrekorde aufgestellt wurden. Wir interessieren uns weniger für das Stadion, sondern vielmehr für die großen Parkplätze. Leider müssen wir feststellen, dass es uns hier nicht gefällt. Die ebenen Parkplätze sind gesperrt und nur ein sehr schräger Parkplatz, der zudem zugemüllt ist, ist offen. Ausserdem ist seit Tagen die Fernsicht sehr schlecht, denn Almaty und das TienShan Gebirge liegen im permanenten Dunst.

So fahren wir wieder bergab nach Almaty. Unterwegs halten wir an einem Restaurant, wo es uns am Vortag gut gefallen hat. Wir gehen lecker essen. Zurück am Auto holt uns unser Problem wieder ein, denn der Motor startet wieder nicht. Nach dem dritten Fehlversuch schraubt Bernhard die Verkleidung der Lenksäule ab, da ich von dort eine kleine Rauchfahne gesehen habe. Doch hier ist kein Schaden zu erkennen. So versuchen wir ein weiteres Mal den Motor zu starten und nun springt er an. Trotzdem ist das ganze sehr unbefriedigend, solange wir die Ursache nicht kennen. Da es schon später Nachmittag ist fahren wir erst einmal zurück auf den ungeliebten Stellplatz hinter dem Flughafen.

Da wir nicht mit der Ungewissheit weiter fahren wollen, fahren wir am nächsten Morgen zur MAN-Werkstatt in Almaty (N43 22 09.5 E76 56 58.4). Wir treffen auf einen Monteur, der ein kleines bischen deutsch spricht, sowie einen technischen Leiter, der sehr gut englisch spricht. Bernhard kann unser Problem schildern. Nach längerer Diskussion einigt man sich darauf, den Startermotor auszubauen. Er wird zerlegt und gereinigt, aber irgendwie ist Raffael (der Vorarbeiter) der Meinung, das er nicht mehr gut wäre, er wäre zu heiss. Er schlägt vor sicherheitshalber einen neuen einzubauen und den alten als Notersatzteil zu behalten. Der neue Starter kommt am Nachmittag und wird sofort eingebaut. Da wir nun schon mal in der Werkstatt stehen entschliessen wir uns noch das Motoröl wechseln zu lassen, denn der letzte Ölwechsel war von ca. 25.000 km in Ankara. Anschließend wird noch der Keilriemen zur Lichtmaschine nachgespannt. Nun ist unser Auto wieder flott und wir hoffen, dass das Problem nun gelöst ist. Die Qualität der Arbeit und der bezahlte Preis stellten uns sehr zufrieden. Da es schon spät am Nachmittag ist dürfen wir auf dem Hof der Werkstatt übernachten.

Almaty – im Hof der MAN Werkstatt (N43 22 09.5 E76 56 58.4)

Nebenan gibt es ein Schwimmbad und wir freuen uns nach dem langen Tag auf eine nette Erholung, denn das Schwimmbad sieht von oben ganz ansprechend aus. Doch wir erleben unser blaues Wunder, als wir an der Kasse pro Person umgerechnet 20 Euro Eintritt zahlen sollen. Wir fragen uns, ob wir in einem Millionärsclub gelandet sind. So ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab, denn das sind uns ein paar Runden im Wasser nicht wert.

Nach den heißen Tagen in der Stadt freuen wir uns auf kühlere Tage in den Ile Alatau-Bergen. Wir fahren ins Tal der Großen Almatinka. Doch hier werden wir schon wieder enttäuscht. Der untere Teil des Tales komplett zugebaut. Dann passieren wir das Kassenhäuschen des Nationalparks und fahren weiter das Tal hinauf. Hier gäbe es einige schöne Plätze, doch überall liegt Müll. Wir finden einen großen ebenen Parkplatz, in dessen Nähe sich eine Quelle mit klarem Wasser befindet. Unser Wäschesack ist voll und wir müssen unbedingt mal wieder unsere Klamotten waschen. So holt Bernhard fleißig Wasser von der Quelle und ich mache mich an die Arbeit. Doch kaum bin ich fertig mit Waschen beginnt es zu regnen. Schon wieder muß ich die ganze Wäsche im Auto trocknen – Mist! Das schlechte Wetter hält andere Leute nicht davon ab, ebenfalls hierhin zu kommen. Am Nachmittag hören wir eine Gruppe Leute auf der Picknickwiese in der Nähe der Quelle. Am Abend beobachte ich einen PKW, der eine Weile auf dem Parkplatz steht. Am anderen Morgen sehen wir dann die Bescherung: dort wo der PKW gestanden hat liegen leere Flaschen und eine Tüte voller Müll auf dem Boden. Bernhard geht zur Quelle und entdeckt, dass sie voller Speisereste und Abfälle liegt. Sogar das Rohr, aus dem gestern noch das frische Wasser sprudelte ist mit Papier zugestopft. Das ist für uns unbegreiflich, besonders anbetracht der Tatsache, dass überall Abfallbehälter stehen. So ergreifen wir ganz schnell die Flucht und verlassen das Tal wieder.

