Russland – Teil 5

Samara – Togliatti – Saratow – Wolgograd – Voronezh – Sadonsk – Smolensk

August 2015

Wir haben die Wüsten Kasachstan’s hinter uns gelassen. Die Landschaft ist wieder grün und wir erfreuen uns an den unendlich großen Sonnenblumenfeldern.

Sonnenblumen so weit das Auge reicht

Früh am Morgen erreichen wir unser erstes Ziel in Russland – die Stadt Samara. Wir haben Glück und ergattern einen der wenigen Parkplätze am Ufer der Wolga. Wir freuen uns, die Wolga wiederzusehen, der wir schon auf unserer Hinreise begegnet sind.

Samara ist die sechstgrößte Stadt Russlands mit einer netten Altstadt. Der Glanzpunkt von Samara ist die schön gestaltete Uferpromenade entlang der Wolga. Zwischen Promenade und Fluß liegt ein breiter, sauberer Sandstrand mit Umkleidekabinen und Bänken. Der Strand lädt geradezu zu einem Bad in der Wolga ein, doch wir entscheiden uns dafür zuerst die Stadt anzuschauen.

Samara – Promenade an der Wolga

Samara – Wolga

Samara – Lenin-Denkmal am Revolutionsplatz

Samara – Altstadt

Samara – Altstadt

Samara – Gorkij Theater

Samara – Opern- und Ballettheater

Samara – Promenade an der Wolga

Samara – Wolga

Zurück an der Promenade ist die Sonne verschwunden und es sind dunkle Wolken aufgezogen. So muß das Bad in der Wolga leider ausfallen und wir fahren weiter. In der Industriestadt Togliatti, dem Standort der Lada-Werke, gibt es ein großes Technikmuseum, das wir uns anschauen wollen. Auf zwei riesigen Freigeländen und in zwei kleinen Ausstellungshallen befindet sich ein Sammelsurium von Altmetall, das meiste davon alte russische Militärtechnik. Bernhard ist begeistert und er weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Der große Parkplatz vor dem Tor ist so einladend, dass wir hier über Nacht bleiben. So können wir uns die Besichtigung einteilen und die beiden Freigelände auf zwei Tage verteilen. Leider sind die Ausstellungsstücke nur sehr schlecht dokumentiert. Häufig fehlt die Beschreibung und wenn es sie gibt ist sie nur auf russisch. Auch scheint das Museum einfach zu groß zu sein, denn die Ausstellungsstücke könnten mehr Pflege vertragen.

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti

Technikmuseum in Togliatti – Raketenträger

Technikmuseum in Togliatti – alles hängt an Fallschirmen

Technikmuseum in Togliatti – unser Übernachtungsplatz (N53 33 11.1 E49 14 53.8)

Nach den anstrengenden Besichtigungen wollen wir uns ein bischen an der Wolga erholen. Um einen Platz zu finden biegen wir von der Hauptstrasse ab und gelangen auf eine kleine Strasse, die ein Stück am Ufer entlang führt. Dabei ignorieren wir ein Schild mit einer Beschränkung auf 5 t. Da es keine Brücke zu überfahren gilt, soll das Schild wohl nur die LKWs abhalten. Wir finden einen Platz etwas erhöht oberhalb des Wassers. Doch aus dem Bad in der Wolga wird nichts, denn das Wasser ist uns zu schmutzig.

Wolga

unser Platz an der Wolga (N52 23 41.9 E48 05 10.1)

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Saratow, die ebenfalls an der Wolga liegt. Hier gibt es keine Promenade und die Strassen und Häuser reichen bis ans Wasser. Zuerst schauen wir uns den Siegespark an, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt und den Fluß hat. Hier steht ebenfalls einiges an alter Militärtechnik herum. Die Exponate sind besser dokumentiert und gepflegt als im Technikmuseum.

Saratow – Siegespark

Saratow

Saratow

Saratow – Siegespark

Saratow – Siegespark

Saratow – Siegespark

Saratow – Siegespark

Dann wollen wir uns die Stadt anschauen und fahren mit dem Auto den Hügel hinunter ins Zentrum. Die Stadt wirkt nicht sehr einladend. Es ist sehr viel Verkehr, die Strassen eng und die Verkehrsführung durch Einbahnstrassen verschlungen. Unser Versuch ins Stadtzentrum zu gelangen bleibt im Stau stecken. So verzichten wir auf den Stadtbesuch und verlassen Saratow.

Unterwegs finden wir einen netten Übernachtungsplatz bei einem Imbiß. Hier gibt es sogar einen Wasserhahn, an dem wir unseren Wassertank auffüllen können.

unser Übernachtungsplatz bei Melovoe (N50 49 15.8 E45 33 03.2)

Unser nächstes Ziel ist Wolgograd, das ehemalige Stalingrad. Vor dem Hotel Turist finden wir einen ruhigen Parkplatz, auf dem wir zwei Tage bleiben. Das Hotel scheint ein Bau aus sozialistischer Zeit zu sein. Sein Glanz ist schon lange verblasst und es bröckelt so langsam vor sich hin. Wir dürfen die Hotel-Toilette im Foyer benutzen. Ansonsten bietet das Hotel keinen Service. Dafür müssen wir auch keine Parkgebühren bezahlen. Leider versperrt ein Bauzaun die Aussicht auf die Wolga, die nur wenige Meter von hier vorbeifließt. Von unserem Parkplatz aus sind es nur wenige Minuten Fußweg zur Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, der großen Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel. Sie erinnert an die schlimmste Schlacht des Zweiten Weltkrieges, bei der mehr als 700.000 Menschen starben und die zum Wendepunkt des Krieges wurde. Hoch oben auf dem Mamajew-Hügel steht das Denkmal „Mutter Heimat“. Es stellt Nike, die Göttin des Sieges dar.

Obstverkäufer an der Strasse nach Wolgograd

Wolgograd – unser Platz am Hotel Turist (N48 44 20.9 E44 33 18.3)

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel

Wolgograd – Gedenkstätte Mamajew Hügel – Mutter Heimat

Am nächsten Tag fahren wir mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum. Die Stadt wurde im Krieg fast vollständig zerstört, so dass Wolgograd heute von sowjetischer Architektur geprägt ist. Wir bewundern die große Treppe, die zur Wolga führt, doch eine schöne Uferpromenade, wie wir sie in Samara gesehen haben, fehlt.

Wolgograd – Treppe zur Wolga

Wolgograd – Wolga

Wolgograd – Heldenallee

Wolgograd

Wolgograd

Wolgograd – Bahnhof

Wolgograd

Versteckt in einer Seitenstrasse finden wir den Eingang zum Keller des Kaufhauses Univermag, in dem der deutsche General Paulus seinen Befehlsstand hatte. Heute erinnert hier ein kleines Museum an diese Zeit.

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus – Lazarett

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus

Wolgograd – Kaufhaus Univermag – Befehlsstand von General Paulus

Auch das Panorama-Museum mit einem riesigen 360-Grad-Panoramagemälde zur Schlacht um Stalingrad lassen wir nicht ausfallen. Es ist nicht nur ein Bild, sondern schon beinahe ein 3D-Kunstwerk, denn zu Füßen des Gemäldes sind ergänzende Landschaften und Szenen dargestellt. Neben dem Museum steht als Mahnmal die einzig erhaltene Ruine aus jener Zeit – die Ruinen einer Mühle.

Wolgograd – Panoramamuseum – Schlacht um Stalingrad

Wolgograd – Panoramamuseum – Schlacht um Stalingrad

Wolgograd – Panoramamuseum – Schlacht um Stalingrad

Wolgograd – Mühlenruine

Unser nächstes Ziel ist Voronezh, eine kleine Stadt mit nur wenigen Sehenswürdigkeiten. Leider gibt es auch keine vernünftigen Parkplätze, so dass wir uns nur kurz hier aufhalten. Wir schauen uns die große, erst 1999 erbaute Kathedrale an und das Denkmal für Peter den Großen.

Voronezh – Verkündigungskathedrale

Voronezh – Verkündigungskathedrale

Voronezh – Denkmal für Peter den Großen

unser Übernachtungsplatz an einer Raststätte vor Voronezh (N51 33 35.6 E39 29 18.2)

Unsere Route führt uns weiter nach Sadonsk. Der kleine Ort wird wegen seiner vielen Klöster auch das „russische Jerusalem“ genannt wird. Wir besuchen das größte Kloster, das Muttergottes-Kloster. Es ist eine schön restaurierte Anlage, die wieder von Mönchen bewohnt wird. In einer kleinen Grünanlage neben dem Kloster befindet sich neben einer Backsteinkirche eine heilige Quelle. In einem kleinen Quellhaus kann man im heiligen Wasser eintauchen. Bernhard wagt einen Blick hinein und sieht, dass der Baderaum von mehreren nackten Männern belegt ist und so verzichte ich auf eine Besichtigung.

Sadonsk

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Sadonsk – Muttergottes Kloster

Wir finden einen großen, fast leeren Parkplatz nicht weit vom Kloster, wo wir übernachten können. Am späten Abend ertönt laute Disko-Musik, denn in der Grünanlage nebenan findet heute eine Freiluftdisko statt. Sie scheint keinen großen Anklang zu finden, denn es verirren sich nur wenige Besucher hierhin. Zu unserer Freude endet die Disko pünktlich um 22 Uhr.

Sadonsk – unser Übernachtungsplatz (N52 23 27.4 E38 54 49.8)

Am nächsten Morgen verlassen wir Sadonsk. Unser Ziel ist Smolensk. Unterwegs bemerken wir, dass der Motor an Leistung verliert. Wir kommen nur noch ganz langsam die Hügel hoch. Für unser Auto fühlt es sich an wie eine Fahrt durchs Hochgebirge. Wir vermuten, dass wir beim letzten Tanken schlechten Diesel bekommen haben. So geht es eine Weile mit recht gebremster Geschwindigkeit weiter. Irgendwann wird es so nervig, dass wir auf unseren zweiten Tank umschalten, wo noch guter Diesel drin sein sollte. Überraschenderweise bleibt das Problem bestehen. Irgendwann finden wir einen schönen Rastplatz, wo wir anhalten. Wir vermuten einen verstopften Dieselfilter und tauschen daher den Separ-Filter.

wir überqueren den Don

zwischen Sadonsk und Bryansk

unser Übernachtungsplatz vor Bryansk (N53 19 15.2 E34 00 26.0)

Am nächsten Morgen fahren wir guten Mutes los. Die ersten einhundert Kilometer fährt das Auto ganz normal, und wir freuen uns schon das Problem gelöst zu haben. Doch die Freude war verfrüht, denn plötzlich verliert der Motor schon wieder Leistung. Wir schaffen es bis Smolensk, wo wir sofort die MAN-Werkstatt ansteuern. Den letzten Kilometer zur Werkstatt geht es steil bergauf und ich befürchte, dass wir bald aussteigen und schieben müssen. Doch auch mit 15 km/h meistert das Auto dieses Hindernis und wir erreichen die Einfahrt zu MAN (N54 48 51.7 E31 58 48.6). Die Werkstatt selber liegt im Hinterhof (N54 48 47.9 E31 58 27.4).

Ich wundere mich, dass die Werkstatt geöffnet ist obwohl Sonntag ist. Leider spricht niemand englisch und so muss ich den Fehler ungefähr auf russisch beschreiben, was wohl auch irgendwie gelingt. Ein Mechaniker kommt und bittet uns in die Halle. Er tauscht die Motorfilter, die wir glücklicherweise als Ersatzteile dabei haben. Dann wird der Luftfilter ausgebaut und mit Druckluft durchgepustet. Eine anschließende Testfahrt verläuft positiv. Als wir nach der Rechnung fragen heißt es nur – Service. Sie wollen kein Geld von uns haben.

Da es noch früh am Tag ist, schauen wir uns die Stadt Smolensk an. Es ist eine der ältesten Städte in Russland. Leider wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, so dass es nur wenige Sehenswürdigkeiten gibt. Wir besichtigen die Reste der Festungsmauer und die Kathedrale.

Smolensk -am Glinkapark

Smolensk – Festungsmauer

Smolensk – ein Waschbär im Park an der Festungsmauer

Smolensk – Leninplatz

Smolensk – Leninstrasse

2015-08-16-nr23-RUS--neu

Smolensk -Kathedrale (li) und Dreifaltigkeitskloster (re)

Smolensk – Maria Himmelfahrtskathedrale

Smolensk – Maria Himmelfahrtskathedrale

Mit Smolensk endet unsere Reise durch Russland, denn es ist nicht mehr weit bis zur Grenze nach Lettland. Hier im westlichen Teil von Russland mußten wir uns wieder an stark befahrene Strassen gewöhnen – eine Umstellung nach den fast menschenleeren Strassen weiter östlich. Trotz des vielen Verkehrs gab es in diesem Abschnitt überraschenderweise nur sehr wenige Rastplätze.

Das war unsere Route durch Russland Teil 5:

Karte Russland 2015 Teil 5

Advertisements
Kategorien: Reiseberichte | Hinterlasse einen Kommentar

Kasachstan – Teil 2

von Schymkent durch die Wüste Kyzylkum nach Russland

August 2015

An dieser Stelle sollte eigentlich unser Reisebericht über Usbekistan stehen. Doch erstens kommt es anders als man zweitens meistens denkt.

Von Schymkent aus fahren wir die große Strasse Richtung Süden. Unser erstes Ziel in Usbekistan sollte Taschkent sein, das auch auf den Wegweisern ausgeschildert ist. Um so größer war dann unsere Überraschung, als wir am Ende der Strasse vor einem geschlossenen Grenztor stehen. Die Grenze an der großen Überlandstrasse von Schymkent nach Taschkent ist nur für Fußgänger geöffnet.

Auf unsere Nachfrage hin, wo denn die Fahrzeugabfertigung ist, wurden wir einhundert Kilometer weiter nach Westen geschickt. Doch die Strasse dorthin war wegen Bauarbeiten gesperrt und Umleitungsschilder waren keine vorhanden. Statt dessen tummelten sich vor dem Grenztor eine Menge extrem aufdringlicher Menschen, die uns angeboten haben gegen Bezahlung den Weg zur nächsten Grenze zu zeigen. Einer war sogar so dreist ungefragt ins Auto einzusteigen und sich auf den Beifahrersitz zu setzen. Das war so nervig, dass wir nur noch schnell von hier weg wollten.

Da wir keine klare Vorstellung hatten, wo denn nun der nächste Grenzübergang ist und weil wir die einhundert Kilometer auf der anderen Seite der Grenze nach Taschkent hätten wieder zurück fahren müssen, haben wir kurzfristig beschlossen, Usbekistan ausfallen zu lassen. In Usbekistan gibt es keinen Diesel zu kaufen und den Umweg hätten wir mit unserem eigenen Dieselvorrat nicht mehr geschafft.

