Russland – Teil 2

Goldener Ring – Gorochowez – Nishni Nowgorod – Kasan – Kungur – Jekaterinburg – Omsk – Novosibirsk

Mai 2015

Auf unserer weiteren Fahrt Richtung Osten wollen wir uns auch Wladimir, die letzte Stadt des Goldenen Rings, nicht entgehen lassen. In Wladimir angekommen steuern wir als erstes den schon von anderen Reisenden beschriebenen riesigen Supermarkt „Globus“ an. Wir stellen fest, dass deren Schilderungen nicht übertrieben waren. Besonders fasziniert hat mich die Kuchentheke: eine ganze Wand lang reiht sich in hohen Kühlschränken ein Kuchen an den anderen. Sie sind in durchsichtigen Plastikboxen verpackt, so dass ich sie in ihrer ganzen Schönheit bewundern kann. Ich könnte mich gar nicht entscheiden, welches der Prachtstücke ich nehmen sollte. Nur gut, dass in unserem Kühlschrank gerade kein Platz ist für Kuchen. In diesem Supermarktparadies könnte ich noch Stunden nur mit Anschauen zubringen. Doch daraus wird nichts und ich muß bald wieder zurück zum Auto.

.
Das im 12. Jhdt gegründete Wladimir gehörte mit zu den wichtigen Städten des Landes. Heute stehen die alten Bauten auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Wir spazieren vom Goldenen Tor, dem einzigen Stadttor des mittelalterlichen Wladimir, die Hauptstrasse entlang zur großen Mariä Himmelfahrts-Kathedrale, deren Kuppeln in der Sonne glänzen. Leider hält des schöne Wetter nicht an, denn als wir weiterfahren beginnt es zu regnen, so dass wir die Besichtigung des Klosters von Bogoljubowo nahe Wladimir ausfallen lassen.

Wladimir – Goldenes Tor

Wladirmir – altes Stadtzentrum

Wladimir – Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale

Wladimir – Kloster Geburt der Gottesmutter

Unsere nächste Station ist Gorochowez, wo wir uns das Nikolaus-Kloster anschauen. Es ist eine kleine und bescheidene Anlage hoch über dem Fluß Kljasma. Leider hängen über uns drohend schwarze Wolken, so dass wir uns etwas beeilen müssen. Auch der im Reiseführer gelobte Blick auf den Ort mit seinen Kuppeln leidet unter dem düsteren Wetter. Da der Parkplatz des Klosters sich nicht zum Übernachten eignet, fahren wir weiter die Magistrale entlang Richtung Osten, bis wir einen Platz finden.

Gorochowez – Nikolaus-Kloster

Gorochowez – Nikolaus-Kloster

Blick vom Nikolaus-Kloster auf Gorochowez

Rastplatz an der M7 bei Пыра (N56 17 30.2 E43 20 24.4)

Am nächsten Morgen fahren wir zeitig los, denn wir wollen uns die Stadt Nishnij Nowgorod anschauen. An den meisten grossen Städten in Russland gibt es an den Einfallstrassen feste Polizeiwachen, die meistens den Güterverkehr kontrollieren. So auch hier: im strömenden Regen und bei schlechter Fahrbahn musste ich (Bernhard) hinter einem Kleinlaster bremsen. Da unser Auto die Eigenart hat, kurz nach dem Losfahren abhängig von der Wetterlage etwas nach rechts zu ziehen, ist bei diesem Bremsvorgang das Fahrzeug ein wenig nach rechts ausgebrochen. 100 m später mussten wir am Kontrollpunkt anhalten. Nach Führerscheinkontrolle und einem tiefen Blick in die Augen musste ich mit in das Wachgebäude. Da wurde mir dann klar was los war – Alkoholkontrolle. Offensichtlich war dem Polizisten das Bremsmanöver aufgefallen und er hat sich so seine Gedanken gemacht. Interessanterweise zeigte das Messgerät tatsächlich einen Ausschlag, nur mein nicht vorhandenes Russisch verhinderte, das ich den Beamten aufforderte selber in das Teil zu blasen um zu zeigen das es eine Macke hat. Vielleicht war das besser so. Aus voller Überzeugung und im Wissen im Recht zu sein leugnete ich vehement Bier getrunken zu haben und bot sogar eine Blutprobe an. Danach verlegte ich mich auf die Erläuterung des technischen Sachverhaltes: nasses Wetter, schlechte Strasse, bolschoi maschina …….. Das hat funktioniert, die Miene wurde freundlich und ich wurde mit einem freundlichen Doswidanje entlassen.