Ile Alatau Nationalpark – Großes Almatinker Tal (N43 06 03.9 E76 56 03.1)

Unser Weg führt uns nach Westen. Die Strasse ist gut und wir kommen schnell vorwärts. Nur das Wetter spielt immer noch nicht mit. Es tröpfelt ein wenig und von den Bergen links von uns ist nichts zu sehen. Da wir es nicht eilig haben, fahren wir nicht weit und stoppen an einer Raststätte, wo wir auch die Nacht verbringen.

Rastplatz an der A2 (N43 19 43.4 E75 39 18.5)

Am nächsten Morgen sind wir wieder früh unterwegs um der Mittagshitze zu entgehen. Die Strasse A2 ist gut ausgebaut. Die Landschaft ist recht einheitlich. Der Himmel ist sehr trübe, obwohl die Sonne durchkommt. Doch es gibt keine Fernsicht und die 2000 m hohen Berge, die eigentlich die ganze Zeit neben uns sein sollen, sind im Dunst fast nicht zu erkennen. Es ist wieder sehr warm. Zusammen mit der leicht zu befahrenen Strasse und der eintönigen Landschaft passiert es, dass wir ein 30er-Geschwindigkeitsschild nicht beachten. Prompt werden wir von der Polizei angehalten und müssen 50 Euro Strafe zahlen. Bernhard konnte ihn von 100 Dollar runterhandeln. Aber nun haben wir das Prinzip begriffen: die Polizei hat eine kleine Kameraboxen mit einer Geschwindigkeitsmessvorrichtung, die über eine Funkverbindung mit dem Streifenwagen verbunden ist, der meistens einige hundert Meter weiter steht. Den Streifenwagen kann man also nicht sehen und die Kameraboxen sind unscheinbar wie ein kleiner Koffer am Strassenrand deponiert. Anders als in Russland wird man hier auch nicht vom Gegenverkehr gewarnt. Bei einem Vergehen muss man in den Streifenwagen einsteigen und sich das Video anschauen. Die kasachischen Geschwindigkeitskontrolleure sind technisch ganz weit vorne.

auf dem Weg nach Taraz

Strasse nach Taraz – Seidenstrasse früher …

… und Seidenstrasse heute

Kurz vor Taraz entdecken wir einen modernen LKW-Rastplatz. Er ist mit 500 Tenge für die hiesigen Verhältnisse recht teuer und entsprechend leer. Doch hier gibt es den Luxus von sauberen und geräumigen Sanitäranlagen. Sogar duschen können wir hier. Wir leisten uns diesen Luxus und freuen uns über Wasser im Überfluß.

LKW-Rastplatz vor Taraz (N43 00 04.7 E71 37 48.2)

Am nächsten Tag erreichen wir die Stadt Taraz. Es ist eine alte Karawanenstadt, deren Ursprünge bis ins 6. Jhdt zurück reichen. Im 10. bis 12. Jhdt. war die Stadt eines der Zentren der Großen Seidenstrasse. Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig, ausser einem von sowjetischen Bauten dominierten zentralen Platz. Wir besichtigen zwei Mausoleen. Die Überreste einer Karawanserei, die im Reiseführer erwähnt ist, haben wir leider nicht gefunden.

Blick vom Mausoleum Tekturmas auf Taraz

Taraz – Mausoleum Tekturmas

Taraz – Platz der Freundschaft

Taraz – Denkmal auf dem Platz der Freundschaft

Taraz – Karakhan (Aulie Ata) Mausoleum

Nach einem kurzen Bummel durch das moderne Taraz verlassen wir den Ort und fahren weiter zum Mausoleum von Aischa Bibi. Es liegt in einer schönen Gartenanlage. Obwohl das Mausoleum nicht sehr groß ist, gefällt es uns. Der Parkplatz lädt zum Übernachten ein und so bleiben wir. Am späten Nachmittag bekommen wir Besuch und Holger steht vor unserem Auto. Er kommt aus Deutschland und ist seit einem Jahr mit seinem Fahrrad unterwegs. Wir unterhalten uns eine Weile. Da es darüber spät geworden ist baut er sein Zelt neben unserem Auto auf und wir verbringen einen netten Abend zusammen.