Wir waren schon einmal in Usbekistan und kennen das Land schon, so dass es uns nicht allzu schwer gefallen ist, diese Entscheidung zu treffen. Außerdem waren wir zur falschen Jahreszeit dort, denn Stadtbesichtigungen bei Temperaturen um die 40 Grad sind eher suboptimal.

So beschließen wir, durch Kasachstan nach Russland zu fahren. Leider haben wir unsere dreißig Tage, die wir in Kasachstan bleiben dürfen, schon fast alle verbraucht, so dass uns für die ca. 2000 Kilometer bis zur russischen Grenze nur noch drei Tage zur Verfügung stehen. Das ist extrem bedauerlich, denn so haben wir keine Zeit mehr für weitere Besichtigungen. In drei strammen Fahrtagen durchqueren wir die Wüste Kyzylkum, passieren Baikonur und und die Reste des Aralsees. Der ehemals viertgrößte Binnensee der Welt ist so gut wie ausgetrocknet und an seiner Stelle dehnt sich die Wüste aus.

Wüste Kyzylkum

Sonnenaufgang

Baikonur

zwischen Baikonor und Aktobe

unser Übernachtungsplatz am Flughafen von Aktobe (N50 14 58 E57 12 36.3)

Friedhof

Während die Strassen ist Ostkasachstan teilweise sehr schlecht waren erleben wir hier im Westen des Landes eine große Überraschung. Die fast 2000 Kilometer sind durchgehend sehr gut ausgebaut und in perfektem Zustand. So rollen wir ohne Probleme zügig gen Norden. Immer wieder kommen uns LKWs aus vielen Ländern entgegen. Uns fallen die LKWs aus der Türkei auf und wir fragen uns, auf welchem Weg die wohl hierhin gekommen sind. Zweimal sehen wir Viehtransporter aus Siegburg, die Schweine geladen haben. Die armen Tiere!

Kurz vor der russischen Grenze werden wir mal wieder von einer Polizeikontrolle angehalten. Die beiden Beamten interessieren sich überhaupt nicht für unsere Papiere, dafür um so mehr für unser Auto. Sie klettern hinten in den Koffer und sogar in die Fahrerkabine. In allen möglichen Posen werden Fotos mit der Handykamera gemacht. Sie sind wie die kleinen Kinder. Sie können sich kaum vom Auto trennen und immer wieder müssen weitere Bilder gemacht werden.

Gegen 19 Uhr erreichen wir den Schlagbaum und reihen wir uns in die Schlange vor der Grenzabfertigung ein. Auf der kasachischen Seite geht es zügig vorwärts. Das Fahrzeug wird gründlich kontrolliert und ich muß jede Schranktür aufmachen. Am Schalter werden die Pässe ausgestempelt. Der Beamte fragt nach einem Laufzettel, den wir nicht haben. Wir dürfen trotzdem weiter. Beim Rausfahren sollen wir den Laufzettel vorzeigen. Da wir keinen haben kontrolliert der Beamte im Pass, ob wir ausgestempelt sind. Alles ist ok und wir dürfen weiter fahren.

Vor der russischen Grenzstation ist die Warteschlange deutlich länger. Wir nutzen die Wartezeit zum Ausfüllen der kleinen weißen Einreisezettel. Irgendwann fahren wir in die Abfertigung. Ein Beamter kommt sich das Auto anschauen, will aber nicht einsteigen. Wir gehen zur Passkontrolle, wo wir Pass und Fahrzeugpapiere vorzeigen müssen. Ich zeige auch noch das Zolldokument, aber das wird nicht bearbeitet. Nachdem wir noch freundlich in die Kamera gelächelt haben bekommen wir unsere Einreisestempel und den abgestempelten weißen Zettel. Danach dürfen wir weiterfahren und sind in Russland. Die ganze Prozedur hat ungefähr eine Stunde gedauert und ist recht harmlos abgelaufen.

Das war unsere Route durch Kasachstan Teil 2:

Kategorien: Reiseberichte | Hinterlasse einen Kommentar

Kasachstan

Öskemen – See Sasyqköl – See Alaköl – Taldykorgan – Stausee Kapschagaj – Scharyn Canyon – Almaty – Taraz – Aischa Bibi – Sajram – Schymkent – Turkistan – Aristanbab – Schymkent

Juli 2015

Die letzten Tage vor unsere Einreise nach Kasachstan verbringen wir in Russland in Staroaleyskoye, dem letzten Ort vor einem kleinen Grenzübergang. Abseits der Hauptstrasse finden wir ein ruhiges Eckchen neben einem Friedhof, wo wir bleiben. Ein Rundgang durchs Dorf führt uns zu einem Versicherungsbüro, in dem wir für 1.500 Rubel eine dreimonatige Autoversicherung für Kasachstan erstehen. Leider regnet es fast den ganzen Tag, so das wir die meiste Zeit im Auto verbringen. Am Abend bekommen wir Besuch von einer Polizeistreife. Die beiden Beamten wundert sich, dass wir am Friedhof stehen. Sie kontrollieren die Papiere und fragen noch nach woher und wohin. Sie haben kein Problem damit das wir hier stehen.

unser Stellplatz in Staroaleyskoye (N50 59 48.8 E81 59 50.5)

Am nächsten Morgen klopft es nochmals an unsere Tür. Dieses Mal steht eine ältere Dame mit Enkelin davor. Wir bekommen eine große Schüssel Erdbeeren und ein Souvenir geschenkt. Schon wieder beeindruckt uns die Freundlichkeit der Leute. Natürlich revanchieren wir uns mit Kleinigkeiten aus unserer Geschenkekiste. Leider ist die Verständigung sehr schwerig. Sie erzählt mir ganz viel auf russisch, aber ich verstehe nur Bruchstücke. Ich glaube, sie kommt aus Kasachstan und hat dort noch Familie. Am Abend kommt eine junge Frau vorbei, die einige Jahre in Deutschland gelebt hat und sich freut, ihre Sprachkenntnisse auffrischen zu können. Auch die Polizei erscheint wieder und überprüft nochmals unsere Papiere. Die Beamten wundern sich immer noch, wieso wir am Friedhof stehen. Leider reicht mein russisch nicht, um ihnen erklären zu können, dass wir so ruhige Nachbarn zu schätzen wissen. Außerdem freuen wir uns, dass es hier einen Wasserhahn und ein Plumpsklo gibt – die perfekte Infrastruktur. Alles in allem muss man sagen, das die Menschen im Russischen Altai sehr gastfreundlich und aufgeschlossen sind.

Dann endlich ist es soweit: unser Visum für Kasachstan beginnt. Schon um acht Uhr am Morgen stehen wir vor dem Grenztor. Wenige Minuten später öffnet sich das Tor und wir dürfen reinfahren. Am Schalter für die Passkontrolle müssen wir nur freundlich in die Kamera gucken. Das Zolldokument für das Fahrzeug wird nicht bearbeitet. Ich frage daher noch einen Beamten und er meint, das wäre so ok. Das Dokument gilt auch in Kasachstan. Nach einem kurzen Blick in unser Auto sind wir aus Russland ausgereist – in unglaublich schnellen zwanzig Minuten. Die Zöllner haben sich sogar mit einem „spassiba bolschoi“ dafür bedankt, das sie ins Fahrzeug schauen durften.

An der Einfahrt zur kasachischen Abfertigung sehen wir ein Piktogramm das erläutert, welche Stationen zu durchlaufen sind. Am ersten Schalter werden die Pässe kontrolliert und wir bekommen Einreisekarten und einen Laufzettel. Am nächsten Schalter müssen wir die ausgefüllten Einreisekarten und die Pässe abgeben. Wir bekommen zwei Stempel auf die Einreisekarte und einen Haken auf den Laufzettel. Dann geht es zurück zum Auto, wo ein Beamter sich den Koffer von innen kurz anschaut. Dann werden wir weitergewunken, d.h. wir sind in Kasachstan eingereist – nach nur dreißig Minuten.

Die Beamten auf beiden Seiten waren freundlich und hilfsbereit. So eine problemlose und schnelle Grenzprozedur war wirklich eine Erholung im Vergleich zu dem, was sonst üblich ist.

Hinter der Grenze erwarten uns dann die kasachischen Strassen. Die Strasse ist zwar asphaltiert, aber sehr bucklig. Wir können nicht schnell fahren, um nicht über die hohen Buckel zu fliegen oder in die tiefen Querrillen zu krachen. Schon im ersten Dorf werden wir von einer Polizeistreife angehalten. Wir müssen die Fahrzeugdokumente und das Versicherungsdokument zeigen. Wie gut, dass wir es uns rechtzeitig besorgt haben.

auf dem Weg nach Öskemen

Wir erreichen Öskemen, eine recht junge Industriestadt, wo wir uns als erstes am Geldautomaten mit kasachischen Tenge versorgen. Danach gehen wir zum lokalen Registrierungsbüro (Strasse “Kabanbay Batir 152″, N49 57 12.22 E82 37 42.62). Laut Vorschriften muß man sich nach der Einreise in Kasachsten innerhalb von vier Tagen bei einem Registrierungsbüro registrieren lassen. Leider haben wir das Pech, dass wir zu deren Mittagspause dort ankommen. Wir nutzen die Wartezeit und erstehen bei Beeline eine 1,5 GB SIM-Karte fürs Internet für 1100 Tenge, umgerechnet etwas über 5 € und gehen unseren ersten Kebab essen.

Zurück am Registrierungsbüro beobachten wir, wie sich immer mehr Leute vor der Türe einfinden. Als diese sich öffnet stürmen wir sofort an einen Schalter und fragen nach der Registrierung. Eine Dame in Uniform (offensichtlich die Chefin) weist eine jüngere Dame an, das Formular für uns auszufüllen. Das war klasse, denn so gibt es keine Unklarheiten. Dann reicht sie es weiter an eine Kollegin am Nachbarschalter, wo es bearbeitet wird und wir einen Stempel auf unsere Einreisekarte bekommen. Dann geht alles zurück zu einem dritten Schalter, wo wir noch ein weiteres abgestempeltes Papier bekommen, das mit in den Pass eingelegt wird. Danach sind wir registriert und dürfen dreißig Tage im Land bleiben. Die ganze Prozedur hat problemlos funktioniert und wir haben keine 20 Minuten gebraucht – eine erfreuliche Überraschung. Die Offizierin war aber auch wirklich auf Zack und hatte den Laden gut unter Kontrolle. Es waren ständig so an die zwanzig meist junge Leute aus ehemaligen Sowjetrepubliken da, die sich wohl auch registrieren müssen.

Wir finden einen Stellplatz auf dem Parkplatz vor der großen Moschee. Die Moschee ist ein moderner Bau, aber ganz schön gemacht. Leider endet unser Tag nicht so gut, wie er begonnen hat, denn wir entdecken am Auto, dass auf der Beifahrerseite der Kotflügel runterhängt. Das Rohr der Halterung ist in der Schweißnaht gebrochen – ein Opfer der andauernden schlechten Strassenverhältnisse. Zum Glück finden wir ganz in der Nähe eine Werkstatt, die Schweißen kann.

unser Stellplatz in Öskemen (N49 55 52.0 E82 37 08.7)

Wie am Vortag verabredet stehen wir am folgenden Morgen um zehn Uhr in der Werkstatt. Um an die schadhafte Stelle zu kommen muß das Fahrerhaus gekippt werden. Das ist leichter gesagt als getan, denn beim Hochpumpen des Fahrerhauses bricht die Halterung des Kotflügels endgültig ab, weil die Pumpe an der Haltestange befestigt ist. Sie hat dem Druck nachgegeben. Alik, unser Monteur, holt das Schweißgerät und schweißt das Rohr in kurzer Zeit wieder an. Als Bernhard bezahlen will, lehnt er dies ab. Stattdessen werden wir noch zu einem Tee eingeladen. So sitzen wir noch zusammen in der Werkstatt und erfahren, dass Alik aus Grosni in Tschetschenien stammt. Seinen letzten Urlaub hat er mit Familie in Tschetschenien und auf der Krim verbracht. Grosni soll mittlerweile wieder aufgebaut sein und eine sehr schöne Stadt sein. Die Unruhen sollen nun schon zehn Jahre her sein. Wir sollen unbedingt auch nach Tschetschenien und auf die Krim fahren, da jetzt alles ruhig und friedlich ist, meinte Arik zum Abschied.

Teepause in der Werkstatt

Den restlichen Tag verbringen wir im Ethnopark von Öskemen. In einem großen, schön gepflegten und mit wunderbaren Blumenbeeten gestalteten Park gibt es viel zu entdecken. Da sind ein Märchenschloss, ein Museumsdorf mit liebevoll eingerichteten Häusern aus verschiedenen ehemaligen Sowjet-Republiken, eine Ausstellung von Kriegsmaterial mit angeschlossenem Museum und einen kleinen Zoo. Das kleine Museum zeigt Bilder und Andenken an sowjetische Kriegshelden. Die alten Fotos aus dem Krieg sind ganz interessant. Eines ist offensichtlich in Deutschland aufgenommen, denn es ist nicht mehr weit bis Stettin und Berlin.

Auf dem Weg zum Museumsdorf hören wir plötzlich Musik. Wir folgen ihr und landen vor einer Bühne, wo eine Gruppe in alpenländischer Tracht einen “Walzer der Liebe” aufs Parkett legt. Es ist so komisch in Kasachstan deutsche Volksmusik zu hören, dass wir uns spontan hinsetzen. Wir werden mit einem längeren Programm verschiedener Gesangs- und Tanzdarbietungen überrascht, davon noch zwei weitere deutsche Stücke. Alle anderen sind eher landestypisch: russische, kasachische und andere Lieder und Tänze, alle in schönen Kostümen oder Trachten. Es ist ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Es gefällt uns sehr gut und wir bleiben bis zum Ende sitzen und applaudieren kräftig . Es ist nur schade, dass wir die Zwischentexte nicht verstehen, denn sie scheinen in Gedichtform vorgetragen zu werden.

In dem kleinen Zoo gibt es viele Vögel, mehrere Bären, ein Kamel, Rehe, Wölfe, Luchs, Puma, Kühe, Esel und Pferd. Der Zoo ist ganz ok. Natürlich könnte man die Tiere noch viel schöner und großzügiger halten, aber wir haben schon schlimmeres gesehen. Man gibt sich offensichtlich Mühe. Mich stört nur, dass die Besucher besonders die Bären mit Plätzchen und Bonbons füttern – ich kann mir nicht vorstellen, dass das gesund ist für die Tiere.