.
Nishnij Nowgorod liegt an der Mündung des Flusses Oka in die Wolga. Als Station auf der Handelsroute von Europa nach Asien entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Handelszentrum. Wichtigste Sehenswürdigkeit ist der um 1500 n. Chr. erbaute Kreml, der hoch oben über der Wolgau thront. Da wir früh am Morgen dort ankommen bekommen wir einen Parkplatz am Flußufer direkt an der Treppe zum Kreml.
Wir mühen uns die vielen Stufen hoch zum Kreml-Eingang. Die Kreml-Mauer ist nett anzuschauen, aber das Innere ist nicht allzu sehenswert. Die Gartenanlage ist schön gepflegt und an einer Stelle an der Mauer ist altes Kriegsgerät ausgestellt. Nishni Novgorod, das ehemalige Gorki, war die Heimat der russischen T-34 Panzer, die hier geradezu verehrt werden. Von einem Aussichtspunkt könnte man schön auf die Wolga schauen – nur schade, dass das Wetter so schlecht ist.

Nischnij Nowgorod – Treppe zum Kreml

Nischnij Nowgorod – Eingang zum Kreml

Nischnij Nowgorod – Kreml

Nischnij Nowgorod – Kreml

Nischnij Nowgorod – Kreml – T-34 Panzer

Nishnij Nowgorod – Kreml

Nischnij Nowgorod -Blick auf die Wolgau

Anschließend laufen wir noch ein Stück durch die Fußgängerzone. Sie ist hübsch geschmückt mit vielen Fahnen für den 9. Mai, den Gedenktag an das Ende des 2. Weltkrieges. In der Fußgängerzone sind noch einige alte Häuser erhalten. Als wir am Ende ankommen, kommt endlich die Sonne hervor.

Nischnij Nowgorod – Fußgängerzone

Wir fahren weiter auf der M7 in Richtung Kasan. Es ist sehr viel Verkehr und die LKWs und PKWs nehmen kein Ende.

auf der M7 hinter Nischnij Nowgorod

auf der M7 hinter Nischnij Nowgorod

Übernachtung an einer Tankstelle an der M7 hinter Nischnij Nowgorod (N56 02 04.7 E46 40 52.2)

Wir erreichen die Stadt Kasan. Unser erstes Ziel ist das Hotel Safar, dass angeblich Camping anbietet. Aber unsere Nachfrage dort wurde mit dem Kommentar abgelehnt, sie hätten keinen Platz. Wenn wir ein Zimmer für 2000 Rubel nehmen, dann ist Parken kostenlos dabei. Wir verzichten und fahren weiter Richtung Innenstadt. Genau gegenüber dem Kreml sehen wir eine große Parkfläche vor dem Stadion, wo wir kurzentschlossen das Auto abstellen.

Strasse nach Kasan

Polizeiposten am Stadtrand von Kasan

auf der Brücke über die Wolgau

exklusiver Parkplatz mit Blick auf den Kreml von Kasan

Kasan ist Hauptstadt der Republik Tatarstan und Zentrum des Islams in Russland. Mit ihren Zwiebeltürmen und Moscheen gilt sie als eine der schönsten Städte Russlands. Wichtigste Sehenswürdigkeit und gleichzeitig UNESCO-Weltkulturerbe ist der Kreml von Kasan, in dem es sowohl eine Moschee als auch eine orthodoxe Kathedrale gibt. Wir erleben Kasan bei strahlendem Sonnenschein und so kommen die Minarette und die goldenen Kuppeln voll zur Geltung. Nach der Besichtigung des Kremls laufen wir durch die Fußgängerzone ins alte tatarische Viertel mit seiner Moschee und den schön restaurierten Holzhäusern. Am Abend haben wir einen Panoramablick auf den beleuchteten Kreml. Wir verbringen eine ungestörte Nacht vor dem Stadion. Nur der Straßenlärm der vorbeiführenden großen Straße war recht laut.