Mausoleum Aischa Bibi

unser Platz am Mausoleum Aischa Bibi (N42 50 03.2 E71 12 40.8)

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege wieder. Holger will langsam nach Taschkent um seine Freundin am Flughafen zu treffen und wir fahren nach Sajram. Das ehemals bedeutende Zentrum ist heute ein kleiner vergessener Ort, wo sich noch einige Zeugnisse der Vergangenheit erhalten haben. Hier besichtigen wir drei alte Mausoleen. Sie sind ziemlich klein und unscheinbar. Versteckt hinter dem Hof einer Schule finden wir dann auch noch das im Reiseführer abgebildete Minarett. Es ist auf dem Foto schon nicht sehr groß, doch die Wirklichkeit ist noch bescheidener – ein wirkliches Zwerg-Minarett. Es könnte auch als Kopie des Kalon Minaretts von Buchara im Minidom stehen.

zwischen Aischa Bibi und Sajram

zwischen Aischa Bibi und Sajram

zwischen Aischa Bibi und Sajram

Sajram – Asis Baba Mausoleum

Sajram – Mirali Bab Mausoleum

Sajram – Minarett Hisr Pajgambar

Wir fahren weiter nach Schymkent, einer modernen Stadt ohne besondere Sehenswürdigkeiten. Am Stadtrand sehen wir die moderne neue Moschee, die wir uns anschauen. Wir erfahren, dass sie von einem arabischen Scheich bezahlt wurde. Der Bau ist sehr groß, aber ansonsten schmucklos. Hier soll wohl die schiere Größe überzeugen. Da uns die Stadt nicht zum Anhalten motiviert fahren wir weiter und finden einen akzeptablen Parkplatz am Flughafen. Tagsüber ist es hier ruhig, doch am späten Abend und frühen Morgen kommen und gehen einige Flugzeuge. Vor dem Flughafengebäude gibt es einige schöne Rasenflächen, die von den Kühen der Nachbarschaft mit Freude gepflegt werden. So ein saftiger Gras finden sie sonst nirgendwo.

Schymkent – neue Moschee

Schymkent – unser Stellplatz am Flughafen (N42 2201.33 E69 29 41.08)

Am nächsten Morgen fahren wir schon vor sechs Uhr los, um dem morgentlichen Trubel des Flughafens und der Mittagshitze zu entgehen. Unser Ziel ist Turkistan, eine alte Stadt, deren Wurzeln ins 7. Jhdt zurückreichen. Hier befindet sich die Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi, einem islamischen Propheten, der im 11. Jhdt lebte. Sie ist eine bedeutende islamische Wallfahrtsstätte und auch ein wichtiges architektonisches Denkmal. Die Grabmoschee wurde von Tamerlan gestiftet, einem Herrscher, dessen Spuren wir auch noch in Usbekistan begegnen werden.

zwischen Schymkent und Turkistan

Die Strasse von Schymkent nach Turkistan ist wie eine deutsche Autobahn, 4-spurig mit Mittelleitplanken. Die Strassenqualität ist gut. Es gibt keine Querrillen und keine Löcher. So erreichen wir unser Ziel schon recht früh. Wir finden nahe bei den historischen Stätten einen ruhig gelegenen Parkplatz vor einer modernen Moschee. Hier gefällt es uns gut. Die moderne Moschee (dieses Mal mit Hilfe aus der Türkei erbaut) ist eine wahre Pracht. Der eher schlichte und doch unglaublich elegante Bau besticht durch seine großen Glasflächen und den Farbkontrast zwischen weißen Wänden und türkiser Kuppel. Auch der Innenraum ist sehr schön durch die großen Glasfronten und den dezenten Schmuck. Es macht Freude dieses schöne Gebäude anzuschauen.

Turkistan – neue Moschee

Turkistan – neue Moschee

Turkistan – neue Moschee

Wir besichtigen die große Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi und einige kleinere Gebäude ringsherum. Obwohl es UNESCO-Weltkulturerbe ist wir hier kein Eintritt verlangt. Trotzdem ist die Anlage sehr gepflegt und besonders der Rosengarten ist sehr schön.

Turkistan – Stadtzitadelle – Tor Musalla

Turkistan – Stadtzitadelle

Turkistan – Grabmoschee des für Hodzha Achmed Jassawi (links) und Mausoleum für Rabiga Sultan Begim (rechts)

Turkistan – Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi

2015-07-27-nr95-KZ--Vögel am Mausoleum

in den Mauern der Grabmoschee leben diese Vögel

Wir fühlen uns hier in Turkistan so wohl, dass wir noch zwei weitere Tage bleiben. Unser Stellplatz an der Moschee ist ein richtiger Glücksfall, denn zu der schönen, ruhigen und doch zentralen Lage kommt noch hinzu, das wir das moderne Sanitärgebäude der Moschee (inklusive Dusche für die Herren) nutzen können sowie unsere Wasservorräte am Moschee-Brunnen auffüllen können. Es sind besten Sanitäranlagen, die wir bis jetzt in Kasachstan gesehen haben: alles aus Marmor und sehr geräumig.