Der Ethnopark ist so groß und vielseitig, so das wir hier einen ganzen Tag verbracht haben. Nur auf dem wunderbar ruhig im Grünen liegenden Parkplatz dürfen wir leider nicht übernachten, da das Gelände um 22 Uhr geschlossen wird. So verbringen wir eine weitere Nacht auf dem Parkplatz an der Moschee.

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

Ethnopark von Öskemen – im Märchenschloss

im Ethnopark von Öskemen

ein „Walzer der Liebe“ im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

im Ethnopark von Öskemen

Museumsdorf im Ethnopark von Öskemen

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Tartarisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Tartarisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Weißrussisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Ukrainisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Ukrainisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Georgisches Haus

Öskemen – Ethnopark – Museumsdorf – Georgisches Haus

im Ethnopark von Öskemen

Öskemen – Ethnopark – Zoo

Öskemen – Ethnopark – Zoo

Öskemen – Ethnopark – Zoo

Öskemen – Moschee bei Nacht

Dann fahren wir weiter. Unterwegs werden wir wieder an einer Polizeikontrolle angehalten. Wieder wird auch nach dem Versicherungsdokument gefragt. Der Polizist interessiert sich nicht wirklich für die Papiere. Ihm ist es wichtig, uns in sein dickes Buch einzutragen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass es darum geht, möglichst viele Namen in dem Buch zu sammeln. Für uns ist es lästig, aber nicht schlimm.

Wir fahren durch eine Steppenlandschaft. Mir gefällt es hier und ich empfinde die Steppe nicht als eintönig. Es blühen viele Blumen und am Horizont gibt es immer mal wieder einige Bergspitzen zu sehen. Sogar einen Schwarzstorch sehen wir vorbeifliegen.

zwischen Öskemen und Kalbatau

zwischen Öskemen und Kalbatau

zwischen Kalbatau und Arshali

Die Strassenverhältnisse sind wieder sehr schlecht: asphaltiert mit vielen tiefen Löchern und mächtigen Bodenwellen. Mehr als 40 bis 50 km/h sind nicht drin. Wir freuen uns, dass die Kotflügelreparatur bis jetzt gehalten hat. Irgendwann ist es so spät, dass wir an einer Raststätte anhalten.

Rastplatz bei Arshali (N48 41 07.8 E80 48 24.7)

Wir fahren weiter und kommen in die Alaköl-Senke, einer flachen und kargen Landschaft, in der sich drei Seen befinden. Über einen 18 Kilometer langen Schotterdamm erreichen wir das Ufer des Sees Sasyqköl (Stinkender See). Nahe den Ruinen eines verlassenen Dorfes finden wir ein einsames und ruhiges Plätzchen oberhalb des Steilufers. Das Ufer ist schilfbewachsen. Das Wasser des Sees ist sehr trübe und lädt uns – leider – nicht zu einem Bad ein. Wir entdecken einen Vogel mit wunderschönen blauen Federn. Da es hier keinerlei Lichter der Zivilisation gibt könnte man hier den wunderbaren Sternenhimmel beobachten, wenn denn die vielen Mücken nicht wären. Die Artenvielfalt der Insekten, die sich am Abend um unsere Fenster scharrten, war beeindruckend.

zwischen Arshali und Ayagöz

am See Sasyqköl

See Sasyqköl

See Sasyqköl

See Sasyqköl

unser Platz am See Sasyqköl (N46 29 12.8 E80 51 21.3)

Sonnenuntergang am See Sasyqköl

Da es mittlerweile tagsüber sehr warm ist sehnen wir uns nach einer Badegelegenheit und fahren weiter zum nächsten See, dem Alaköl (Bunter See). Wir folgen der Strasse am Südufer des Sees, die uns in den Ort Akschi führt. Es ist ein kleiner, aufstrebender Badeort am See. Hier gibt es viele kleine Ferienunterkünfte, die gut besucht zu sein scheinen. Wir landen zuerst an einem belebten Strandabschnitt, der mit Müll übersät ist. Wir können uns nicht vorstellen, dass man sich hier wohlfühlen und seinen Urlaub verbringen kann.

zwischen Üsharal und Akschi

See Alaköl – am östlichen Strand von Akschi

So fahren wir weiter und erkunden den Strand am westlichen Ortsrand. Hier ist es viel ruhiger und auch wesentlich sauberer. Über eine Treppe geht es vom Steilufer hinunter an den schmalen Kiesstrand. Hier gefällt es uns und wir bleiben. Das Wasser ist klar, aber sehr mineralhaltig. Wir erfahren, dass früher die Kosmonauten nach ihrer Rückkehr aus dem All eine Kur in diesem See machen mußten, um ihre Haut zu regenerieren. Wir müssen uns von der Hitze regenerieren und genießen das Bad im See. Hier stehen wir übrigens nur 100 km von der chinesischen Grenze und der Dunganischen Pforte entfernt. Die Dunganische Pforte ist eine Engstelle, durch die im Laufe der Geschichte immer wieder verschiedene Heere der Mongolen, Chinesen etc. auf ihren Eroberungszügen durchgezogen sind.

See Alaköl – unser Platz am westlichen Strand von Akschi (N45 58 16.9 E81 32 10)

See Alaköl – am westlichen Strand von Akschi

Irgendwann müssen wir weiter. Wir verlassen den See schon recht früh am Morgen. Unser Ziel ist der Fluß Lepsi, wo man nach Aussagen eines Reiseberichts schön stehen und auch Wäsche waschen kann. Doch am Fluß angekommen ist die Enttäuschung groß. Der versprochene Wasserfall ist eine Staustufe und der Fluß ist ganz milchig – also nichts mit Waschen und Baden. So fahren wir weiter. Es ist wieder ein heißer Tag. Das Außenthermometer im Fahrerhaus stellt seinen Dienst jenseits der vierzig Grad ein. Selbst den Polizisten ist es zu heiß. Sie stehen im Schatten unter einem Baum. So passieren wir mehrere Kontrollstellen ohne angehalten zu werden. Die Hitze hat also auch ihre Vorteile. Meist führt der Weg durch die Steppe, doch es gibt auch einige bewässerte Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden. So kommen wir durch eine Gegend, wo überall Verkaufsstände mit Äpfeln an der Strasse stehen. In einem der Dörfer können wir am Dorfbrunnen unseren Wassertank auffüllen.

zwischen Üsharal und Taldykorgan

zwischen Üsharal und Taldykorgan

zwischen Üsharal und Taldykorgan – im Hintergrund Zhongar Alatau Berge

Am späten Nachmittag erreichen wir Taldykorgan, wo wir uns auf den Parkplatz des kleinen Flughafens stellen. Wir sind die einzigen Besucher. Die Sicherheitsleute heißen uns sofort willkommen und bieten uns ihren Wasserschlauch an, aus dem das kühle Nass sprudelt. Dann werden wir noch ins Flughafengebäude geführt und können auf der oberen Etage etwas zu trinken bestellen. Wir sind sprachlos über das herzliche Willkommen. Leider hat der Flughafen einen entscheidenden Nachteil, denn er wird auch militärisch genutzt. So ist am anderen Morgen gegen 5:30 ist die Nacht zu Ende, denn die tapferen Vaterlandsverteidiger lassen die Motoren ihrer Düsenjäger Suchoj-27 warm laufen um anschließend einer nach dem anderen mit sehr viel Lärm zu einem Rundflug zu starten.

Flughafen von Taldykorgan (N45 06 32.2 E78 26 35)

So sind wir wieder früh unterwegs. Schon bald wird aus der alten Landstrasse eine endlos lange Baustelle für eine 4-spurige Autobahn, die uns gar nicht erheitert. Unser Ziel ist ein schöner Badetag am Stausee Kapschagaj. Wir verbringen fast den gesamten Tag damit, einen vernünftigen Zugang zum See zu suchen. Einige Stichstrassen zum See sind zur Zeit wegen der Baustelle nicht erreichbar. Eine andere endete vor einem Zaun. Erreichbare Teile des Strandes sind als Privatgelände eingezäunt. Wir fragen bei zwei Resorts, die Picknickplätze vermieten, aber sie lassen uns nicht auf ihr Gelände, da ihnen das Auto zu groß ist. Nach vielen vergeblichen Versuchen geben wir irgendwann entnervt auf und stellen uns abseits vom See auf einen Hügel. Von hier aus können wir das begehrte Nass aus der Ferne sehen.

unser Aussichtsplatz am Stausee Kapschagaj (N43 54 43.1E77 07 45.4)

Da uns nach dem vermurksten Tag noch nicht der Sinn nach einer Stadtbesichtigung steht umfahren wir Almaty und fahren Richtung Osten. Unser Ziel ist der Scharyn-Canyon. Als wir nach einem Tankstop wieder losfahren wollen haben wir das Erlebnis der besonderen Art: beim Drehen des Zündschlüssels bricht die Spannung total zusammen und der Motor springt nicht an. Erst beim dritten Versuch startet er wieder, doch der Schreck sitzt tief. Zum Glück bleibt es heute bei diesem einmaligen Aussetzer.

zwischen Almaty und Shilik – Berge des Ile Alatau

Durch eine Schlucht führt die Strasse auf die Hochebene Sogety. Hier hat der Fluß Scharyn einen tiefen Canyon in den weichen Sandstein gegraben. Eine Schotterpiste führt uns zum Kassenhäuschen des Nationalparks, wo wir einen kleinen Eintritt zahlen müssen. Der Ranger fragt uns, ob wir mit dem Auto ins Tal fahren wollen, was wir ablehnen. Wir parken unser Auto oben auf der Hochebene und wandern zuerst am Rand des Canyons entlang. Der Blick von oben ist beeindruckend, denn er sieht aus wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon in den USA.

zwischen Bayseit und Kökpek

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Scharyn – Canyon

Wegen der Hitze machen wir erst eine kleine Pause, bevor wir am Nachmittag den Weg hinunter in den Canyon laufen. Auch dieser ist sehr schön. Unterwegs passieren wir eine Engstelle, durch die wir mit unserem großen Auto nie und nimmer durchgekommen wären. Hier passt höchstens ein kleiner Geländewagen durch. Ich frage mich, ob der Ranger hier noch nie gewesen ist, denn es müsste ihm klar gewesen sein, dass der Weg mit unserem Auto nicht zu schaffen ist. Am Grund des Canyons angekommen stehen wir vor dem Fluß Scharyn. Hier hat die Nationalparkverwaltung ein nettes Eco-Camp mit Picknickplätzen, Übernachtungsmöglichkeiten und einem kleinen Cafe eingerichtet, wo wir uns ein kühles Getränk schmecken lassen. Wir freuen uns, als wir den Taxi-Service des Eco Camps entdecken. So müssen wir den langen Weg bergauf zurück zum Parkplatz nicht laufen, sondern können uns ganz entspannt fahren lassen – ein angenehmes Ende eines schönen Tages.

im Scharyn – Canyon

im Scharyn – Canyon

im Scharyn – Canyon

im Scharyn-Canyon – Fluß Scharyn

Eco Camp am Fluß Scharyn

unser Platz am Scharyn-Canyon (N43 21 29.2 E79 03 10.2)

Wir verlassen den Scharyn-Canyon und fahren zurück Richtung Almaty. Unterwegs machen wir noch einen Abstecher zum Stausee Bartogaj. Der Weg dorthin ist schön und der Stausee liegt malerisch vor einer Gebirgskette. Doch das Wasser des Sees ist trübe und an seinem Ufer gibt es keine brauchbaren Stellplätze. So belassen wir es bei einem Blick auf den See und fahren weiter.

Stausee Bartogaj

Stausee Bartogaj

auf dem Weg vom Stausee Bartogaj nach Almaty

Wir erreichen Almaty. Bis 1997 war Almaty Hauptstadt von Kasachstan, doch bis heute ist es das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Wir finden einen Stellplatz auf der Rückseite des Flughafens. Leider ist es hier nicht sehr idyllisch. Am nächsten Morgen fahren wir schon sehr früh ins Stadtzentrum, um noch einen Parkplatz zu ergattern. Wir finden einen bewachten Parkstreifen, wo wir uns genau vor die Wachbude einer Bank stellen. Doppelt bewacht lassen wir unser Auto zurück und starten unseren Rundgang durch die Stadt. Leider hat der Grüne Basar heute geschlossen, so dass uns das Markterlebnis verwehrt bleibt. Am Ende unseres Rundgangs stehen wir vor der Seilbahn, die hinauf zum Aussichtshügel führen soll. Doch die Seilbahn ist wegen Renovierung geschlossen. So laufen wir zurück zum Auto.

Almaty – unser Stellplatz hinter dem Flughafen (N43 21 17.7 E77 01 58.8)

Almaty – Park der 28 Panfilov Gardesoldaten

Almaty – Himmelfahrtskathedrale

Almaty – ehemaliges Parlamentsgebäude am Platz Astana

Almaty – Platz Astana – Denkmal für zwei Scharfschützinnen

dieser Eifelturm steht in Almaty

Almaty – Platz der Republik – Stadtverwaltung

Almaty – Platz der Republik

Almaty – Nationalmuseum

Wir verlassen die Innenstadt und fahren in die Berge des Ile Alatau ins Tal der Kleinen Almatinka. Hier befindet sich das berühmte Eisstadion Medeo, in dem schon viele Eisschnelllauf-Weltrekorde aufgestellt wurden. Wir interessieren uns weniger für das Stadion, sondern vielmehr für die großen Parkplätze. Leider müssen wir feststellen, dass es uns hier nicht gefällt. Die ebenen Parkplätze sind gesperrt und nur ein sehr schräger Parkplatz, der zudem zugemüllt ist, ist offen. Ausserdem ist seit Tagen die Fernsicht sehr schlecht, denn Almaty und das TienShan Gebirge liegen im permanenten Dunst.

So fahren wir wieder bergab nach Almaty. Unterwegs halten wir an einem Restaurant, wo es uns am Vortag gut gefallen hat. Wir gehen lecker essen. Zurück am Auto holt uns unser Problem wieder ein, denn der Motor startet wieder nicht. Nach dem dritten Fehlversuch schraubt Bernhard die Verkleidung der Lenksäule ab, da ich von dort eine kleine Rauchfahne gesehen habe. Doch hier ist kein Schaden zu erkennen. So versuchen wir ein weiteres Mal den Motor zu starten und nun springt er an. Trotzdem ist das ganze sehr unbefriedigend, solange wir die Ursache nicht kennen. Da es schon später Nachmittag ist fahren wir erst einmal zurück auf den ungeliebten Stellplatz hinter dem Flughafen.

