Verschiffung nach Kanada

April 2018

Am Sonntag dem 15.4. ist es endlich soweit: wir starten unsere neue Tour durch Kanada, die USA und wahrscheinlich ein bisschen durch Mexiko. Das Fahrzeug ist gepackt und zum Verschiffen vorbereitet. Wir fahren zuerst nach Buxtehude zu Freunden. Sie haben einen ähnlichen Reiseplan wie wir und verschiffen ihr Fahrzeug auf demselben Schiff. Das Schiff soll am Mittwoch den 18.4. in Hamburg nach Halifax ablegen, so das wir das Fahrzeug am 16.4. morgens in Hamburg beim Spediteur im Hafen abliefern. Die Übergabe selber war unspektakulär: die Aussenmaße werden nicht nachgemessen, es wird nicht gewogen und selbst die Gas- und Dieselvorräte werden nicht kontrolliert. Nur der Gesamtzustand des Fahrzeugs wird aufgenommen und ein paar Kratzer vermerkt. Nach der Abgabe des Fahrzeugs gehen wir zuerst ins Hotel und machen danach noch eine kleine Stadtbesichtigung, da das Wetter gut ist.

Hamburg – Elbphilharmonie

Hamburg – Landungsbrücken

Wir haben eine Kabine auf demselben Frachter gebucht mit dem unser Auto nach Amerika verschifft wird. Daher machen wir uns am nächsten Morgen wieder zum Oswaldkai im Hafen auf. Das Hafenpersonal fährt uns mit einem Shuttle direkt zum Schiff. Obwohl es erst am nächsten Tag abfährt dürfen wir unsere Kabine bereits beziehen. Anschließend werden wir sofort zum Mittagessen geschickt. Das trifft uns unerwartet, da wir sehr reichlich gefrühstückt hatten in der Erwartung, erst zum Abendessen etwas zu bekommen. Aber dem Kapitän, der uns persönlich zum Essen aufgefordert hat, widerspricht man nicht.

M/v Atlantic Star

Messe in der Atlantic Star

Aufenthaltsraum in der Atlantic Star

Brücke in der Atlantic Star

Navigations- und Radardisplays

Nach dem Essen bekamen wir eine Sicherheitsunterweisung. Danach haben wir nur noch vom Liegestuhl auf dem Oberdeck die Schiffsbeladung beobachtet. Das Wetter war prima, und ich (Bernhard) habe mir bei dieser Gelegenheit den ersten Sonnenbrand 2018 eingehandelt. Einigermassen beruhigt waren wir als wir beobachten konnten, das unser Fahrzeug nicht vergessen und ins Schiff gefahren wurde.

Containerbeladung im Vorschiff

noch mehr Container

glücklicherweise kommt unser Auto auch mit

Auf diesen anstrengenden Nachmittag folgte das (warme) Abendessen. Irgendwann am nächsten Tag war das Laden beendet. Das Schiff legte ab und fuhr die Elbe hinunter Richtung Antwerpen.

raus aus dem Oswaldkai

rein in die Elbe und vorbei an der Elbphilharmonie

Elbphilharmonie und Speicherstadt

Cap San Diego

Burchardkai vor der Stadt

Airbus-Werk in Finkenwerder

Hamburg – Blankenese

Der nächste Tag war wieder ausgefüllt mit anstrengendem Sitzen auf dem Oberdeck in praller Sonne. Interessant wurde es als das Schiff Richtung Antwerpen in die Osterschelde einbog und wir an Vlissingen und anderen Orten unserer früheren Urlaube in Zeeland vorbeifuhren. Da wir nicht nur rumsitzen und essen wollten haben wir ab diesem Tag den Sportraum des Schiffes regelmäßig für ein Training genutzt.

Vlissingen in der Oosterschelde

Die Einfahrt in den Hafen von Antwerpen war recht spannend – es gab grosse Kaianlagen, viel Schiffsverkehr und eine enge Schleusung zum Liegeplatz. Die Lotsen haben schon etwas drauf unser 300 m langes Schiff sicher hindurchzufahren. Gegen Abend lag es dann wohlbehalten am Kai. In der Nacht begann die Be- und Entladung.