Turkistan – unser Platz vor der neuen Moschee (N43 17 37.6 E68 16 28.7)

Besonderen Spaß habe ich daran, dass ich manchmal aus dem Fenster Kamele sehen. Sie laufen hier über die Strasse wie anderswo die Kühe. Abends kommt schon mal eine Hochzeitsgesellschaft mit Hummer H1 Stretchlimusinen vorbei, flankiert von einigen (Fiat) Lada 1600 Schigulis, die erstaunlicherweise (für ein dreissig Jahre altes Auto) nicht selten mit Zentralverriegelung mit optischen und akustischem Feedback, Xenon-Scheinwerfen, LED Tagfahrlichtern, Ultraschallalarmanlage, Multicolor Ambientebeleuchtung (innen+aussen!) ausgestattet sind. Die sowjetische Autoindustrie wurde wohl im allgemeinen unterschätzt. Gefilmt wurde die ganze Zeremonie dann auch noch aus der Vogelperspektive mittels Kameradrohne. Die Kasachen sind technisch ganz weit vorne.

Turkestan – Kamele

Turkistan – Kamele

Unser nächstes Ziel sind die Ausgrabungen von Otrar. Schon im 2. Jhdt v.Chr. gegründet erreichte die Stadt Otrar ihre Blütezeit im 10. bis 12. Jhdt. Sie war damals mit 200.000 Einwohnern eine der wichtigsten Städte an der Seidenstrasse. Die Bibliothek von Otrar war vergleichbar mit der berühmten Bibliothek von Alexandria in Ägypten. Heute ist Otrar nur ein großer Sandhügel in der Steppe. Von der Erosion wurde die Lehmstadt in einen Lehmhügel verwandelt. Archäologen haben begonnen, die Stadt auszugraben. Wir stehen etwas unschlüssig vor einem unscheinbaren Zaun mit verschlossenem Eingang, als plötzlich ein Auto angefahren kommt. Es ist der Torwächter. Er schließt uns auf und wir müssen uns in ein Besucherbuch eintragen. Er scheint nicht weit zu wohnen und hat uns wohl am Tor stehen sehen. Im Gästebuch war zu sehen, das durchschnittlich ein Besucher am Tag kommt. Dafür braucht man wirklich nicht den ganzen Tag in der Hitze warten.

Der Siedlungshügel von Otrar ist ziemlich groß und läßt die Ausdehnung der alten Stadt erahnen. Einige Teile sind mittlerweile ausgegraben und recht nett rekonstruiert. Aber es bleibt noch viel zu erforschen. Uns gefällt es hier und wir haben den Umweg nicht bereut. Die Ausgrabung hat uns ein bischen an Troja erinnert, aber natürlich ist es nicht so gut erschlossen und dokumentiert.

Otrar – Stadtmauer

Otrar

Otrar – Fundamente einer Moschee

Dann fahren wir weiter ins nächste Dorf, wo wir uns die Grabmoschee für Aristan Bab anschauen. Der islamische Mystiker Aristan Bab war der Lehrer von Ahmed Jassawi, dessen Grabmoschee wir in Turkistan besucht haben. Die Grabmoschee für Aristan Bab ist viel kleiner und einfacher als die seines Schülers.

Aristanbab – Grabmoschee des Aristan Bab

Aristanbab – neue Moschee

Aristanbab – unser Stellplatz (N42 51 15.3 E68 16 06.7)

Nun dauert es nicht mehr lange, bis unser Visum für Usbekistan beginnt. So fahren wir wieder zurück nach Schymkent, wo wir wieder am Flughafen stehen. Nicht weit von hier haben wir einige Marktstände entdeckt, an denen wir unsere Vorräte aufstocken wollen. Doch noch auf dem Flughafenparkplatz sprechen uns zwei Polizisten aus ihrem Streifenwagen heraus an. Sie sind neugierig und wir müssen wieder einmal von unserer großen Reise berichten. Als sie erfahren, dass wir zum Markt wollen, laden sie uns spontan ein in ihrem Streifenwagen mitzufahren. Wir steigen ein und werden von den beiden netten Polizisten prompt bis vor die Türe gefahren – ein außergewöhnliches Taxi.

Insgesamt hat uns Kasachstan sehr gut gefallen: die Menschen sind freundlich aber nicht aufdringlich. Die Kinder sind neugierig, aber zurückhaltend. Das Essen, sei es Mantis, Lacman, Plov oder Schaschlik, hat uns immer gut geschmeckt, obwohl eine deutsche Lebensmittelkontrolle den einen oder anderen Laden aus Hygienegründen wohl direkt schliessen würde. Aber wir sind bis jetzt von grösseren Magen-Darm-Problemen verschont geblieben. In Südkasachstan sind die Strassen überwiegend gut, anders als in Ostkasachstan.

Das war unsere Route durch Kasachstan:

Route Kasachstan

 

 

Kategorien: Reiseberichte | Ein Kommentar

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