Da wir nicht mit der Ungewissheit weiter fahren wollen, fahren wir am nächsten Morgen zur MAN-Werkstatt in Almaty (N43 22 09.5 E76 56 58.4). Wir treffen auf einen Monteur, der ein kleines bischen deutsch spricht, sowie einen technischen Leiter, der sehr gut englisch spricht. Bernhard kann unser Problem schildern. Nach längerer Diskussion einigt man sich darauf, den Startermotor auszubauen. Er wird zerlegt und gereinigt, aber irgendwie ist Raffael (der Vorarbeiter) der Meinung, das er nicht mehr gut wäre, er wäre zu heiss. Er schlägt vor sicherheitshalber einen neuen einzubauen und den alten als Notersatzteil zu behalten. Der neue Starter kommt am Nachmittag und wird sofort eingebaut. Da wir nun schon mal in der Werkstatt stehen entschliessen wir uns noch das Motoröl wechseln zu lassen, denn der letzte Ölwechsel war von ca. 25.000 km in Ankara. Anschließend wird noch der Keilriemen zur Lichtmaschine nachgespannt. Nun ist unser Auto wieder flott und wir hoffen, dass das Problem nun gelöst ist. Die Qualität der Arbeit und der bezahlte Preis stellten uns sehr zufrieden. Da es schon spät am Nachmittag ist dürfen wir auf dem Hof der Werkstatt übernachten.

Almaty – im Hof der MAN Werkstatt (N43 22 09.5 E76 56 58.4)

Nebenan gibt es ein Schwimmbad und wir freuen uns nach dem langen Tag auf eine nette Erholung, denn das Schwimmbad sieht von oben ganz ansprechend aus. Doch wir erleben unser blaues Wunder, als wir an der Kasse pro Person umgerechnet 20 Euro Eintritt zahlen sollen. Wir fragen uns, ob wir in einem Millionärsclub gelandet sind. So ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab, denn das sind uns ein paar Runden im Wasser nicht wert.

Nach den heißen Tagen in der Stadt freuen wir uns auf kühlere Tage in den Ile Alatau-Bergen. Wir fahren ins Tal der Großen Almatinka. Doch hier werden wir schon wieder enttäuscht. Der untere Teil des Tales komplett zugebaut. Dann passieren wir das Kassenhäuschen des Nationalparks und fahren weiter das Tal hinauf. Hier gäbe es einige schöne Plätze, doch überall liegt Müll. Wir finden einen großen ebenen Parkplatz, in dessen Nähe sich eine Quelle mit klarem Wasser befindet. Unser Wäschesack ist voll und wir müssen unbedingt mal wieder unsere Klamotten waschen. So holt Bernhard fleißig Wasser von der Quelle und ich mache mich an die Arbeit. Doch kaum bin ich fertig mit Waschen beginnt es zu regnen. Schon wieder muß ich die ganze Wäsche im Auto trocknen – Mist! Das schlechte Wetter hält andere Leute nicht davon ab, ebenfalls hierhin zu kommen. Am Nachmittag hören wir eine Gruppe Leute auf der Picknickwiese in der Nähe der Quelle. Am Abend beobachte ich einen PKW, der eine Weile auf dem Parkplatz steht. Am anderen Morgen sehen wir dann die Bescherung: dort wo der PKW gestanden hat liegen leere Flaschen und eine Tüte voller Müll auf dem Boden. Bernhard geht zur Quelle und entdeckt, dass sie voller Speisereste und Abfälle liegt. Sogar das Rohr, aus dem gestern noch das frische Wasser sprudelte ist mit Papier zugestopft. Das ist für uns unbegreiflich, besonders anbetracht der Tatsache, dass überall Abfallbehälter stehen. So ergreifen wir ganz schnell die Flucht und verlassen das Tal wieder.

Ile Alatau Nationalpark – Großes Almatinker Tal (N43 06 03.9 E76 56 03.1)

Unser Weg führt uns nach Westen. Die Strasse ist gut und wir kommen schnell vorwärts. Nur das Wetter spielt immer noch nicht mit. Es tröpfelt ein wenig und von den Bergen links von uns ist nichts zu sehen. Da wir es nicht eilig haben, fahren wir nicht weit und stoppen an einer Raststätte, wo wir auch die Nacht verbringen.

Rastplatz an der A2 (N43 19 43.4 E75 39 18.5)

Am nächsten Morgen sind wir wieder früh unterwegs um der Mittagshitze zu entgehen. Die Strasse A2 ist gut ausgebaut. Die Landschaft ist recht einheitlich. Der Himmel ist sehr trübe, obwohl die Sonne durchkommt. Doch es gibt keine Fernsicht und die 2000 m hohen Berge, die eigentlich die ganze Zeit neben uns sein sollen, sind im Dunst fast nicht zu erkennen. Es ist wieder sehr warm. Zusammen mit der leicht zu befahrenen Strasse und der eintönigen Landschaft passiert es, dass wir ein 30er-Geschwindigkeitsschild nicht beachten. Prompt werden wir von der Polizei angehalten und müssen 50 Euro Strafe zahlen. Bernhard konnte ihn von 100 Dollar runterhandeln. Aber nun haben wir das Prinzip begriffen: die Polizei hat eine kleine Kameraboxen mit einer Geschwindigkeitsmessvorrichtung, die über eine Funkverbindung mit dem Streifenwagen verbunden ist, der meistens einige hundert Meter weiter steht. Den Streifenwagen kann man also nicht sehen und die Kameraboxen sind unscheinbar wie ein kleiner Koffer am Strassenrand deponiert. Anders als in Russland wird man hier auch nicht vom Gegenverkehr gewarnt. Bei einem Vergehen muss man in den Streifenwagen einsteigen und sich das Video anschauen. Die kasachischen Geschwindigkeitskontrolleure sind technisch ganz weit vorne.

auf dem Weg nach Taraz

Strasse nach Taraz – Seidenstrasse früher …

… und Seidenstrasse heute

Kurz vor Taraz entdecken wir einen modernen LKW-Rastplatz. Er ist mit 500 Tenge für die hiesigen Verhältnisse recht teuer und entsprechend leer. Doch hier gibt es den Luxus von sauberen und geräumigen Sanitäranlagen. Sogar duschen können wir hier. Wir leisten uns diesen Luxus und freuen uns über Wasser im Überfluß.

LKW-Rastplatz vor Taraz (N43 00 04.7 E71 37 48.2)

Am nächsten Tag erreichen wir die Stadt Taraz. Es ist eine alte Karawanenstadt, deren Ursprünge bis ins 6. Jhdt zurück reichen. Im 10. bis 12. Jhdt. war die Stadt eines der Zentren der Großen Seidenstrasse. Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig, ausser einem von sowjetischen Bauten dominierten zentralen Platz. Wir besichtigen zwei Mausoleen. Die Überreste einer Karawanserei, die im Reiseführer erwähnt ist, haben wir leider nicht gefunden.

Blick vom Mausoleum Tekturmas auf Taraz

Taraz – Mausoleum Tekturmas

Taraz – Platz der Freundschaft

Taraz – Denkmal auf dem Platz der Freundschaft

Taraz – Karakhan (Aulie Ata) Mausoleum

Nach einem kurzen Bummel durch das moderne Taraz verlassen wir den Ort und fahren weiter zum Mausoleum von Aischa Bibi. Es liegt in einer schönen Gartenanlage. Obwohl das Mausoleum nicht sehr groß ist, gefällt es uns. Der Parkplatz lädt zum Übernachten ein und so bleiben wir. Am späten Nachmittag bekommen wir Besuch und Holger steht vor unserem Auto. Er kommt aus Deutschland und ist seit einem Jahr mit seinem Fahrrad unterwegs. Wir unterhalten uns eine Weile. Da es darüber spät geworden ist baut er sein Zelt neben unserem Auto auf und wir verbringen einen netten Abend zusammen.

Mausoleum Aischa Bibi

unser Platz am Mausoleum Aischa Bibi (N42 50 03.2 E71 12 40.8)

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege wieder. Holger will langsam nach Taschkent um seine Freundin am Flughafen zu treffen und wir fahren nach Sajram. Das ehemals bedeutende Zentrum ist heute ein kleiner vergessener Ort, wo sich noch einige Zeugnisse der Vergangenheit erhalten haben. Hier besichtigen wir drei alte Mausoleen. Sie sind ziemlich klein und unscheinbar. Versteckt hinter dem Hof einer Schule finden wir dann auch noch das im Reiseführer abgebildete Minarett. Es ist auf dem Foto schon nicht sehr groß, doch die Wirklichkeit ist noch bescheidener – ein wirkliches Zwerg-Minarett. Es könnte auch als Kopie des Kalon Minaretts von Buchara im Minidom stehen.

zwischen Aischa Bibi und Sajram

zwischen Aischa Bibi und Sajram

zwischen Aischa Bibi und Sajram

Sajram – Asis Baba Mausoleum

Sajram – Mirali Bab Mausoleum

Sajram – Minarett Hisr Pajgambar

Wir fahren weiter nach Schymkent, einer modernen Stadt ohne besondere Sehenswürdigkeiten. Am Stadtrand sehen wir die moderne neue Moschee, die wir uns anschauen. Wir erfahren, dass sie von einem arabischen Scheich bezahlt wurde. Der Bau ist sehr groß, aber ansonsten schmucklos. Hier soll wohl die schiere Größe überzeugen. Da uns die Stadt nicht zum Anhalten motiviert fahren wir weiter und finden einen akzeptablen Parkplatz am Flughafen. Tagsüber ist es hier ruhig, doch am späten Abend und frühen Morgen kommen und gehen einige Flugzeuge. Vor dem Flughafengebäude gibt es einige schöne Rasenflächen, die von den Kühen der Nachbarschaft mit Freude gepflegt werden. So ein saftiger Gras finden sie sonst nirgendwo.

Schymkent – neue Moschee

Schymkent – unser Stellplatz am Flughafen (N42 2201.33 E69 29 41.08)

Am nächsten Morgen fahren wir schon vor sechs Uhr los, um dem morgentlichen Trubel des Flughafens und der Mittagshitze zu entgehen. Unser Ziel ist Turkistan, eine alte Stadt, deren Wurzeln ins 7. Jhdt zurückreichen. Hier befindet sich die Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi, einem islamischen Propheten, der im 11. Jhdt lebte. Sie ist eine bedeutende islamische Wallfahrtsstätte und auch ein wichtiges architektonisches Denkmal. Die Grabmoschee wurde von Tamerlan gestiftet, einem Herrscher, dessen Spuren wir auch noch in Usbekistan begegnen werden.

zwischen Schymkent und Turkistan

Die Strasse von Schymkent nach Turkistan ist wie eine deutsche Autobahn, 4-spurig mit Mittelleitplanken. Die Strassenqualität ist gut. Es gibt keine Querrillen und keine Löcher. So erreichen wir unser Ziel schon recht früh. Wir finden nahe bei den historischen Stätten einen ruhig gelegenen Parkplatz vor einer modernen Moschee. Hier gefällt es uns gut. Die moderne Moschee (dieses Mal mit Hilfe aus der Türkei erbaut) ist eine wahre Pracht. Der eher schlichte und doch unglaublich elegante Bau besticht durch seine großen Glasflächen und den Farbkontrast zwischen weißen Wänden und türkiser Kuppel. Auch der Innenraum ist sehr schön durch die großen Glasfronten und den dezenten Schmuck. Es macht Freude dieses schöne Gebäude anzuschauen.

Turkistan – neue Moschee

Turkistan – neue Moschee

Turkistan – neue Moschee

Wir besichtigen die große Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi und einige kleinere Gebäude ringsherum. Obwohl es UNESCO-Weltkulturerbe ist wir hier kein Eintritt verlangt. Trotzdem ist die Anlage sehr gepflegt und besonders der Rosengarten ist sehr schön.

Turkistan – Stadtzitadelle – Tor Musalla

Turkistan – Stadtzitadelle

Turkistan – Grabmoschee des für Hodzha Achmed Jassawi (links) und Mausoleum für Rabiga Sultan Begim (rechts)

Turkistan – Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi

2015-07-27-nr95-KZ--Vögel am Mausoleum

in den Mauern der Grabmoschee leben diese Vögel

Wir fühlen uns hier in Turkistan so wohl, dass wir noch zwei weitere Tage bleiben. Unser Stellplatz an der Moschee ist ein richtiger Glücksfall, denn zu der schönen, ruhigen und doch zentralen Lage kommt noch hinzu, das wir das moderne Sanitärgebäude der Moschee (inklusive Dusche für die Herren) nutzen können sowie unsere Wasservorräte am Moschee-Brunnen auffüllen können. Es sind besten Sanitäranlagen, die wir bis jetzt in Kasachstan gesehen haben: alles aus Marmor und sehr geräumig.

Turkistan – unser Platz vor der neuen Moschee (N43 17 37.6 E68 16 28.7)

Besonderen Spaß habe ich daran, dass ich manchmal aus dem Fenster Kamele sehen. Sie laufen hier über die Strasse wie anderswo die Kühe. Abends kommt schon mal eine Hochzeitsgesellschaft mit Hummer H1 Stretchlimusinen vorbei, flankiert von einigen (Fiat) Lada 1600 Schigulis, die erstaunlicherweise (für ein dreissig Jahre altes Auto) nicht selten mit Zentralverriegelung mit optischen und akustischem Feedback, Xenon-Scheinwerfen, LED Tagfahrlichtern, Ultraschallalarmanlage, Multicolor Ambientebeleuchtung (innen+aussen!) ausgestattet sind. Die sowjetische Autoindustrie wurde wohl im allgemeinen unterschätzt. Gefilmt wurde die ganze Zeremonie dann auch noch aus der Vogelperspektive mittels Kameradrohne. Die Kasachen sind technisch ganz weit vorne.

Turkestan – Kamele

Turkistan – Kamele

Unser nächstes Ziel sind die Ausgrabungen von Otrar. Schon im 2. Jhdt v.Chr. gegründet erreichte die Stadt Otrar ihre Blütezeit im 10. bis 12. Jhdt. Sie war damals mit 200.000 Einwohnern eine der wichtigsten Städte an der Seidenstrasse. Die Bibliothek von Otrar war vergleichbar mit der berühmten Bibliothek von Alexandria in Ägypten. Heute ist Otrar nur ein großer Sandhügel in der Steppe. Von der Erosion wurde die Lehmstadt in einen Lehmhügel verwandelt. Archäologen haben begonnen, die Stadt auszugraben. Wir stehen etwas unschlüssig vor einem unscheinbaren Zaun mit verschlossenem Eingang, als plötzlich ein Auto angefahren kommt. Es ist der Torwächter. Er schließt uns auf und wir müssen uns in ein Besucherbuch eintragen. Er scheint nicht weit zu wohnen und hat uns wohl am Tor stehen sehen. Im Gästebuch war zu sehen, das durchschnittlich ein Besucher am Tag kommt. Dafür braucht man wirklich nicht den ganzen Tag in der Hitze warten.