Anfang des Hafengeländes in Antwerpen

hier ist viel Betrieb

der Lotse hat gut zu tun

Einfahrt in die Gezeitenschleuse

es ist nicht so eng wie es zuerst ausgesehen hat

schließlich sind wir im Hafenbecken

Containerladung in Antwerpen

mit dem Bordladekran werden neue Lebensmittel direkt vom Kühllaster geladen

fast voll

Am 21. April früh am Morgen hat das Schiff Antwerpen wieder verlassen. Es sind einige Container und Neufahrzeuge für England (Rechtslenker) mehr an Bord. Die Fahrt nach Liverpool verlief wie die bisherige Fahrt ziemlich ruhig. Da das Schiff nicht rechtzeitig vor Liverpool in Position war musste es erst ein anderes Schiff vorlassen und lag daher einige Stunden antriebslos vor Liverpool. Vom Anlegemanöver haben wir nichts mitbekommen, weil es mitten in der Nacht war. Auch in Liverpool wurde das Schiff durch eine Schleusenanlage geführt, vermutlich um in dem dahinter liegenden Hafenbecken einen gezeitenunabhängigen Wasserstand sicherzustellen. Da das Schiff eine eigene Fahrzeugrampe hat ist es wohl auf eine konstante Liegehöhe angewiesen.

ruhige See auf dem Weg nach Liverpool

Land in Sicht

die Beladung in Liverpool erfolgte mit älterem Gerät und deutlich langsamer als in Hamburg und Antwerpen

ein paar Nobelkarossen Made in UK werden auch mitgenommen

Am 24.4. gegen 4:30 in der Früh verließen wir Liverpool unserem eigentlichen Ziel Halifax in Kanada entgegen. Vor uns liegt die längste Etappe. Der Kapitän sagt die Fahrzeit mit vermutlich sechs Tagen vorher. Aber exakt vorhersagen kann man es wohl nicht, da Wellenhöhen, Strömungen und Wind die Fahrzeit beeinflussen.

Bohrinsel in der Irischen See vor Liverpool

Der erste richtige Seetag auf dem Atlantik war dann etwas ungemütlicher. Ein Tief bescherte ca. 4 m hohe Wellen, die das Schiff doch etwas in Bewegung brachten. Für richtige Seeleute war es wohl nicht der Rede wert. Der Nordatlantik kann bestimmt deutlich rauher werden. Überaschend war, wie schnell sich Sonne und Regen abwechseln.

Wellengang

Sonne und Regen wechseln sich ab

Am Freitag dem 27.4. – dem vierten Tag auf dem Atlantik – kam etwas Abwechslung in die Routine, die von Essen, quasseln mit den anderen Passagieren, Tischfussball und Dart spielen geprägt war. Der zweite Ingenieur zeigte uns den Maschinenraum des Schiffs. Das war sehr interessant, aber leider habe ich wegen des Lärms im Maschinenraum kaum etwas verstanden.

Maschinenleitstand

der 8 Zylinder 2-Takt Dieselmotor mit 30.000 PS

Schraubenwelle mit Drehstromgenerator

die hydraulische Rudermaschine

erster Arbeitstag für die neuen Lehrlinge des ersten Lehrjahres unter Anleitung des zweiten Schiffsingenieurs

Zusätzlich gibt es noch vier Hilfsmotoren zur Stromgenerierung, da der auf der Hauptwelle angeflanschte Drehstromgenerator nur bis ca. 70rpm Strom erzeugt. Bei voller Fahrt macht der Motor 90rpm. Im Hafen benötigt das Schiff besonders viel Strom zur Betätigung der ganzen Rampen und Tore im Fahrzeugdeck.

Zum Schluss durften wir auf Deck 4 noch unsere geparkten Fahrzeuge besuchen. Insgesamt hat das Schiff sechs Fahrzeugdecks. Die waren aber soweit wir das beurteilen konnten ziemlich leer.