Kasan – Kreml

Kasan – Eingang in den Kreml

Kasan – Moschee Kul Scharif im Kreml

2015-05-04-nr62-RUS--Gebetsraum-komp

Kasan – Moschee Kul Scharif

Kasan – Kreml – Palast des Präsidenten der Republik Tatarstan

Kasan – Mariä-Verkündiguns-Kathedrale im Kreml

Kasan – Denkmal für die Baumeister von Kirche und Moschee

2015-05-04-nr87-RUS--komp

Kasan – Blick vom Kreml auf den Fluß Kasanka und das moderne Kasan

Kasan – Fußgängerzone

Kasan – Kathedrale Peter und Paul

Kasan – Blick über den Unteren Kaban See auf das Tatarenviertel mit der Mardschani Moschee

Kasan – Mardschani-Moschee

Kasan – alte tatarische Häuser

Kasan – unser Übernachtungsplatz am Stadion (N55 47 49.5 E49 06 00.2)

Kasan – Kreml bei Nacht

Wir fahren weiter und verlassen irgendwann die M7. Uns fällt auf, dass an der Nebenstrecke nicht mehr so viele und schöne Rastplätze vorhanden sind.

Wir erreichen Izhevsk, doch hier gefällt es uns gar nicht. Die Stadt ist groß, der Verkehr schrecklich, die Strassen miserabel, alles ist bucklig (muss das San Franzisco Russlands sein) und es gibt keinen gescheiten Parkplatz. So schauen wir uns nur schnell die große Erzengel-Michael-Kirche an, bevor wir die Stadt wieder verlassen. Wir sind froh, als wir wieder auf der Landstrasse sind, wo wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsehen. Irgendwann finden wir eine Raststätte, die akzeptabel aussieht. Es ist ein riesiger, aber leider sehr staubiger Platz. Da der Wind mächtig aufgedreht hat wehen die Staubfahnen über den Platz, so dass wir heute kein Fenster aufmachen können. Dafür gibt es hier Trinkwasser, saubere Duschen und sogar einen Wäsche-Service, bei dem wir unsere Wäsche abgeben. Wir bekommen sie am Morgen frisch gewaschen wieder ausgehändigt – da freut sich die Hausfrau! Mittlerweile haben wir zum ersten Mal eine Zeitzone überschritten und müssen die Uhr um eine Stunde vorstellen.

zwischen Kasan und Izhevsk

Dorf zwischen Kasan und Izhevsk

Izhevsk – Erzengel Michael Kirche

Übernachtung am Rastplatz госатиничный комплекс У моста (N56 59 57.9 E53 50 09.9)

Am Morgen scheint die Sonne, aber es ist kalt und in unserem Auto sind es gerade mal 11 Grad. Wir fahren weiter an Perm vorbei zur Kungur-Eishöhle. Der Weg dorthin führt durch den wenig attraktiven Ort Kungur und an einer Mülldeponie vorbei, die wir noch auf dem Parkplatz vor der Höhle riechen.

Fluß Kama bei Perm

Vor dem Höhleneingang stellen wir fest, dass wir schon die zweite Zeitzone passiert haben und es ist wieder eine Stunde später. In wenigen Minuten startet eine kurze Führung durch die Höhle, der ich mich anschließe. Wir sind nur zu dritt und der Führer rattert seinen Text in russisch runter, so dass ich kein Wort verstehe. Ruckzuck geht es von einer Station zur nächsten, und schon nach einer knappen Stunde stehen wir wieder am Ausgang, obwohl die Führung eigentlich 80 Minuten dauern sollte. Trotzdem hat mir die Höhle gefallen und ich habe die Besichtigung nicht bereut.

Eingang zur Kungur-Eishöhle

Kungur-Eishöhle

Kungur-Eishöhle

Kungur-Eishöhle

Kungur-Eishöhle

Kungur-Eishöhle

Bernhard ist beim Auto geblieben und freut sich, dass ich so schnell wieder da bin. Denn zwischenzeitlich war eine Gruppe betrunkener Jugendlicher am Auto, die ziemlich aggressiv gebettelt haben und sehr aufdringlich geworden sind. So verzichten wir auf die geplante Übernachtung vor der Eishöhle und fahren kurzentschlossen weiter.

Schneereste an der Strasse hinter Kungur

Übernachtung an einem Rastplatz hinter Kungur (N56 57 18.0 E57 31 35.6)

Unsere Route führt uns weiter Richtung Jekaterinburg. Die Strasse ist meist 2-spurig und in akzeptablen Zustand. Die Straßenränder sind voller Müll, aber immer wieder sehen wir Trupps von Leuten, die den Müll in Säcke sammeln. Die Säcke werden dann später eingesammelt. Ein anderer Trupp ist mit einem Schaufellader dabei, die vielen defekten Reifen vom Straßenrand einzusammeln. Damit alles schön wird, werden die Leitplanken und die Pfosten der Verkehrszeichen neu gestrichen – ohne Vorbehandlung auf die alte Farbe.