Der Siedlungshügel von Otrar ist ziemlich groß und läßt die Ausdehnung der alten Stadt erahnen. Einige Teile sind mittlerweile ausgegraben und recht nett rekonstruiert. Aber es bleibt noch viel zu erforschen. Uns gefällt es hier und wir haben den Umweg nicht bereut. Die Ausgrabung hat uns ein bischen an Troja erinnert, aber natürlich ist es nicht so gut erschlossen und dokumentiert.

Otrar – Stadtmauer

Otrar

Otrar – Fundamente einer Moschee

Dann fahren wir weiter ins nächste Dorf, wo wir uns die Grabmoschee für Aristan Bab anschauen. Der islamische Mystiker Aristan Bab war der Lehrer von Ahmed Jassawi, dessen Grabmoschee wir in Turkistan besucht haben. Die Grabmoschee für Aristan Bab ist viel kleiner und einfacher als die seines Schülers.

Aristanbab – Grabmoschee des Aristan Bab

Aristanbab – neue Moschee

Aristanbab – unser Stellplatz (N42 51 15.3 E68 16 06.7)

Nun dauert es nicht mehr lange, bis unser Visum für Usbekistan beginnt. So fahren wir wieder zurück nach Schymkent, wo wir wieder am Flughafen stehen. Nicht weit von hier haben wir einige Marktstände entdeckt, an denen wir unsere Vorräte aufstocken wollen. Doch noch auf dem Flughafenparkplatz sprechen uns zwei Polizisten aus ihrem Streifenwagen heraus an. Sie sind neugierig und wir müssen wieder einmal von unserer großen Reise berichten. Als sie erfahren, dass wir zum Markt wollen, laden sie uns spontan ein in ihrem Streifenwagen mitzufahren. Wir steigen ein und werden von den beiden netten Polizisten prompt bis vor die Türe gefahren – ein außergewöhnliches Taxi.

Insgesamt hat uns Kasachstan sehr gut gefallen: die Menschen sind freundlich aber nicht aufdringlich. Die Kinder sind neugierig, aber zurückhaltend. Das Essen, sei es Mantis, Lacman, Plov oder Schaschlik, hat uns immer gut geschmeckt, obwohl eine deutsche Lebensmittelkontrolle den einen oder anderen Laden aus Hygienegründen wohl direkt schliessen würde. Aber wir sind bis jetzt von grösseren Magen-Darm-Problemen verschont geblieben. In Südkasachstan sind die Strassen überwiegend gut, anders als in Ostkasachstan.

Das war unsere Route durch Kasachstan:

Route Kasachstan

 

 

Kategorien: Reiseberichte | Ein Kommentar

Russland – Teil 4

Olchon – Krasnojarsk – Altai

Juni 2015

Vor uns liegt mal wieder die Überquerung einer Grenze, denn wir wollen von der Mongolei zurück nach Russland. Da die Grenze erst am Morgen öffnet stehen wir schon früh um 08:30 mongolischer Zeit vor dem Grenztor. Wir fahren an der Schlange von LKWs vorbei und reihen uns als zweites Fahrzeug hinter einem Bus ein. Wir sind überrascht als sich schon nach wenigen Minuten das Tor öffnet und wir in die Abfertigung einfahren dürfen. Doch vorher werden wir noch einmal zur Kasse gebeten und müssen 10.000 Turik (etwa 8,30 Euro) bezahlen. Wir bekommen sogar eine Quittung, wundern uns aber doch sehr über diese Gebühr. Hinter dem Tor müssen wir mit den Pässen zu einem Schalter, wo wir eine Zolldeklaration ausfüllen müssen, die aber hinterher niemanden interessiert. Zusätzlich bekommen wir einen Laufzettel. Nun geht es weiter in den Zollhof, wo wir dieselben Stationen durchlaufen müssen wie bei der Einreise: Ausweiskontrolle, Fahrzeugkontrolle inkl. Einbehalten des Zollpapiers für das Fahrzeug, und dann noch einen Stempel beim Kollegen am nächsten Schalter. Zurück am Auto erfolgt eine oberflächliche Kontrolle, wo wir den letzten Stempel auf unseren Laufzettel bekommen. Dann müssen wir nur noch den Laufzettel abgeben und sind aus der Mongolei ausgereist. Alles war wieder sehr freundlich und korrekt.

Nun kommen wir zur russischen Seite. Wir stellen uns in der PKW-Schlange an. Zuerst müssen wir wieder die kleinen weißen Zettelchen ausfüllen. Dann gehen wir mit den Zetteln und den Pässen zum ersten Schalter. Wie schon bei der Einreise drängeln sich von rechts und links die Mongolen an uns vorbei. Bernhard schimpft ein paarmal, aber gegen deren Kampfgewicht kommt er nicht an. Der russische Zöllner sorgt dann für Ordnung und leitet uns zu einem zweiten Schalter, wo wir sofort bedient werden. Derselbe freundliche Beamte gibt mir anschließend zwei neue Formulare für die Zollerklärung fürs Fahrzeug, die ich dann in seinem Büro ausfüllen darf. Nur gut, dass ich die alte Version dabei habe von der ich abschreiben kann, denn das neue Formular ist nur auf russisch. Mit den fertig ausgefüllten Papieren müssen wir so lange warten, bis sich die Fahrzeug-Schlange nach vorne bewegt hat und wir an der Reihe sind. Nun kommen die Beamten zum Kontrollieren des Fahrzeugs. Vor Betreten des Koffers ziehe ich meine Schuhe aus, so dass sich die Beamten nicht reintrauen. Von der Leiter aus schauen sie zu und ich muß alle Türen öffnen, um zu zeigen, was dahinter ist. Viel gesehen können sie nicht haben.

Wir fahren weiter. Es geht dieselbe Strecke zurück, die wir gekommen sind. Nur diesesmal umfahren wir die Orte Kjachta und Ulan-Ude. Mittlerweile ist es sehr warm geworden. Das Thermometer zeigt mehr als 30 Grad. Am Baikalsee angekommen stellen wir fest, dass es einen regelrechten Temperatursturz gegeben hat. Nun sind es nur noch um die zwanzig Grad. Ganz offensichtlich kühlen die Wassermassen des Baikals die Luft hier ab. Uns ist es recht. Unser Übernachtungsziel heute ist der Parkplatz von Nationalpark in Tankoy, den wir schon von der Hinfahrt kennen.

Am nächsten Tag fahren wir die uns bereits bekannte Strasse nach Irkutsk. Da, wo auf der Hinfahrt Baustellen eingerichtet wurden ist entweder bereits neu asphaltiert oder es wird dran gearbeitet. Wir sind erstaunt, wie fleißig und schnell die Strassenarbeiten voran geschritten sind. Auch die Natur hat einen grossen Satz gemacht. Überall ist es grün und der Löwenzahn blüht. Außerdem scheint die Sonne, was die Landschaft auch freundlicher aussehen läßt. Nur über dem See ist es diesig.

am Südufer des Baikal

am Südufer des Baikal

Da wir auf der Hinfahrt die Insel Olchon im Baikalsee ausgelassen haben, wollen wir dies nun nachholen. Die Strasse Richtung Olchon ist überwiegend in einem guten bis sehr gutem Zustand, ausgenommen ein elf Kilometer langes Teilstück kurz vor dem Fähranleger nach Olchon. Hier müssen wir uns über eine Schotterpiste quälen. Irgendwann stehen wir dann am Hafen nach Olchon. Vor uns warten noch andere Fahrzeuge auf das nächste Schiff. In der Ferne sehen wir, wie das kleine Fährschiff von der Gegenseite auf uns zukommt. Die Überfahrt dauert nicht lange und ich schaue beim Anlegen zu. Die Autos auf dem Schiff müssen rückwärts rausfahren. Das ist nicht immer einfach, da die Rampe einen steilen Knick hat.

Baikalsee – Fähre zur Insel Olchon

Wir haben Glück und die Fähre nimmt uns gleich mit, so dass wir nicht lange warten mußten. Die Überfahrt dauert nur 15 Minuten. Auf der anderen Seite angekommen müssen wieder alle Autos rückwärts raus. Dann stehen wir auf der Hauptstrasse von Olchon.

Baikalsee – Auffahrt auf die Fähre

Baikalsee – auf der Fähre zur Insel Olchon

Baikalsee – Fähranleger auf Olchon

Auf Olchon gibt es keine asphaltierten Strassen. Es sind Schotter- oder Sandpisten, die Hauptpiste ist meist übles Wellblech. So ist die Fahrt in den Hauptort Chuzir teilweise unangenehm, wenn man auf der Hauptpiste mit dem Wellblech bleibt.

Am Ortseingang von Chuzir winken uns junge Leute zu, die Hilfe brauchen. Sie haben ihren PKW neben der Piste total im Sand festgefahren. Bernhard holt Spaten und Schaufel raus und hilft beim Ausbuddeln. Nach einiger Zeit kommt noch ein Geländewagen und mit vereinten Kräften kommt der PKW wieder frei. Es war aber auch nicht sehr clever mit einem so tief liegendem Auto in den Tiefsand zu fahren.

Der Hauptort Chuzir selbst ist nicht interessant, denn er ist eine Ansammlung von kleinen Holzhütten. Doch hier befindet sich der berühmte Schamanenfelsen, eine der Sehenswürdigkeiten von Olchon. Wir übernachten oberhalb des Schamanenfelsens mit schönem Blick auf den Felsen und den See.

Baikalsee – Insel Olchon

Insel Olchon – Chuzir

Insel Olchon – Hauptstrasse in Chuzir

Schamanenfelsen auf der Insel Olchon

Schamanenfelsen auf der Insel Olchon

am Schamanenfelsen auf der Insel Olchon

Sonnenuntergang am Schamanenfelsen auf der Insel Olchon

2015-06-18-nr81-RUS-Baikalsee-Insel Olchon-Schamanenfelsen-unser Stellplatz

Baikalsee – Insel Olchon – unser Stellplatz oberhalb des Schamanenfelsens (N53 12 03.5 E107 20 37.5)

Am nächsten Tag fahren wir noch ein paar Kilometer die Küste entlang, bis wir einen schönen Stellplatz finden, wo wir ein bischen bleiben. Wir genießen die Ruhe und die Aussicht auf den Baikal-See.

Insel Olchon – unser Panoramaplatz (N53 13 27.7 E107 24 13.3)

Insel Olchon – Blick auf den Baikalsee

Insel Olchon – Blick auf den Baikalsee

Insel Olchon – Blick auf den Baikalsee

Irgendwann wird es Zeit, Olchon zu verlassen und wir fahren zurück zur Fähre. Diesmal bemüht sich Bernhard abseits der Wellblechpiste auf den Erdpisten zu fahren. Das klappt besser.

Insel Olchon – Sandpiste zwischen unserem Panoramaplatz und Chuzir

Hauptstrasse auf Olchon

Unsere Wartezeit vor der Fähre ist noch kürzer als bei der Hinfahrt, denn das Schiff wird gerade beladen und wir können praktisch ohne Anzuhalten drauffahren. Auf der anderen Seite abgekommen fahren wir wieder dieselbe Strecke zurück bis kurz vor Irkutsk. Unterwegs müssen wir leider wieder Rauchsäulen von Waldbränden sehen – sehr betrüblich. Vor Irkutsk biegen wir ab Richtung Westen. Es wird immer später und gleichzeitig wird der Himmel immer dunkler, da dicke schwarze Regenwolken aufziehen. So müssen wir irgendwann die Scheinwerfer einschalten. Da beginnt unser Auto sich plötzlich komisch zu verhalten: die Lampe vom Flammstart-Modul flackert und die Zeiger im Instrumentenbrett spielen verrückt – sie tanzen auf und ab. Weder das Ausschalten der Scheinwerfer noch ein Neustart des Motors können das Problem dauerhaft beheben. Die flackernden Anzeigen sind schon sehr irritierend.

ein letzter Blick auf den Baikalsee

Denkmal

Waldbrand

unser Übernachtungsplatz bei Tulyushka (N54 27 06.2 E101 10 59.7)

Leider hat sich das Problem am nächsten Tag nicht von alleine behoben, so dass Bernhard am Vormittag das Flammstart-Modul ausbaut. Nun flackert wenigstens die gelbe Leuchte nicht immer auf und das Relais hört auf zu flattern, doch die Zeiger tanzen weiter. Nach ein bisschen Beobachten und Nachdenken kam Bernhard zu dem Schluss, dass es mit dem Advanced Lichtmaschinen-Regler zu tun haben könnte, der den Orginal-Lichtmaschinen-Regler manipuliert und damit zu Spannungsschwankungen im Bordnetz führt. Immerhin ist das erstmal eine Erklärung und das Auto ist ja auch weiter fahrbereit. Nur auf die Anzeigen von Motortemperatur, Öldruck und Tankanzeige ist zeitweilig halt kein Verlass. Natürlich haben wir keinen A2B-Wandler als Ersatzteil dabei. Mal schauen, wie lange er durchhält, aber laut Handbuch soll er im Totalausfall immer noch als Trenndiode funktionieren.

Irgendwann erreichen wir Krasnojarsk. Wir lassen die Stadt rechts liegen und fahren zu dem Freizeit-Zentrum am Stolby-Nationalpark. Dieses Mal haben wir mehr Glück, denn die Seilbahn fährt und das Schwimmbad hat geöffnet. Wir nutzen das schöne Wetter und fahren mit der Seilbahn hinauf auf den Aussichtsberg. Hier können wir sowohl auf Krasnojarsk schauen als auch in den Nationalpark Stolby. Wir sehen einige der Granittürme, für die der Park bekannt ist. Von hier oben könnte man sicherlich noch weiter in den Park wandern, doch wir entscheiden uns dagegen. Stattdessen erfreuen wir uns an der wunderschönen Blumenpracht. Besonders die wilden Lilien haben es mir angetan. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen.

auf dem Weg nach Krasnojarsk

auf dem Weg nach Krasnojarsk

Nationalpark Stolby – Seilbahn zum Aussichtsgipfel

Blick auf Krasnojarsk

Nationalpark Stolby – der Gipfel Tokmak

Nationalpark Stolby

Nationalpark Stolby

Nationalpark Stolby – wilde Lilien

Nationalpark Stolby – Lilien

Nationalpark Stolby – rote Lilie

Nationalpark Stolby – noch mehr Lilien

Nationalpark Stolby – Schmetterling

Am Nachmittag gehen wir ins Schwimmbad. Das Wasser ist angenehm und es ist überraschend leer. So habe ich viel Platz, um meine Runden zu drehen. Leider dürfen wir auf dem Parkplatz des Freizeitzentrums nicht übernachten, so dass wir am Abend umziehen müssen zum Zentralstadion in Krasnojarsk.

