Unser MAN

Bei der Planung unserer Reise stellte sich schnell die Frage mit welcher Art Fahrzeug wir die große Reise angehen wollen.  Da wir schon viele Jahre unsere Urlaube in einem Campingbus verbracht haben, wußten wir, dass uns so ein Fahrzeug zu klein ist und wir etwas größeres haben wollen.

Unser Anforderungs-Katalog umfaßte u.a. folgende Punkte:

  • nicht mehr als 7,49 t
  • ausreichend Zuladungskapazität
  • Allrad
  • robuste Technik, die jeder Dorfschmied reparieren kann

Damit war klar, dass es nur ein älteres Fahrgestell sein kann, da die modernen Fahrzeuge mit allerlei Elektronik vollgestopft sind.

Für die Wohnkabine haben wir uns gewünscht:

  • robust
  • eine gute Isolierung
  • ein festes Bett ohne tägliche Umbauten
  • eine Küche mit Backofen
  • eine Nasszelle, in der man sich bewegen kann
  • ausreichende Kapazitäten um einige Zeit autark zu sein

Schnell war klar, dass wir unsere Vorstellungen nur mit einem LKW-Fahrgestell realisieren können.  Nach einigen Recherchen haben wir uns gegen einen professionellen Ausbau entschieden.

Zufällig sind wir auf das Angebot eines Händlers gestoßen:  einen MAN 8.136 FAE der dänischen Armee, Baujahr  1988 und noch keine 1000 km auf dem Tacho. Es war ein reines Depot-Fahrzeug in hervorragendem Zustand.

Gesehen und gekauft war eins. Nun konnte das Abenteuer Umbau beginnen.

bild 1 - pritsche oliv - web

Aufbau:

Nachdem nun die Rahmenbedingungen durch das Fahrgestell gegeben waren haben wir mit der Planung der Kabine begonnen.  Viele Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen, bis  unser Entwurf endlich fertig war.

Da wir nicht so verwegen waren, den Koffer selbst bauen zu wollen haben wir uns für einen professionellen Kabinenbauer entschieden. Unsere Wahl ist auf die Firma Ormocar gefallen.

Die Planungsphase haben wir genutzt, um einige Veränderungen am Fahrzeug selber vorzunehmen. So haben wir u.a. den originalen Dieseltank ausgetauscht gegen einen großen und einen kleinen Tank. Insgesamt haben wir so 440 Liter Diesel.

Im Fahrerhaus haben wir die Sitzbank ausgebaut und für den Fahrer und Beifahrer zwei  ISRI-Schwingsitze spendiert. So sitzt es sich einfach angenehmer.

Von Ormocar haben wir noch einige wertvolle Tipps bekommen, so dass am Ende ein leicht veränderter Plan in die Tat umgesetzt wurde. Wir haben uns die Leerkabine bauen lassen inklusive des Durchgangs zum Fahrerhaus, der Fenster, der Türen, Reserveradhalter  und des Astabweisers.

Anfang 2008 stand dann unser Schmuckstück wieder vor der Haustüre. Da wir eine eher unauffällige Farbe bevorzugen, haben wir das Fahrerhaus und die Kabine mit Rolle und Pinsel in hellbeige gestrichen.

bild 2 - lackiert

Ausbau:

Der Innenausbau hat uns einige Kopfzerbrechen gemacht. Unsere erste  Idee einen Schreiner mit dem Möbelbau zu beauftragen haben wir schnell wieder fallen gelassen, da dies nicht koordinierbar war. Die Möbel sollten nach und nach entstehen, immer im Zusammenhang mit den Installationen.

Da wir keine Halle hatten, sondern auf schönes Wetter angewiesen waren gab es keinen kalkulierbaren Zeitplan.

Da Apfelsinenkisten-Design nicht unser bevorzugtes Design war haben wir uns bei der Auswahl des Holzes für Pappelsperrholz  in Buche-Design entschieden.  Für die Wände der Naßzelle haben wir das Holz auf der einen Seite in Buche und der anderen Seite mit GFK-Beschichtung genommen.  Dies hat sich als nicht optimal herausgestellt. Beim nächsten Mal würden wir die Nasszelle direkt vom Kabinenbauer mit einlaminieren lassen.  Das Pappelsperrholz mit der Designoberfläche neigt beim zerspanen zum Ausreißen.  Das ist stellenweise zu sehen, aber es ist ja auch ein Amateurausbau und Gebrauchsgegenstand. So ist über die nächsten drei Jahre nach und nach der Innenausbau entstanden.

Hier entsteht das Podest für die Sitzecke:

bild 3 - podest

Das wird die Küche:

Bild 4 -MAN Kueche - web

Die Naßzelle entsteht:

bild 5 - web

Da wegen der Witterung im Winter „baufrei“ war, haben wir die Zeit genutzt um Sitzbezüge für die Polster und Vorhänge zu nähen.

bild 7 sitzecke

Wir haben es geschafft 3 Wassertanks mit je 130 Litern Frischwasser zu verbauen, eine Webasto Dualtop Dieselluftheizung mit Warmwasserbereitung, eine Backup Truma Gasheizung (man weiß ja nie, ob Diesel immer funktioniert), 2x130AH Solarbatterien, 560WP Solarzellen sowie Sterling A2B Lader, 220V Landstromladegerät, 1KW Wechselrichter und noch so ein paar Kleinspannungskonverter (24/12V, 24/5V)

Geschaltet und kontrolliert wird das alles von hier:

schalttafel

 Im Sommer 2010 war es endlich soweit und wir konnten zu unserer ersten Probetour starten – ein Wochenende in der näheren Umgebung.

Es war ein tolles Gefühl, zum ersten Mal mit unserem neuen Auto auf Tour zu gehen.

Bild 6 - ausflug

Noch schöner war es festzustellen, dass alles beinahe wie gewünscht funktioniert.  Besonders der fast  nie endende Strom durch unsere Solar-Paneele auf dem Dach war ein Erlebnis. So etwas hatten wir vorher nicht.

Natürlich gibt es immer noch etwas zu verbessern und zu verändern.Die erste Generation LED-Innenlämpchen mußten wir schon austauschen, da die LEDs flackerten und nach und nach ausgefallen sind. Die billigen Dachlüfter sind schon ersetzt durch Modelle aus dem Jachtbau, weil wir gleich beim ersten Regen von oben naß geworden sind.

 Doch nun ist das Fahrzeug fertig und hat sich bei zwei längeren Urlaubs-Fahrten durch das Baltikum und nach Karelien bewährt.

Nur die Reifen waren nicht optimal. Das MPT-Profil baut sich auf Asphalt zu schnell ab. Daher und aus Gründen der weltweit besseren Verfügbarkeit und Kosten haben wir kurzfristig umgerüstet von MPT Schlauchreifen mit Sprengringfelgen auf schlauchlose Reifen mit Standard-LKW-Profil und größerem Abrollumfang.

Und so sieht das Fahrzeug nun im Endzustand aus:

endzustand 1 endzustand 2

Nun kann die große Reise starten.

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