.
Wir befinden uns im Ural, dem „Gebirge“, das Europa und Asien trennt. Doch wir merken nicht viel von Gebirge, denn die Berge sind nur um die 300 Meter hoch, also eher Hügelchen.

im Ural

im Ural – Honigverkäufer

Irgendwie verpassen wir das Denkmal, dass die Grenze zwischen Europa und Asien anzeigt. Wir erreichen den Stadtrand von Jekaterinburg und fahren zuerst zum Kloster Ganina Jama. Es entstand auf dem Gelände einer Eisenerzgrube, in der die Leichen des letzten Zaren und seiner Familie verscharrt wurden. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Kloster mit sieben Holzkirchen – für jedes Familienmitgleid eine. Das Kloster liegt abseits in einem Birkenwald. Die Zufahrtsstrasse dorthin ist extrem schmal. Zum Glück weichen uns die entgegen kommenden PKW aus. Dann taucht vor uns eine Unterführung auf, die mit 2 m Höhe angegeben ist. In Wirklichkeit ist sie viel höher und wir passen prima unten durch. Vor dem Eingang zum Kloster ist ein riesiger ebener Parkplatz, der ideale Platz zum Übernachten. Hier gefällt es uns und wir beschließen zu bleiben. Das Kloster mit den Holzkirchen ist sehr gepflegt und sieht sehr schön aus, mit golden glänzenden Kuppeln. Es herrscht eine friedliche und ruhige Atmosphäre und ich bin froh, dass wir hierhin gekommen sind. Ausserdem gibt es hier leckeres Gebäck und Kaffee aus der Klosterküche.

Kloster Ganina Jama – Denkmal für Zar Nikolaus II

Kloster Ganina Jama

Kloster Ganina Jama

Kloster Ganina Jama – Denkmal für die Kinder des Zaren

Kloster Ganina Jama – unser Übernachtungsplatz (N56 56 38.6 E60 28 23.2)

Am nächsten Morgen fahren wir ins Zentrum von Jekaterinburg, der viertgrößten Stadt Russlands. Sie entstand im 18. Jhdt. rund um die damals größte Eisenhütte Russlands. Die Stadt ist bekannt geworden, weil hier im Jahr 1918 der letzte russische Zar und seine Familie erschossen wurde. Seit dem Jahr 2003 steht an der Stelle, wo die Tat geschah, die Erlöserkathedrale. Sie ist heute die größte Sehenswürdigkeit der Stadt.
Obwohl es sonst keine bedeutenden Sehenswürdigkeiten in Jekaterinburg gibt, finde ich die Stadt ganz nett. Wie in vielen russischen Städten ist hier Platz ohne Ende, mit breiten Straßen und großen Plätzen. Auf dem Lenin-Platz vor der Stadtverwaltung sind riesige Tribünen aufgebaut für die morgige Feier zum Ende des 2. Weltkrieges. Es ist schon erstaunlich, dass auch in den kleinsten Dörfern der Tag der Deutschen Kapitulation gefeiert wird. Überall sieht man Banner und Plakate und die Vorbereitungen für die lokale Festrede. Dieses Ereignis hat bis auf den heutigen Tag in allen Generationen wohl tiefen Eindruck hinterlassen.

Jekaterinburg – Erlöserkathedrale auf dem Blut

Jekaterinburg – Erlöserkathedrale auf dem Blut

Jekaterinburg – Stadtteich

Jekaterinburg – Historischer Platz

Jekaterinburg – Schmuckmuseum

Jekaterinburg -Platz Des Jahres 1905

Jekaterinburg – Fußgängerzone

Jekaterinburg – Katharinenkapelle

Wir fahren weiter und finden wieder einen schönen Rastplatz, wo wir übernachten.

Rastplatz hinter Jekaterinburg (N56 43 57.0 E61 03 22.1)

Vor uns liegt Sibirien, ein unendlich großes Gebiet mit einer West-Ost-Ausdehnung von 7.000 km. Die Landschaft ist flach und unendlich weit. Wir passieren Felder von unvorstellbarer Größe. Dazwischen sind immer wieder Birkenwälder. Der Boden ist feucht und überall stehen Pfützen.