Schwimmbad im Freizeit-Zentrum am Stolby-Nationalpark

Krasnojarsk – unser Stellplatz am Zentralstadion (N55 59 59.0 E92 53 05.5)

Am nächsten Morgen verlassen wir Krasnojarsk und fahren weiter Richtung Westen. Hinter Mariinsk suchen wir einen Übernachtungsplatz  und landen auf einem unbefestigten Platz neben einem Café. Der Platz ist ein bischen zurückgesetzt von der Strasse. Wir gehen im Café essen und sind wieder einmal positiv überrascht. Das Essen ist reichlich, lecker und günstig. Am frühen Abend kommt plötzlich eine größere Gruppe mit Geländefahrzeugen und einem Unimog auf den Platz. Es ist eine deutsche Gruppe, die auf dem Weg in die Mongolei ist. Bernhard kennt ein Mitglied der Gruppe aus dem Allrad-Forum. Die Gruppe ist sehr schnell unterwegs, da sie für die ganze Tour nur 2 ½ Monate Zeit hat. Am Abend wird es plötzlich schwarz und dunkel wie in der Nacht. Genau über uns ist ein Gewitter und es kracht gewaltig. Dann regnet es sehr heftig. Doch der ganze Spuk dauert nicht lange. Dann wird es wieder hell. Nur der Platz ist jetzt eine Schlammwüste.

unser Übernachtungsplatz bei Nikolaevka (N55 53 28.3 E87 15 41.6)

Wir fahren weiter. Vor Kemerovo biegen wir von der M53 ab. Zuerst geht es über eine wunderbare, vierspurige Autobahn, sogar mit Mittelleitplanken. Selbst die Landschaft entlang der Autobahn sieht aus wie zuhause. Am Ende der Autobahn geht es weiter über eine breite Landstrasse, bis wir schließlich den vielen Verkehr hinter uns lassen und auf den Altai-Kuzbass-Highway abbiegen. Auch er ist zweispurig und asphaltiert, aber mit Bodenwellen. Trotzdem kommen wir zügig voran. Unterwegs werden wir irgendwo wieder von einem Polizeiposten angehalten. Wir wissen nicht warum. Bernhard muß die Papiere vorzeigen, dann dürfen wir weiterfahren. Die ganze Angelegenheit hat nur Minuten gedauert.

am Altai Kuzbass Highway

An einem Cafe halten wir an, um lecker essen zu gehen und hoffentlich ruhig zu übernachten. Doch je später es wird, desto mehr Gäste kommen. In der Nacht herrscht ein ständiges Kommen und gehen und es vergehen keine zehn Minuten, ohne dass nicht irgendwo ein Motor läuft. So bekommen wir nicht allzu viel Schlaf ab.

am Altai Kuzbass Highway – unser Übernachtungsplatz bei Kotskurovka (N54 21 22.2 E85 37 17.2)

Am nächsten Morgen sind wir schon früh unterwegs. Vom Altai-Kuzbass-Highway biegen wir ab in Richtung Altai-Gebirge. Das Altai-Gebirge liegt zwischen der sibirischen Tiefebene und dem zentralasiatischen Hochland. Es ist landschaftlich sehr vielseitig und umfasst Mittelgebirgs- und Hochgebirgszonen. Wir wollen dem Cujsker Trakt folgen, der in nord-südlicher Richtung bis zur Westgrenze der Mongolei führt. Unser Ziel ist der Ort Kosh-Agach.

Vor Barnaul kommen wir auf die M52, die gut ausgebaut und teilweise ganz neu asphaltiert ist. Eines der Asphalt-Steinchen fliegt uns auf die Windschutzscheibe und hinterläßt ein häßliches Loch, von dem sich ein Riss weiter die Scheibe hocharbeitet – Pech gehabt, aber ohne Blessuren geht so eine Tour ja nie ab. Wenn nichts schlimmeres passiert wollen wir uns nicht beklagen.

am Altai Kuzbass Highway

Dorf

Hinter Biysk beginnt der Cujsker Trakt. Die Strasse führt ein Stück parallel zum Fluß Katun, wo wir uns einen Platz am Ufer suchen. Da der Weg runter ans Ufer zu ausgewaschen ist für unser schweres Auto bleiben wir auf einer erhöhten Stelle mit weitem Blick über den Fluß stehen. Wir entdecken, dass der Fluß Katun sehr viele Sedimente mitführt, so das das Wasser schlammig ist. Alle Hoffnungen auf frisches Wasser oder ein Bad im Fluß werden damit zunichte gemacht. Aber dafür gibt es mal wieder Internet.

unser Platz am Fluß Katun (N52 25 30.6 E85 38 59.7)

der Fluß Katun

Wir fahren weiter. Es dauert noch eine Weile, ehe die ersten Berge zu sehen sind. Die Strasse ist extrem gut ausgebaut, teilweise 4-spurig. Es kommt mir vor wie eine Autobahn in die Berge. Bevor es richtig in die Berge geht werden wir heute schon wieder an einem Kontrollposten von der Polizei angehalten. Es werden alle Papiere kontrolliert, dann dürfen wir weiterfahren. Der junge Beamte wollte sich wohl auch nur etwas zerstreuen.

Fluß Katun

Wir kommen in eine schöne Mittelgebirgslandschaft. Die Berge sind bewaldet und auch nicht allzu hoch. Wir passieren ein Dorf, wo wir an einem kleinen Miniwasserfall unseren Wasservorrat auffüllen können. Die höchste Stelle heute ist der ca. 1.700 m hohe Seminskij- Pass. Nicht weit davon entfernt passieren wir einen zweiten Pass, der mit 1.297 m niedriger ist. Hier gibt es einen Aussichtspunkt, von dem wir uns die Umgebung anschauen.

im Altai

her gibt es frisches Wasser (N51 07 01.4 E85 35 51.2)

im Altai

im Altai

Blick vom Pass Tsike Taman (1295 m)

Blick vom Pass Tsike Taman (1295 m)

Hinter dem zweiten Pass verändert sich die Landschaft. Die Strasse führt durch ein breites Tal, in das sich der Fluß Katun tief eingeschnitten hat. Hier ist es total karg, fast wüstenähnlich. Doch irgendwann kommt wieder ein kleines Wäldchen. Wir entdecken einen Picknickpatz an einem Zufluß zum Katun. Es ist sehr schön hier. Das Wasser des niedrigen Baches ist klar und nicht sehr kalt. So kommen wir endlich zu unserem erfrischenden Bad. Wir sitzen noch lange draußen in der Sonne, denn hier läßt es sich aushalten – es gibt keine Mücken! Am Abend kommt die Besitzerin, um für die Benutzung des Platzes zu kassieren – teure 500 Rubel. Das war wohl ein Ausländertarif. Am Abend wurden wir noch von unseren Nachbarn Vasili, Dimitri und Marina zum Abendessen eingeladen. Es gab aus dem Fluss geangelten Fisch mit Käse, Wurst und Brot.

im Altai

Altai – Fluß Katun

Altai – Fluß Katun

unser Stellplatz am Fluß Yaloman (N50 31 15.7 E86 33 45.7)

Altai – Fluß Yaloman

unser Nachbar

Dann fahren wir weiter, denn wir wollen bis Kosh-Agach. Auf dem Weg hierhin wechselt die Landschaft ein paar Mal. Es ist karg, dann wieder bewaldet. Kurz vor unserem Ziel tauchen dann noch die ersehnten Schneeberge rechts der Strasse auf. Es sind die höchsten Gipfel des Altai, aber um dorthin zu kommen müsste man eine mehrtägige Wanderung unternehmen. Kurz vor Kosh Agach zieht sich der Himmel zu und die Berge verschwinden in den Wolken. Es dauert nicht mehr lange, dann regnet es.

Altai – Fluß Katun

Altai – Fluß Katun

Altai

Altai – Fluß Katun

ein Denkmal

es ist immer eine Freude die freilebenden Tiere zu sehen

endlich sehen wir die höchsten Gipfel des Altai

Altai

Altai

Kosh Agach

unser Stellplatz am Krankenhaus von Kosh Agach (N50 00 57.8 E88 40 09.9)

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Für uns ist Kosh Agach der Wendepunkt unserer Reise durch das Altai-Gebirge. Nun fahren wir dieselbe Strecke wieder zurück. Unterwegs haben wir noch sehr schöne Blicke auf die Berge. Wir stoppen wieder an dem Bach, wo es uns so gut gefallen hat. Doch dieses mal sind wir schlauer und stellen uns nur wenige Meter weiter weg, dorthin, wo der Stellplatz am Fluß kostenlos ist. Hier verbringen wir zwei Tage und können bei schönem Wetter endlich einmal die Wäsche waschen. Auch gönnen wir uns mal wieder ein Vollbad im etwas frischen Gebirgsbach.

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit, Fluß Katun

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Kosh Agach und Chibit

Altai – zwischen Chibit und Fluß Yaloman

2015-06-30-nr06-RUS-Altai-unser Stellplatz am Fluß Yaloman-neu

unser neuer Platz am Fluß Yaloman (N50 31 15.5 E86 33 49.4)

nur ein paar Meter weiter mündet der Yaloman in den Katun

deutlich ist der Farbunterschied im Wasser zu sehen

unser Nachbar ist auch noch da

ausgiebige Körperpflege

offensichtlich hat der Yaloman Trinkwasserqualität

Dann fahren wir weiter. Zuerst geht es wieder über die beiden Pässe, die wir schon von der Hinfahrt kennen. An dem Rastplatz mit der Wasserquelle legen wir eine Pause ein. Der Ort gefällt auch den Schmetterlingen, denn hier tummeln sich sehr viele der wunderschönen Flieger. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Doch irgendwann müssen wir weiter. Unser Weg führt uns zum See Manzherok, der in einem Buch als ganz nett beschrieben wurde. Doch uns gefällt es hier nicht. Der See liegt hinter Bäumen verborgen. Zusätzlich ist hier sehr viel Trubel, denn an seinem Ufer steht Zelt an Zelt. Offensichtlich ist er bei den Urlaubern hier sehr beliebt. So fahren wir weiter, bis wir einen halbwegs akzeptablen Platz am Flußufer finden.

Altai – Fluß Katun

2015-07-01-nr19-RUS-Altai-M52-neu

Altai – zwischen den Pässen Tsike Taman und Seminskij

2015-07-01-nr62-RUS--neu

Altai – zwischen Seminskij-Pass und Manzherok

Altai – die vielen Schmetterlinge sind eine Pracht

2015-07-01-nr80-RUS-Altai-M52-zwischen Seminsky Pass und Manzherok-Schmetterlinge

2015-07-01-nr93-RUS-Altai-M52-zwischen Seminsky Pass und Manzherok-Schmetterlinge

2015-07-01-nr100-RUS-Altai-M52-zwischen Seminsky Pass und Manzherok-Schmetterlinge-neu

unser Übernachtungsplatz am Katun bei Manzherok (N51 51 09.2 E85 44 27.4)

Da wir noch Zeit haben, bis unser Visum die Einreise nach Kasachstan erlaubt, fahren wir weiter zu der bereits bekannten Wiese am Katun, wo wir erholsame Tage verbringen. Leider spielt das Wetter nicht so ganz mit, denn nach einigen heißen Tagen mit über 30 Grad kommen nun zunehmend Gewitter, so dass es immer wieder regnet. Wir erleben sogar einen kurzen aber sehr heftigen Hagelschauer. Trotzdem läßt sich auch immer wieder die Sonne sehen. Über uns kreisen zeitweise zwei Raubvögel. Es macht viel Freude, den eleganten Fliegern zuzuschauen.

Altai – unser Stellplatz am Fluß Katun (N52 25 29 E85 39 02.4)

auch ein Vogel braucht eine Pause

eleganter Flieger

Irgendwann wird es Zeit weiter zu fahren. Unsere Route führt uns zurück bis Biysk. Dann biegen wir ab Richtung Süden. Wir wollen sozusagen querfeldein nach Kurja, um von dort weiter Richtung Grenze zu fahren. In der Karte sind es kleine Sträßchen, von denen wir nicht wissen, wie die Straßenverhältnisse sind. Überraschenderweise ist die Strecke über Smolenskoe bis Petropavlovskoe asphaltiert und in gutem Zustand. Der weitere Streckenverlauf bis kurz vor Kurja ist eine Mischung aus Schotterpiste, total zerbröseltem Asphalt und guten asphaltierten Abschnitten. Die Schotterpisten sind gut zu fahren. Sie sind breit und relativ glatt, ohne Löcher oder Wellblech. Doch durch den Regen von gestern und heute ist alles sehr matschig. In Kurja angekommen ist die Farbe unseres Autos unter der dicken Matschschicht kaum noch zu erkennen.

der Fluß Katun bei Biysk

Piste zwischen zwischen Petropavlovskoe und Kurja

Piste zwischen zwischen Petropavlovskoe und Kurja

Wir haben Glück und finden am Ortsrand von Kurja zwischen einem Bauernhof und einem Bach ein Stück Wiese, wo wir stehen dürfen. Das Wasser des Baches ist nicht besonders sauber, aber uns reicht es, um das Auto zu waschen. Dabei bekommen wir immer wieder Besuch von den Bewohnern des Bauernhofes. Zuerst kommt der Bauer, dem wir erzählen von wo wir kommen und wo wir hinwollen. Er ist sehr freundlich und wir glauben, er will uns nach getaner Arbeit zum Tee einladen. Kurze Zeit später kommen zwei ältere Damen und bringen uns Honig und wollen uns noch Gemüse, Obst und Milch anbieten. Doch wir waren heute morgen einkaufen, so dass wir nichts benötigen. Sie schauen sich das Auto von innen an und sind begeistert. Wir erfahren noch, dass eine der beiden irgendwann einmal ein bischen deutsch gelernt hat. Einige Wörte kann sie noch. Später kommen noch zwei junge Mädchen, die wohl auch zur Familie gehören. Sie lernen wohl auch deutsch, trauen sich aber nicht zu sprechen.

unser Stellplatz in Kurja

Autowaschen lohnt sich

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zur Grenze nach Kasachstan. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet.

Das war unsere Reiseroute Russland Teil 4:

Karte Russland 2015 Teil 4 - Altei

Kategorien: Reiseberichte | Ein Kommentar

Mongolei

Ulan Bataar – Mogol Els – Kharkorin – Arvaikheer – Kloster Manzushin

Juni 2015

Nun wollen wir die Mongolei erkunden, ein unbekanntes Land weit im Osten. Obwohl mehr als viermal so groß wie Deutschland leben hier nur ca. 4 Mio Einwohner, die meisten von ihnen in der Hauptstadt Ulan Bataar.

Unser Abenteuer Mongolei beginnt am Grenzübergang im russischen Kjachta. Die Grenze ist nur tagsüber geöffnet und so stehen wir am Morgen vor dem Tor. Pünktlich um 9 Uhr öffnet die russische Abfertigung und wir fahren in den Zollhof. Nach der üblichen Verwirrung wegen der Größe unseres Autos kommt eine Beamtin, die sich das Fahrzeug anschaut und mich dann in ein Zollgebäude begleitet, wo ich mich an einem Schalter anstellen muß, um den Ausreisestempel für das Fahrzeug auf das Zollpapier zu bekommen. Dann fahren wir weiter zur Ausweiskontrolle. Wir müssen das Auto abstellen und zum Schalter laufen. Hier erleben wir zum ersten Mal die mongolische Mentalität, denn es wird ohne Ende gedrängelt. Die Mongolen drängeln mit ihren Autos mit aller Gewalt an unserem vorbei nach vorne, um dann auch am Schalter frech zu behaupten sie wären vor uns dran. Wenn ihnen die Schlange zu lang ist stellen sie sich einfach von einer anderen Richtung aus an und behaupten, das ist die Reihenfolge. Nicht einfach zu akzeptieren für uns. Nachdem wir das Spiel begriffen haben, machen wir ihm ein Ende und sind dann auch dran. Das schöne an den Mongolen ist aber, wenn man selber energisch und lauter wird, geben sie nach und sind auch nicht nachtragend. Es ist alles eine Frage des entschlossenen Auftretens statt der vornehmen Zurückhaltung. Wir geben den kleinen weißen Zettel ab, den wir bei der Einreise bekommen haben.

.
Nun geht es weiter auf die mongolische Seite. Hier müssen wir zuerst durch ein Desinfektionsbad, für das wir 60 Rubel bezahlen müssen. Im Nachbargebäude holen wir uns einen Laufzettel. Mit dem gehen wir zur Zollbehörde. Hier werden die Pässe kontrolliert und wir müssen eine Zollerklärng ausfüllen. Dann gehen wir zum nächsten Schalter, wo wir die Zollerklärung fürs Auto machen müssen. An einem weiteren Schalter findet der „Quarantänecheck“ statt, der nur ein weiterer Stempel auf dem Laufzettel ist. Zurück im Zollhof wird das Auto wird kurz kontrolliert und wir bekommen den letzten Stempel auf den Laufzettel, den wir an der nächsten Schranke abgeben müssen. Wir dürfen weiterfahren, kommen jedoch nicht weit, denn nun werden 300 Rubel Straßengebühren kassiert. Ein paar Meter weiter werden wir nochmals angehalten, um eine Versicherung abschließen, die uns 1821 Rubel kostet. Nachdem wir alles überstanden haben sind wir in die Mongolei eingereist.

.
Insgesamt hat die Ausreise aus Russland 1 ½ Stunden gedauert und die Einreise in die Mongolei eine Stunde. Alles wurde korrekt abgewickelt und die Beamten waren hilfsbereit und freundlich.
Kurz hinter der Grenze finden wir einen ATM-Schalter und versorgen uns mit mongolischem Geld. Der Mobilfunkladen nebenan hat leider geschlossen.

zwischen Kjachta und Darkhan

zwischen Kjachta und Darkhan

Wir erreichen Darkhan, die mit ca. 100.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Mongolei. Sie wurde erst 1961 gegründet und ist entsprechend architektonisch wenig ansprechend. Wir schauen uns zuerst die Buddha-Statue am Stadtrand an, sind aber etwas enttäuscht, denn wir haben sie uns um einiges größer vorgestellt. Bilder, die wir davon gesehen hatten, waren wohl geschickt fotografiert.

Buddha-Statue in Darkhan

Darkhan

Dann fahren wir ins Zentrum und gehen in den Mobicom-Laden, um uns eine SIM-Karte fürs Internet zu kaufen. Er befindet sich im Erdgeschoß eines modernen Neubaus und sieht genau so nobel aus wie bei uns. Leider spricht die Dame am Schalter weder englisch noch russisch. Glücklicherweise kann eine Kollegin mit ein wenig englisch weiterhelfen und ich kann erklären, dass ich eine Daten-SIM mit 5 GB Volumen möchte. Doch das ist nicht so einfach, denn zuerst muß ich eine SIM-Karte kaufen mit 1 GB Volumen. Dann müssen wir 30 Minuten warten, bis die SIM-Karte freigeschaltet ist. Erst dann können wir das Upgrade für weitere 5 GB erwerben. Insgesamt haben wir für alles zusammen 35.000 Tugrik bezahlt (etwa 16,67 Euro) und eine Stunde gebraucht.

.
Unser Tagesziel für heute ist das Mongolian Secret Histroy Tourist Camp. Der Weg dahin gestaltet sich schwierig. War der Asphalt bis Darkhan noch in akzeptablen Zustand, so verwandelt sich die Straße jetzt in eine Schlaglochpiste. Nachdem wir eine Weile den Schlaglöchern ausgewichen sind und von den Bodenwellen durchgeschaukelt wurden müssen wir noch zweimal die Strasse verlassen, da sie gesperrt ist. Die Umleitungen führen als Fahrspuren querfeldein durchs Gelände. So eine üble Piste haben wir hier noch nicht erwartet. Plötzlich müssen wir eine doppelte Querrille durchfahren. Hier hat das Auto Probleme und die Räder drehen durch. Es poltert mächtig, denn durch die Verwindung hat sich wohl der Koffer hochgehoben. Doch irgendwann ist auch das geschafft und wir erreichen unser Ziel. Von der Grenze bis hierhin wurden wir dreimal für Strassenmaut zur Kasse gebeten (insgesamt ca. 3,30 €).

Wir sind überrascht, dass das Personal im Camp nur sehr wenig englisch spricht, so dass die Verständigung mühsam ist. Das haben wir uns in einem Touristencamp etwas leichter vorgestellt.

unser Stellplatz am Mongolian Secret History Tourist Camp (N48 31 16.9 E106 03 49.1)

ein fleißiger Mitarbeiter des Mongolian Secret History Tourist Camp

Nach einem Erholungstag fahren wir weiter in die Hauptstadt Ulan Bataar, deren Anfänge bis ins 17. Jhdt. zurück reicht. Die Stadt gilt als kälteste Hauptstadt der Welt. Im Januar liegt die Durchschnittstemperatur bei -27 Grad. Jetzt ist es Juni und auch wärmer. Ulan Bataar ist das Zentrum der Mongolei, denn hier lebt jeder zweite Mongole.

auf dem Weg nach Ulan Bataar

auf dem Weg nach Ulan Bataar

Der Weg vom Camp bis hierhin war in Ordnung und ohne weitere Baustellen. Am Stadtrand von Ulan Bataar sehen wir große Gewächshäuser aus Plastikplanen. Hier scheint langsam der Obst- und Gemüseanbau einzusetzen, so dass die Aussagen aus dem Reiseführer – es gäbe kein Obst und Gemüse in der Mongolei – nicht mehr so ganz stimmen.

.
Unser Ziel ist das Oasis Guesthouse, der bekannte Treffpunkt für Selbstfahrer. Um dorthin zu kommen müssen wir quer durch die Stadt. Der Verkehr ist heftig, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Im Oasis Guesthouse sind wir nicht alleine. Da der Hof sehr eng ist und nur wenig Stellfläche hat müssen erst einige Motorräder umgeparkt werden, damit wir Platz finden. Wir genießen den Luxus Duschen zu können und unser Wäsche zum Waschen abgeben zu können. Hier treffen wir zum erstenmal seit langer Zeit wieder Deutsche und Engländer. Es sind drei Motorradfahrer, die die Nordroute in den Altai fahren wollen, sowie ein junges deutsches Pärchen, das mit einem L300 wohl auf dem langen Weg nach Südostasien ist. Es ergeben sich nette Gespräche.

Ulan Bataar

Ulan Bataar – Oasis Guesthouse (N47 54 41.57 E106 58 52.30)

Mit dem Bus fahren wir ins Zentrum von Ulan Bataar, um uns die Stadt anzuschauen, in der es nur wenige Sehenswürdigkeiten gibt. Vom großen Hauptplatz aus laufen wir zum Kloster des Choijin Lama, das versteckt zwischen einigen höheren Häusern liegt. Am Eingang erwartet uns dann die große Überraschung – zu dem Eintritt von 8.000 Tugrik soll noch eine Fotogebühr von 50.000 Tugrik gezahlt werden. Das entspricht ungefähr 25 Euro. So ein unglaublicher Wucher ist uns bisher noch in keinem anderen Land begegnet. Er ist besonders krass, wenn man bedenkt, dass das Preisniveau in diesem Land sehr niedrig ist. Ein Busticket kostet z.B. nur 500 Tugrik (ca. 0,24 €). Das Kloster ist sehr schön mit vielen kleinen Tempeln. Doch es ist gut bewacht und heimliche Fotos sind nicht möglich.

Ulan Bataar – Parlamentsgebäude

Ulan Bataar – Statue des Dschingis Khan am Parlamentsgebäude

Ulan Bataar – Platz vor dem Parlamentsgebäude

Ulan Bataar – Kulturpalast (li) und Opernhaus (re)

Ulan Bataar – Kloster des Choijin Lama

Ulan Bataar – Kloster des Choijin Lama

Auf dem Weg zum Winterpalast des Bogd Khan schauen wir uns das Freigelände des Eisenbahn-Museums an, wo einige Loks ausgestellt sind. Im Winterpalast werden neben den Eintrittsgebühren schon wieder 50.000 Turik fürs Fotographieren verlangt. Ich bin ziemlich sauer, denn so viel Geld sind mir Fotos nicht wert. Es ist eigenartig, dass die Mongolen bei manchen Sachen kein Gespür für leistungsgerechte Preisgestaltung haben.

Ulan Bataar – Eisenbahnmuseum

Ulan Bataar – Eisenbahnmuseum

Ulan Bataar – Bogd Khan Museum

Da ich dasselbe Erlebnis nicht noch ein drittes Mal brauche verzichten wir darauf, zum Kloster Gandan zu laufen. Stattdessen wollen wir uns die Dinosaurierfunde im Museum für Naturgeschichte anschauen. Wir finden das Museum, aber es ist geschlossen und es sieht eher aus wie eine Ruine als wie ein Museum. Wir fragen im benachbarten Kunstmuseum und erfahren, dass das Naturmuseum schon seit zwei Jahren geschlossen ist. Nun ärgere ich mich zusätzlich über meinen Reiseführer, der im Mai 2015 neu herausgekommen ist und auch davon nichts weiß. Wir haben genug und fahren zurück zum Guesthouse. Insgesamt bin ich doch sehr enttäuscht von Ulan Bataar.

.
Am Abend müssen wir dann feststellen, dass unsere SIM-Karte nicht mehr funktioniert. Offensichtlich sind die zusätzlichen 5 GB Datenvolumen nicht gebucht worden. Wir bitten eine der freundlichen Damen vom Guesthouse, für uns bei Mobicom anzurufen. Wir erfahren, dass diese Reklamation erst in dem Laden, wo wir die Karte gekauft haben, nachgeprüft werden muß. Es kann bis zu 72 Stunden dauern, bis wir eine Antwort bekommen. Telekommunikationsdienstleistungen sind offensichtlich überall gleich kompliziert wenn Probleme auftauchen (ausser vielleicht in Russland und der Türkei soweit wir das beurteilen können).

.
Von einem anderen Gast im Oasis bekommen wir den Tipp, dass es eine gute mongolische Strassenkarte im Department Store in der Stadt zu kaufen gibt, auf der man Straßenzustände erkennen kann. So fahre ich nochmals mit dem Bus in die Stadt und besorge die Karte, mit der wir recht zufrieden sind. Wir haben noch die Karte von Reise-Know-How sowie die Gizi-Map. Die Reise-Know-How-Karte ist ganz ok, die Gizi-Map gefällt uns überhaupt nicht.

Wir fahren weiter und schauen uns die große Dschingis Khan-Statue westlich von Ulan Bataar an. Die Straße dorthin ist in der ersten Hälfte mit Betonplatten belegt und in der zweiten Hälfte asphaltiert und in akzeptablen Zustand. Nur ein paar mal müssen wir auf Bodenwellen und Straßenschäden aufpassen.

.
Die Statue des Dschingis Khan ist eine metallene Monströsität und gefällt mir nicht so gut. Auch die Aussicht vom Pferdekopf ist nicht besonders beeindruckend, weil hier relativ viele Häuser in der Landschaft stehen. Wir schauen uns noch das kleine Museum über die bronzezeitlichen Mongolen an. Das gefällt mir gut, denn hier lerne ich etwas neues: U.a. gibt es hier ein christliches Kreuz aus dem 12. Jhdt. Der Beschreibungstext erläutert, dass einige der mongolischen Stämme Nestorianer waren, also Christen. Außerdem enthält das Museum eine kleine Sammlung der allerersten Schießgeräte, Kanonen und Bomben aus dem 12. Jhdt. Es hat demnach ein paar Hundert Jahre gedauert, bis diese „Errungenschaft“ in Europa angekommen ist. Nur schade, dass man im Museum nicht fotografieren durfte.

Statue Dschingis Khan

Statue Dschingis Khan

Statue Dschingis Khan

mongolischer Stiefel im Gebäude unter der Statue

Um weiter Richtung Westen zu fahren, müssen wir nochmals Ulan Bataar durchqueren. Der Verkehr ist schlimm und es dauert eine Weile bis wir durch sind. Am Stadtrand halten wir kurz an einem Supermarkt an. Wie ich später sehe steht auf der Brottüte in deutsch geschrieben: “Deutsche Bäckerei”. Wer hätte das gedacht! Geschmeckt hat es übrigens auch.

Stadtgrenze von Ulan Bataar

Wir fahren weiter, bis wir einen Übernachtungsplatz an einer noch in Bau befindlichen Tankstelle finden, wo wir eine ruhige und ungestörte Nacht verbringen. Gleichzeitig hat Bernhard auch noch einen komfortablen Untergrund zum Abschmieren des Autos.

unfertige Tankstelle bei Agarlant (N47 52 41.7 E105 48 44.7)

Wir fahren weiter Richtung Westen. Unterwegs kommt uns ein grüner Kastenwagen mit Aachener Kennzeichen entgegen. Es sind Christiane und Alex mit ihrer “Grünen Minna”. Wir unterhalten uns eine Weile und tauschen Erlebnisse aus. Dann fahren wir weiter.