Deck 4

unser Fahrzeug auf Deck 4

Am Nachmittag gab es zusätzlich eine Feuerschutzübung an der wir aber nur durch einen Zählappell sowie Kontrolle auf richtig angelegte Schwimwesten beteiligt waren. Die Manschaft hingegen hatte richtig zu tun mit dem Auslegen von Wasserschläuchen und dem Löschen simulierter Brände. Es sind übrigens 24 Besatzungsmitglieder inklusive aller Offiziere auf dem 300m langen Schiff.

die Passagiere des Schiffs bei der Rettungsübung

die Mannschaft auf der Musterstation 2

Während der nächsten zwei Tage auf See herrschte dichter Nebel. Es ist ein komisches Gefühl auf einem Schiff zu fahren dessen Bug man nicht sehen kann, zumal man ja in einer Eisberg-Gegend ist. Aber das Vertrauen auf das Radar ist unerschütterlich.

Wetterbild von der Brücke des Schiffs: vor uns ist ein kleines Tiefdruckgebiet

Am 30.4. erreichen wir Halifax, einen Tag früher als ursprünglich angegeben. Am Morgen auf See war das Wetter noch sonnig. Im Tagesverlauf und je näher wir der Küste kamen wurde es immer schlechter: Nebel und Regen. Die Übernahme des Lotsen war ein Erlebnis: bei der rauhen See war es nicht zu vergleichen mit dem Manöver auf der Elbe oder der Schelde. Das Lotsenboot drehte beinahe Loopings auf der See.

der Lotse muss starke Nerven haben

Einlauf in die Bucht von Halifax

Halifax

das Stadtzentrum von Halifax

wir unterqueren die Brücke um zu unserem Liegeplatz zu kommen

Erst nach unserem letzten Abendessen auf dem Schiff kamen die Zollbeamten zu uns an Bord, um uns die begehrten Stempel in den Reisepass zu stempeln. Die Prozedur war kurz und völlig problemlos. Danach durften wir das Schiff verlassen. Ein Shuttle hat uns zum Hafentor gebracht. Von dort sind wir mit dem Taxi zu unserem gebuchten Motel gefahren. Rechtschaffen müde sind wir auch bald eingeschlafen.

Am nächsten Tag haben wir dann eine kleine Tour die Küste von Nova Scotia entlang gemacht von der wir im nächsten Blog berichten.

Hier sei nur noch die Fahrzeugabholung am 2.5 erwähnt, die wieder erstaunlich problemlos vonstatten ging. Zuerst mußten wir zum Spediteur um die Frachtbriefe zu erhalten und eine Gebühr zu bezahlen. Anschließend ging es zum Zollbüro, um das Fahrzeug registrieren zu lassen. Als drittes sind wir zum Hafen gefahren. Im Büro bekommen wir den Fahrzeugschlüssel und kontrollieren das Auto auf Schäden. Alles ist prima: das Auto ist unbeschädigt und auch in der Fahrerkabine ist alles in Ordnung. So verlassen wir den Hafen und fahren zurück zum Hotel. Die gesamte Prozedur hat insgesamt ca. 3 Stunden gedauert. Das Fahrzeug ist nicht durchsucht worden und wir haben auch keine sonstige Kontrolle z.B. auf Verschmutzungen erlebt – prima: jetzt kann es losgehen.

Halifax – Fahrzeugabholung im Hafen

angekommen in Kanada

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Kategorien: Reiseberichte | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Verschiffung nach Kanada

  1. Willy.Rama

    Hallo Frau Hofmann, schön von Ihnen (Euch) wieder zu hören bzw. zu lesen. Hab mir schon Sorgen gemacht. Wünsche eine allzeit gesunde, spannende und unfallfreie Reise ! Freue mich schon auf die kommenden Berichte. Liebe Grüße Willy Rama

  2. Hans Joachim Heister

    Hallo Brigitte & Bernhard,

    schön wieder von euch zu hören. Auch das Ziel ist interessant 🙂 meine Familie und ich planen im August / September eine Tour durch Kanada (allerdings mit Flug und Mietwagen). Ich wünsche euch eine spannende Zeit und viele Abenteuer,

    Hans Joachim Heister

  3. Jochen

    Hallo,
    sehr schön zu lesen und ansehen!
    Ich wünsche euch eine richtig gute Reise!!!
    Gern wäre ich auch wieder unterwegs…
    Mal sehen…
    Grüße auch an die andere Besatzung.
    Alles Gute
    Jochen

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