.
Wir erleben einen total verregneten und kühlen Tag. Unterwegs werden wir zum zweiten Mal von der Polizei angehalten und kontrolliert. Dieses Mal will der junge Mann offensichtlich nur etwas unterhalten werden, wenn er denn schon im strömenden Regen Autos kontrollieren muß. Bernhard muß die Papiere vorzeigen,. Dann wird er nach der “green card”, der grünen Versicherungskarte gefragt – erstaunlich, das ein junger Polizist in Sibirien dieses Dokument kennt. Das ist das erste Mal, das dieses kontrolliert wird. Er ist zufrieden und wünscht uns auf Deutsch: Auf Wiedersehen.

.
Bei dem schlechten Wetter haben wir keine Lust uns Tjumen anzuschauen und so fahren wir an der Stadt vorbei. Es ist viel Verkehr und immer wieder werden wir von Lastern überholt. Hinter Jekaterinburg gibt es kaum noch Rastplätze. Einige sind geschlossen und andere sehen aus wie Schlammgruben. So fahren wir heute ungewöhnlich weit, bis wir zum Stehen kommen. Wir erwischen einen großen asphaltierten Platz, doch hier ist das Sanitär ziemlich mies. Wir gehen in der nahen Kantine essen und sehen nebenher im Fernsehen den Bericht von den Feiern in Moskau zum 70-jährigen Kriegsende. Man sah viele Leute, die Bilder ihrer Angehörigen, die entweder im Krieg gefallen oder mittlerweile verstorben sind, auf dem Roten Platz vor sich hertrugen. Es wahr wohl eine ganztägige Übertragung des Russischen Fernsehens.

Rastplatz гостиница Вега (N56 30 31.3 E67 30 58.2)

Auch am nächsten Tag wird das Wetter nicht besser. Hatte ich mich gestern noch über die schönen Straßen gefreut, so ist die Freude heute schnell vorbei. Denn kurz nachdem wir losgefahren sind beginnt eine schlimme Holperstrecke. Sie erstreckt sich über 200 km lang. Erst an der Grenze zum Oblast Omsk wird die Strasse plötzlich wieder gut. In dem schlimmen Abschnitt fahren wir teilweise nur mit 25 km/h – immer schön langsam hinter einem LKW her, denn an ihm kann man gut erkennen, wo man am besten lang fährt. Mittlerweile haben wir wieder eine neue Zeitzone errecht und müssen die Uhr nochmals eine Stunde vorstellen.

zwischen Tjumen und Omsk

zwischen Tjumen und Omsk – Holperpiste

zwischen Tjumen und Omsk

zwischen Tjumen und Omsk

Irgendwann erreichen wir Omsk, die zweitgrößte Stadt Sibiriens. Am Stadtrand ist ein riesiges Einkaufszentrum mit Mediamarkt, Ikea etc. Wir gönnen uns einen angenehmen Vormittag im Shopping-Paradies, indem wir durch die Passage schlendern, lecker essen gehen und fast nichts einkaufen.
Dann fahren wir ins Stadtzentrum und finden einen schönen Parkstreifen am Flußufer nahe dem Flußhafen, wo wir auch übernachten. Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt. Auch Omsk ist keine sehr alte Stadt und hat nicht viele Sehenswürdigkeiten.

Omsk – Flußhafen

Omsk – unser Platz am Fluß (N54 58 53.0 E73 22 19.7)

2015-05-12-nr34-RUS-komp

Omsk – Maria-Himmelfahrts-Kathedrale

2015-05-12-DSCF7691-omsk-komp

Omsk – Maria-Himmelfahrts-Kathedrale

Omsk – die ehemalige Prachtstrasse

Omsk – Akademie-Theater

Omsk – Feuerwehrturm

Omsk

Omsk – Installateur Stepanic ist schon weit herumgekommen

Wir wollen es heute ruhig angehen lassen und fahren nur wenig weiter zu einem schönen Rastplatz, wo wir wieder einmal duschen und unser Brauchwasser auffüllen können.

Die Sonne scheint und es ist warm, und so machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit den sibirischen Mücken. Sie sind größer als bei uns und unglaublich zahlreich, so dass wir uns keine Minute länger im Freien aufhalten als nötig. Plötzlich lerne ich, das kalte und nasse und mückenfreie Wetter im Nachhinein zu schätzen.
In der Nacht machen wir zum ersten Mal schlechte Erfahrungen auf einem Rastplatz, denn plötzlich sind wir von Kühllastern umgeben, deren Kühlaggregate die ganze Nacht laufen und einen furchtbaren Lärm machen. So haben wir kaum schlafen können.