Lyn

Zwischen Lyn und Erdenesant

zwischen Lyn und Erdenesant

zwischen Lyn und Erdenesant

zwischen Erdenesant und Rashaant

Rashaant

Von der Strasse aus sehen wir die große Düne Mogol Els. Auf dem Parkplatz vor der Düne ist uns zu viel Trubel und so halten wir uns nicht lange auf.

zwischen Rashaant und Düne Mogol Els

zwischen Rashaant und Düne Mogol Els

Düne Mogol Els

Düne Mogol Els

Düne Mogol Els

heiliger Ort

Opfergaben

Stupas

Wir fahren weiter. Ungefähr 50 Kilometer vor Kharkorin wird die Strasse plötzlich furchtbar: der Asphalt ist – wenn vorhanden – voller tiefer Schlaglöcher, streckenweise fehlt er ganz und es ist Wellblechpiste. Dieses miserable Stück zieht sich ungefähr 30 Kilometer hin. Erst kurz vor Kharkorin ist die Strasse neu asphaltiert und wir kommen gut vorwärts. Besonders ärgerlich nach solch einer Holperpiste ist dann das Mauthäuschen, an dem wir Strassengebühren zahlen müsen. Ein bischen sind wir auch selber schuld, denn die Mongolen fahren nicht auf dieser zerstörten Strasse sondern suchen sich einen Weg durchs Gelände. Aber so abgebrüht sind wir da noch nicht.

Strasse vor Kharkorin

Strasse vor Kharkorin

Wir erreichen Kharkorin und fahren zum Parkplatz am Eingang zum Kloster Erdene Zuu. Hier treffen wir Thomas und Sarah, die wir schon im Oasis Guesthouse getroffen haben.

unser Stellplatz neben dem Kloster Erdene Zuu (N47 11 59 E102 50 46.3)

Die Gegend um Kharkorin wurde schon seit dem 8. Jhdt besiedelt. Im 13. Jhdt. bauten Dschingis Khan und seine Erben hier ihre Hauptstadt Karakorum, von der aus sie ihr mongolisches Weltreich regierten. Im 14. Jhdt wurde Karakorum von Chinesen zerstört. Übrig geblieben sind nur wenige Schildkröten aus Granit. Im 16. Jhdt. entstand nicht weit vom ehemaligen Karakorum das buddhistische Kloster Erdene Zuu, in dem bis zu 10.000 Mönche lebten. 1937 wurde das Kloster zerstört, so dass nur wenig erhalten ist.

.
Da der Himmel voller dunkler Wolken hängt schauen wir uns heute nur kurz um und verschieben die gründliche Besichtung auf den nächsten Tag. Am Abend stellen wir fest, dass es doch noch Wunder gibt – denn unsere SIM-Karte funktioniert wieder.

Regenwolken über der Goldenen Stupa von Erdene Zuu

Regenbogen über Kharkorin

Wir besichtigen das Kloster und laufen zu einer der Schildkröten. Danach schaue ich mir noch das nahe gelegene Museum an. Auch hier ist das Fotografieren so unverschämt teuer, so dass ich darauf verzichte. Im Museum gibt zwei Ausstellungen: eine zeigt Funde aus Karakorum. Eine zweite Ausstellung zeigt die Grabfunde aus einem großen Fürstengrab aus dem 7. Jhdt aus dem nahe liegenden Orkhon-Tal. Da die Mongolen Nomaden waren halten sich die Funde in Grenzen. Es gibt einige metallene Fundstücke sowie einige kleine Keramikstücke. Im Eingang des Museums gibt es ein schönes und großes Modell der alten Hauptstadt Karakorum mit den verschiedenen Stadtvierteln. Im alten Karakorum gab es neben einem großen buddhistischen Tempel auch eine Moschee und eine christliche nestorianische Kirche.

Erdene Zuu – die insgesamt 1.600 m lange Klostermauer hat 102 Stupas

Kloster Erdene Zuu – Eingang

Tempelbezirk im Kloster Erdene Zuu

Kloster Erdene Zuu – Tempel des Dalai Lama

Kloster Erdene Zuu – Tempel

Kloster Erdene Zuu – Tempel

Kloster Erdene Zuu – wir bekommen Tipps für die weitere Route

Kloster Erdene Zuu – Tempel Lavrin

Kloster Erdene Zuu – Tempel Lavrin

Kloster Erdene Zuu – Goldene Stupa bei Sonnenschein

2015-06-07-nr85-MGL-Kharkorin-Schildkröte

Schildkröte – das letzte Überbeibsel der alten Hauptstadt Karakorum

Wir verlassen Kharkorin und wollen weiter über die Südroute Richtung Westen fahren. Um uns einen großen Umweg zu ersparen, der sowieso nur über eine schlechte Strasse geführt hätte, neben wir die Strecke über Khujirt.

zwischen Kharkorin und Khujirt

Khujirt

Die Informationen aus unseren Karten sind korrekt, denn bis Khujirt ist die Strasse asphaltiert. Dahinter beginnt die Piste und damit die erste große Herausforderung für uns. Wir bemühen uns auf dem Hauptpfad zu bleiben. Der Weg ist fest, sandig bis steinig und mit gelegentlichen Wellen. Bald kommt die erste große Herausforderung, denn der Weg führt steil bergab in eine enge Senke und auf der anderen Seite steil wieder bergauf. Da wir nicht in der Senke im Schlamm festsitzen wollen, umfahren wir die Senke oben auf der Höhe.

Piste zwischen Khujirt und Arvaikheer

Piste zwischen Khujirt und Arvaikheer

Piste zwischen Khujirt und Arvaikheer

Nach einiger Weile stehen wir vor einer Bachdurchfahrt. Der Wasserstand ist nur wenige Zentimeter tief, aber die Ab- und Auffahrt sind matschig und ein wenig steil. Ein Einheimischer kommt mit seinem Motorrad vorbei und zeigt uns, dass wir schräg fahren sollen. Bernhard fasst sich ein Herz und alles klappt gut und wir kommen heil auf die andere Seite. Es ist schon komisch, wenn selbst in scheinbar abgelegenen menschenleeren Gegenden auf einmal von irgendwoher ein Mongole kommt, den man vorher nicht gesehen hat.

Piste zwischen Khujirt und Arvaikheer – Bachdurchfahrt

Der Weg führt über einige bis zu 2.200 m hoch Berge. Teilweise haben wir ziemliche Schräglage und es ist ein wenig unheimlich. Aber das Auto meistert die Passagen gut. In einer Talsenke müssen wir wieder etwas abweichen, um nicht in den Matsch zu kommen. Dafür sehen wir unsere ersten Yaks, oder eine Kreuzung von Yak und normalen Rind. So genau kennen wir uns nicht aus. Schließlich erreichen wir die Asphaltstrasse nach Arvaikheer. Insgesamt haben wir für die 30 Kilometer Asphalt bis Khujirt und die 70 Kilometer Piste vier Stunden benötigt. Wir sind zufrieden, dass es ganz gut geklappt hat.

Piste zwischen Khujirt und Arvaikheer

Piste zwischen Khujirt und Arvaikheer

In Arvaikheer angekommen sehen wir am Straßenrand drei Motorräder stehen. Es sind die beiden Deutschen und ein Engländer (Dave aus London) der sich ihnen angeschlossen hat. Wir haben sie schon im Oasis Guesthouse getroffen. Wir halten an und begrüßen sie. Sie wollten die Nordroute fahren, aber das war nicht möglich, da es in den Bergen geschneit hat und die Strasse voller Schnee und Eis war. So sind sie umgedreht und haben die Südroute versucht. An der Wasserdurchfahrt bei Bayankhongor haben sie aufgegeben. Die Strassen- und Wetterverhältnisse waren zu schwierig. Sie waren wohl ziemlich frustriert, da sie schon bei der langen Anreise durch Russland nur schlechtes Wetter hatten – und das auf dem Motorrad.

Arvaikheer

Arvaikheer – Statue Dsanabadsar

Wir verabschieden uns und fahren noch ein kurzes Stück bis zu einem Pferdetempel, wo wir übernachten wollen.

unser Stellplatz am Pferdetempel (N46 09 52 E102 39 32.5)

Pferdetempel

Pferdetempel

Pferdetempel

In den vergangenen Tagen war es vormittags immer recht freundlich und am Nachmittag hat es geregnet. Das erhoffen wir uns auch für den kommenden Tag, werden aber enttäuscht. Am Morgen liegt rund um uns herum Schneematsch und es regnet immer noch. Es ist mit 5 Grad sehr kalt und so ist es kaum verwunderlich, dass die umliegenden Berge weiß von Schnee sind. Bei so einem Wetter wollen wir nicht weiterfahren und bleiben am Tempel. Erst am Abend hört der Regen auf.

Tristesse

es wird langsam heller

Eine interessante Begegnung gab es am Pferdetempel mit einer Gruppe von etwa acht gepflegten Männern, die mit zwei teuren Toyota Landcruisern V8 anreisten. Natürlich mussten auch sie unser Auto untersuchen, wie schon andere vor ihnen. In solchen Fällen geht Bernhard immer raus um das zu kontrollieren. Einer der Herren, der von den anderen mit besonderem Respekt behandelt wurde, konnte Englisch und unterhielt sich mit Bernhard. Er wollte unbedingt unser Auto kaufen und drängte auf einen Kaufpreis. Nachdem Bernhard sagte, wir müssen mit dem Auto wieder nach Hause fahren, musste er ihm versprechen nächstes Jahr in sein Zuhause zu kommen um ihm dort das Auto zu verkaufen. Er sei Jäger und dieses Auto passe genau zu seinen Vorstellungen. Bernhard‘s Einwand, daß es in der Mongolei doch grössere und modernere Fahrzeuge auf Mercedes Zetros Basis gäbe wurde von ihm nur mit zu gross und zu schwer quittiert. Er gab uns extra seine Visitenkarte auf der sowas wie Executive Director in englisch und mongolisch stand. Wir glauben, ihm war es ernst.

Mit dem Bewußtsein, dass uns weiter im Westen einige Flußdurchfahrten erwarten, die nach den vielen Regenfällen sicherlich noch angestiegen sind, sowie einige Hundert Kilometer schwieriger Piste, beschließen wir hier, umzudrehen. Die Schilderungen mehrerer Mopedfahrer, die wir getroffen haben, haben uns doch sehr verunsichert. Erleichtert wurde die Entscheidung von mehreren Berichten, dass die Strecke bis zum Altai auch landschaftlich nicht sehr schön sein soll. Mal sehen wie unsere Reisebekanntschaften durchkommen. In einer Gruppe zu fahren ist sicher einfacher. Wir wären allein unterwegs gewesen.

So fahren wir zurück und nehmen die Strecke, die wir auf dem Hinweg über die Piste abgekürzt haben. Zu Beginn ist sie sehr holprig, dann werden wir von der Teerstrasse weggezwungen auf eine Piste neben der Strasse. Durch den Dauerregen ist alles nass und matschig. Wir tun uns schwer, die richtige Spur ausfindig zu machen. Ein paar Mal beobachten wir andere Autos, zweimal muss ich aussteigen, um den Weg zu erkunden. Die Matschstrecke erstreckt sich über ca 10 Kilometer. Doch irgendwie schaffen wir es uns durchzukämpfen. Wir sind froh, als wir endlich wieder auf der Teerstrasse sind. Ich bin überglücklich, dass wir nicht am Tag zuvor im Dauerregen versucht haben die Strecke zu fahren. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das gewesen wäre.

zwischen Arvaikheer und Mogol Els – Umleitung auf die Piste

Umleitung

Umleitung

zwischen Arvaikheer und Mogol Els

zwischen Mogol Els und Agarlant

Wir übernachten wieder an der unfertigen Tankstelle. Als ich irgendwann zufällig aus dem Fenster schaue sehe ich einen Sandsturm auf uns zukommen. Es sieht gespenstig aus. Der Sturm zerrt an unserem Auto. Der ganze Spuk dauert nicht sehr lange, war aber ziemlich beeindruckend.

Sandsturm

Am nächsten Morgen fahren wir weiter und treffen auf  Wolfgang und Gisela. Sie kommen aus Ulan Bataar und sind auf dem Weg zur Südroute. Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und fahren weiter. Hoffentlich haben sie mehr Glück. Der Wetterbericht scheint positiv zu sein, so dass sie hoffentlich von Regen und Kälte verschont bleiben. Unser Ziel ist das Kloster Manzushir südlich von Ulan Bataar. Der Weg dorthin wird uns nicht leicht gemacht, denn wir müssen uns bei Ulan Bataar durch eine fünf Kilometer lange Baustelle quälen. Die Autos fahren Stoßstange an Stoßstange und alles ist in dichten weißen Staub eingehüllt. Doch schließlich erreichen wir unser Ziel.

Das Kloster Manzushir entstand im 18. Jhdt. Es war ein wichtiges Kloster, in dem bis zu 500 Mönche lebten. In der Kulturrevolution in den 1930er Jahren wurde es fast völlständig zerstört. Das Kloster liegt schön in einem Talkessel. Die Landschaft erinnert ein wenig an die Alpen. Hier gefällt es uns gut.

Kloster Manzushir

Kloster Manzushir

Kloster Manzushir

Kloster Manzushir

Kloster Manzushir

Wir fahren weiter und wollen Richtung Süden zur Wüste Gobi, da uns jemand erzählt hat die 600 Kilometer dorthin seien asphaltiert. Doch schon nach wenigen Kilometern müssen wir feststellen, dass die Information zumindest nicht ganz richtig war, denn schon wieder ist die Strasse gesperrt und es geht durchs Gelände. Nun ist endgültig der Zeitpunkt erreicht, wo wir genug von den Strassen in der Mongolei haben. Wir drehen um und fahren Richtung Norden zurück zur russischen Grenze.

Insgesamt haben wir die Mongolei als schwieriges Reiseland kennengelernt. Das Wetter war kühler und feuchter als wir erwartet haben. Die Strassenverhältnisse sind schwierig und die Sehenswürdigkeiten halten sich in Grenzen. Die Mongolen können manchmal recht nervig sein, wenn sie ums Auto laufen, unter das Auto kriechen, drauf herumklettern und meinen alles anfassen zu müssen – auch wenn sie immer nett und freundlich sind. Auch die Verständigung ist uns schwer gefallen, denn Fremdsprachenkenntnisse sind nicht weit verbreitet. Ausserdem findet man interessanterweise in der Mongolei mehr leere Wodkaflaschen am Strassenrand als in Russland, und man sieht hier auch so gut wie keine Polizei. Auch wenn Russlands Landmasse zum grossen Teil in Asien liegt ist es doch kulturell ein europäisches Land und leichter zu bereisen.

So müssen wir erkennen, dass die Mongolei nicht zu unseren bevorzugten Reisezielen gehört. Natürlich gibt es in diesem Land auch positives: unglaublich weite Horizonte, Berge, Dünen, Wälder und riesige Tierherden. Besonders gut haben uns die vielen großen und kleinen Raubvögel gefallen, die man sehr häufig sieht.

Iris

Das war unsere Reiseroute durch die Mongolei:

Karte Mongolei

Insgesamt sind wir ca. 1.850 km in der Mongolei gefahren

Kategorien: Reiseberichte | 4 Kommentare

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.