M51 hinter Omsk

Rastplatz hinter Omsk (N55 00 02.9 E74 36 26.0)

Wir fahren weiter. Unterwegs sehen wir ein paar mal brennende Felder, die von den Bauern angezündet wurden. Das erinnert mich an einen Zeitungsartikel kurz vor unserer Abreise, dass in Sibirien die Wälder brennen sollen.

brennende Felder

brennende Felder

langsam wird es grün in Sibirien

Sibirien – ein Paradies für Mücken

Rastplatz auf dem Weg nach Novosibirsk (N55 05 46.4 E81 33 52.5)

Nach einem weiteren Stop erreichen wir die Stadt Novosibirsk, das Herz Sibiriens. Die Stadt entstand 1893 als Station der neu erbauten Transsibirischen Eisenbahn. So ist die größte Sehenswürdigkeit der Stadt der große Bahnhof, an dem u.a. die Transsib-Eisenbahn hält. Wir sind sprachlos, als wir diesen schönen Bahnhof sehen. Alles ist in supergutem Zustand – sauber, aufgeräumt und geordnet. In den Gleisanlagen und an den Bahnsteigen liegt nicht der kleinste Dreck, und nirgendwo ist Graffitti. Die große Bahnhofshalle sieht innen aus wie das Foyer eines großen Luxushotels und alle Reisenden benehmen sich auch so. Wenn ich da an den Kölner Hauptbahnhof denke ….. im Vergleich dazu ist er ein unglaubliches Dreckloch. Auf den Anzeigetafeln findet man so interessante Züge wie Moskau – Wladivostok, Novosibirsk – Alma Ata – Taschkent – Frunse. Es ist lustig, noch die sowjetischen Namen für Almaty und Bishkek zu sehen. Wir laufen noch ein wenig durch die Stadt und kehren dann zum Deutschen Haus zurück, wo wir unser Auto stehen haben. Wir dürfen hier auf dem Gelände gegen Gebühr übernachten. Die Leute hier sind unglaublich freundlich und um uns besorgt und wir fühlen uns hier wohl.

Fahrt über den Ob bei Novosibirsk

Novosibirsk – Leninplatz

Novosibirsk – Theater für Oper und Ballett

Novosibirsk – Alexander Newski Kathedrale

Novosibirsk – Alexander Newski Kathedrale

Novosibirsk – Kapelle

Novosibirsk – Eisenbahn

Novosibirsk – Bahnhof

Novosibirsk – Bahnhof

Novosibirsk – Wartehalle im Bahnhof

Novosibirsk – Bahnhof

Novosibirsk – Bahnhof

Novosibirsk – Wurststand auf dem Markt vor dem Bahnhof

Novosibirsk – unser Stellplatz am Deutschen Haus (N55 02 01.9 E82 56 01.1)

Insgesamt sind wir bisher positiv überrascht von den guten bis akzeptablen Straßen. Ab und zu gab es mal kurze Abschnitte, die etwas holpriger waren, aber insgesamt können wir nichts schlechtes berichten. Einzige Ausnahme sind die ca. 200 km zwischen Tjumen und der Grenze zum Oblast Novosibirsk, die wirklich furchtbar waren. Wir freuen uns über die günstigen Dieselpreise, besonders wegen der langen Strecken, die wir hier fahren. Wir haben einmal für 200 l Diesel umgerechnet 100 Euro bezahlt. In Sibirien scheint es wieder etwas teurer zu sein, so um die 0,62 Euro/l. Aber das ist für uns immer noch günstig.

Das war unsere Route Russland Teil 2:

Karte Russland 2015 Teil 2 - Susdal-Nowosibirsk

Advertisements
Kategorien: Reiseberichte | Ein Kommentar

Beitragsnavigation

Ein Gedanke zu „Russland – Teil 2

  1. Hans Joachim Heister

    Brigitte, Bernhardt,

    sehr schöner Reisebericht der mich an meine Zeit in Russland erinnert hat. Einige der Städte die ihr beschreibt habe damals auch besucht.. Die Begeisterung der Russen über Ihren Sieg über Nazi-Deutschland begreift man erst richtig wenn man sich in Erinnerung ruft wie viel Leid der Krieg in Russland verursacht hat. Da war es für mich erstaunlich dass ich nie irgendwelche Ressentiments der Russen gegenüber mir als Deutschem gespürt habe. Vielen Dank und euch weiterhin gute Fahrt und viele schöne Erlebnisse.
    Hans Joachim Heister

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: